Notfall-Koffer!
1. Geschädigt und im Stich gelassen...
Wie es eigentlich sein soll: Die christliche Gemeinde ist eine Gemeinschaft von Menschen, die ihr Leben der Führung Jesu Christi unterstellt haben, die seinen Geist empfangen haben und an der Liebe zueinander erkannt werden (Jo 13,35). Deswegen ist Feindschaft zwischen Mitgliedern unerträglich und muss unverzüglich repariert werden (1.Jo 4,20).
Nach dem Willen Jesu soll sich nach einem gescheiterten Versöhnungsversuch die Gemeinde auf die Seite des Geschädigten stellen und ihn gegen den Stärkeren verteidigen (Mt 18,15 ff / vgl Ri 19,29 ff). Wenn der Täter das Urteil der Gemeinde hören soll (Mt 18,17), dann kann das ja wohl nicht heißen, dass sie in blinder Gläubigkeit die Entscheidung des Gemeindeleiters nachplappert. Hier wird vom Apostel vorausgesetzt, dass die Gemeinde sich durch die Heilige Schrift zur Gerechtigkeit erziehen lässt (2.Tim 3,16), dass sie die Weisheit in Anspruch nimmt, die Gott denen gerne (!) gibt, die ihm vertrauen, dass er es kann (Jak 1,5).
Die Gemeinde soll dann den Gläubigen, der seinem Mitchristen Schaden zugefügt hat und weiter zur Gemeinschaft der Heiligen gehören will, zur tätigen Reue (vgl.Jak 2,16) ermahnen. Nur wenn er bereit ist, bei der Reparatur des angerichteten Schadens tatkräftig mitzuhelfen, kann zwischen beiden Gläubigen wieder Liebe und Respekt entstehen und der Bruch im Leib Christi, d.i. in der Gemeinde, wieder zuheilen (1.Kor 12,26).
Solange er das nicht tut und gegenüber dem Leid seines Mitchristen gleichgültig bleibt, kann eine Gemeinde, die der Heilige Geist regiert, von ihm weder Spenden noch geldwerte Leistungen, d.h. also keine Mitarbeit annehmen (Mt 5,23-26 / Mk 7,11). Sie muss darüber wachen, dass die faire Klärung eines Rechtsfalls zügig stattfindet, damit man sich keinesfalls allmählich an das bestehende Unrecht gewöhnt. Um diese Aufgabe mit Umsicht und Verantwortungsgefühl tun zu können, muss sich die Gemeinde mit den Rechtsgrundsätzen der Bibel befassen.
Wie es tatsächlich ist: In etlichen bibeltreuen Gemeinden stößt das Vorhaben, die Gemeinde über biblisches Recht zu informieren und auf diese Weise einen fairen Ausgleich vorzubereiten, in der Regel auf sehr viel Widerstand aus verschiedensten Gründen.
Ein Grund für Untätigkeit ist, dass etliche Gemeindeleiter nicht bereit sind, auf Spendengelder und Arbeitsleistungen des Beschuldigten bis zur fairen Lösung zu verzichten. Sie sind weder bereit, die Gemeinde vor der Sünde des "Korban" (Mk 7,11) zu warnen, noch über Wiedergutmachung zu predigen. Lieber lassen sie den Geschädigten, der ja nur ein einzelner ist, im Stich. Erleichtert nimmt man zur Kenntnis, wenn er die Gemeinde bald verlässt, weil er die Predigten über Liebe und Barmherzigkeit und die Aufrufe, sich endlich zu bekehren, nicht mehr ertragen kann.
Ein weiterer wichtiger Grund ist, dass etliche Gemeindeleiter den Rechtsfall ganz allein entscheiden wollen und die Autorität ehrenamtlicher Schiedsrichter neben sich nicht anerkennen können.
Nach dem Willen Jesu Christi soll aber nach dem Scheitern des Vermittlungsgespräches nicht eine einzelne, privilegierte Person urteilen, sondern die Gemeinde soll seine Weisheit in Anspruch nehmen (Jak 1,5), um den Täter mit biblischem Recht zu konfrontieren (Mt 18,17).
Diese Chance geben ihr die Vertreter der herkömmlich-bibeltreuen Theologie bisher nicht. Viele Gemeindeleiter halten sich von vornherein für allein kompetent ("ich habe ja studiert"). und lehren die Gemeinde, das auch zu glauben (auch wenn es gar kein Fach "schiedsgerichtlicher Dienst" an der Ausbildungsstätte gab). Sie sind deswegen der Ansicht, dass es gar keinen Zweck hat, die Gemeinde über biblisches Recht zu informieren.
