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Wichtige Untersuchungen und Entdeckungen in der Bibel / Worterklärungen

Hinweis: Um Fehleinschätzungen vorzubeugen, wird dringend empfohlen, vor dem Ansehen dieser Liste den Vorbereitungstext ganz durchzulesen!

Anker Antinomie Authentizität Authorisierung Authoritätsbluff Autonomie Bibelgemäße Theologie Biblische Gemeindeordnung Bluttransfusionsverbot Buchstabentreue Denkvoraussetzungen Denke erwachsen! Dummheit Ethisch problematische Textstellen Fokussierungsstil Formale Widersprüche Freiheit des Christen Fünf-Farben-Buch Gefahrenvorbeugung Geistliche Disziplin "Gesetz der 50-jährigen" Gesetzliche Illusionen Gewissen Gottesbeweise Heiligung Heimlicher Lehrplan Heilsgewissheit Heilstatsachen Hölle Inspirationsmodell Irrlehre Irrtumslosigkeitsdoktrin Kanon Kindlicher Glaube Kindlicher Zugang Kultur des Selbstbetrugs Laien-Bote Liberale Theologie Mündigkeit des Gläubigen No-Comment-Stil Offenbarungslücke Qualitätsmaßstäbe Christi Pauschalstil Polarität der Bibel Projektion Propaganda Schiedsgericht der Gemeinde Schizophrener Glaube Schwächen des Übungstext-Modells Selbstverstärkung Sektentypische Methoden Sektentypische Reaktion "Sockel-Effekt" Sorgfaltsparadox Sündenerkenntnis Traditionell-bibeltreue Theologie Überzeugungskraft Übungstexte Ungehorsam der Leitung Unreine Motive Umgang mit Ideologen Unvergebbare Sünde Urteilsvermögen Vater-Gott Verbesserung des Glaubensbekenntnisses Verderbtheit des Verstandes Vermeintliche Bibeltreue Volkskirche Werkgerechtigkeit Widersprüche in der Bibel Wie Jesus die Bibel liest... Wörtliches Missverstehen Zensur der Bibel

Ist eine der folgende Untersuchungen sachlich falsch oder mit der Bibel mangelhaft begründet? Wenn Sie möchten, können Sie uns Ihre Einwände mitteilen... (Kontakt).

Anker

Die Glaubwürdigkeit der Bibel muss an einem von menschlicher Religiosität unabhängigem absolut zuverlässigem Punkt festgemacht, "verankert" werden. Wird das unterlassen, so löst sich die Autorität der heiligen Schrift auf. Die Frage, wo Gott redet, bleibt dann der subjektiven menschlichen Einschätzung überlassen, die unter dem Einfluss eigennütziger Motive, Vorurteile und der philosophischen Prägung stehen. Es gibt dann auch keine herausgerufene Jüngerschaftsgemeinschaft (ekklesia) mehr, die Gewissensgemeinschaft ist und das Falsche aus ihrer Mitte entfernt.

Die traditionell-bibeltreue Theologie sieht den Anker der Gewissheit im Dogma der Irrtumslosigkeit jedes einzelnen Bibelwortes (formale Glaubenssicherung) gegeben. Der Umkehrschluss ist: wenn sich ein einzelner Fehler im Bibelwort nachweisen ließe, dann könne man der Bibel nicht mehr glauben. Damit sieht sich die Apologetik vor die Aufgabe gestellt, nachzuweisen, dass Hinweise auf Fehler, Irrtümer und Widersprüche in der Bibel unberechtigt sind und nur auf Missverständnissen beruhen. Die apologetische Arbeit hat in der Tat viele formale Widersprüche zufriedenstellend erklärt. Es bleibt aber ein Restbestand an Fundstellen, für den keine Erklärung möglich ist. Diese Lücke schließt die traditionell-bibeltreue Theologie, indem sie auffordert, daran zu glauben, dass sich die Unstimmigkeiten später oder wenn Jesus wiederkommt und gefragt werden kann, klären werden: „....Wo im Moment keine überzeugende Lösung zur Hand ist, sollen wir Gott in besonderer Weise ehren, indem wir seiner Zusicherung vertrauen, dass sein Wort trotz dieser Erscheinungen wahr ist und indem wir das Vertrauen festhalten, dass diese Unstimmigkeiten sich eines Tages als Täuschungen erweisen werden“ (Thomas Schirrmacher (Hrsg.), Bibeltreue in der Offensive: Die drei Chikagoerklärungen zur biblischen Irrtumslosigkeit, Hermeneutik und Anwendung, 2.überarb.Auflage, Bonn etc., 2004., Chikago-Erklärungen, S.31).

Dieses Konzept versagt leider völlig angesichts ethisch-problematischer Bibelstellen, weshalb die traditionell-bibeltreue Theologie zu dieses Thema so gut wie gar nichts sagt und sich bei Anfragen in der Regel tot stellt. Die Ethik ist ein Bereich, in dem die Aufklärung von Widersprüchen eben nicht auf später verschoben werden kann, da sie das Vertrauen in den Geber der Ethik, der als zweideutige Persönlichkeit erscheint, beschädigen. (siehe dazu ausführlich die Aufsätze "Biblische Logik" und "Der Sturz ins schwarze Loch")

Wenn man ethisch-problematische Bibelstellen - wie es die bibeltreue Übungstext-Theologie tut - als "Übungstexte" ansieht, für die der Gläubige eine Lösung im Sinne Jesu erarbeiten soll, dann stellt sich die Frage, wie hier die Glaubwürdigkeit der Bibel unabhängig von theologischen Vorlieben und religiösen Geschmäckern verankert wird. Denn das ist klar: wenn Übungstexte verbessert werden sollen, dann sind sie - so wie sie dastehen - verbesserungsbedürftig, mangelhaft und irreführend, sodass das Dogma der Irrtumslosigkeit nicht länger als Glaubenssicherung zur Verfügung steht.

Den Weg zur Lösung weist die Bibel, die Jesus Christus als den "sicheren und zuverlässigen Anker unserer Seele" (Hebr 6,19) bezeichnet. Diese Zuverlässigkeit ist nur gegeben, wenn auch die Worte Jesu zuverlässig sind. Da Jesus sehr oft das Unerwartete tat, ist eine Unterscheidung von echten und unechten Jesusworten, wie es die liberale Theologie versucht, nicht möglich (Projektion). Von Jesus Christus wissen wir durch Augenzeugen (1.Jo 1,1), deren Berichte uns in den Evangelien vorliegen. Die Jünger hatten erkannt, dass Jesus Gottes Sohn war, dass