Die Entscheidung durch den Gemeindeleiter ist sehr problematisch, weil Angestellte der Gemeinde durch das Einkommen, das sie aus der Gemeinde beziehen, in ihrer Entscheidung befangen sind. Infolge dieser Abhängigkeit von der Gemeinde ist es möglich, dass sie gegen Täter, die Ansehen, Geld, und viele Beziehungen haben, nicht mit der gebotenen Strenge vorgehen. Wenn Geschädigte spüren, dass ihr Anliegen bei ihrem Leiter in denkbar schlechten Händen ist, belästigen sie ihn erst gar nicht mit der Angelegenheit. So bleiben sie auf ihrem Schaden sitzen.
Ist das nicht Unglaube und Missachtung Gottes, wenn man Gott unterstellt, dass ER dumme Befehle gibt, die für die Praxis nichts taugen?
Der folgende Beitrag soll helfen, sich auf den konkreten Schadensfall vorzubereiten und sich über die Liebe zur Gerechtigkeit, zu der die Bibel erziehen will (2.Tim 3,16) hilfreiche Gedanken zu machen.
Mehr Rechtssicherheit in bibeltreuen Gemeinden![Zum Anfang dieser Seite]
Höllenangst...
Wie es eigentlich sein soll: Wer sein Leben Jesus Christus anvertraut, wird von seiner Schuld und von drückendem Schuldbewusstsein befreit. Zunehmend erkennt er die wunderbare Persönlichkeit seines Meisters und wünscht immer mehr, ihm im Verhalten und Denken ähnlicher zu werden. Auf diesem Wege wird sein Glaube befestigt und mit diesem Glauben die Glaubensfreude, sodass der Glaube an Jesus Christus das Schönste und Wertvollste im Leben ist.
Wie es tatsächlich ist: Die bibeltreue Gemeinde lädt Menschen ein mit diesem Versprechen, wobei sie erwartet, dass der Betreffende mit der Bibel so umgeht, wie es in der Gemeinde gelehrt wird.
Das scheint vielen gut, aber manchem gar nicht gut zu bekommen. Es ist Tatsache, dass sich immer wieder gutwillige Gläubige genauso verhalten, dass sie treu und regelmäßig Veranstaltungen ihrer bibeltreuen Gemeinde besuchen, dass aber ihre Schuldgefühle und Gewissensnöte immer größer werden. Trotz aller Bemühungen ist von der anfänglichen Glaubensfreude nichts übriggeblieben. Ihr Eindruck von der Persönlichkeit Jesu bleibt aus bestimmten Gründen unklar und bedrohlich.
Eine der grausamsten Ängste ist die Befürchtung eines gläubigen Christen, die unvergebbare Sünde begangen zu haben. So manche harmlose und gutwillige Seele, die viele Jahre lang in dieser Qual gefangen war, ist irreparabel geschädigt und verkrüppelt worden.
Die theologische Hilfe ist in der Regel mangelhaft. Bei vielen Seelsorgern ist es üblich, mutmachende Bibelstellen zu wiederholen und zu hoffen, dass sie eines Tages doch stärker in der Seele haften als die beängstigenden Bibelworte.
Als ob der Gepeinigte nicht längst selbst die Bibel um seiner Gesundheit willen gründlich nach befreienden Beweisen durchsucht hätte! Als ob er ein Analphabet wäre, der nicht lesen könnte!
Das Problem ist doch nicht, dass er die mutmachenden Bibelstellen nicht kennt, sondern den Widerspruch zwischen mutmachenden und angstmachenden Bibelstellen nicht mit einem unwiderlegbaren Beweis auflösen kann.
Theologisch hat man sich an dieser Stelle, wo sofortige Hilfe eigentlich so dringend geboten ist, so gut wie gar nicht bemüht - und Pastoren und Seelsorger denkbar schlecht vorbereitet.
So mancher kommt dann sehr schnell zu dem Schluss, als schließlich die Angst des Betroffenen als Folge von mangelhafter intellektueller Begabung zu sehen: der arme Kerl ist einfach zu dumm für den Glauben.
Die folgende Untersuchung wird erweisen, ob es nur Dummheit bei den Betroffenen ist, die sie hindert den Ausweg zu sehen, oder ob es die in evangelikalen Kreisen immer seltener gewordene Fähigkeit ist, zwischen Optimismus und Gewissheit, zwischen Behauptung und Beweis zu unterscheiden.
Die folgende Untersuchung kann auf der Basis dieser Unterscheidung auch in aussichtslos scheinenden Fällen einen zuverlässigen Ausweg zeigen.
Die unvergebbare Sünde[Zum Anfang dieser Seite]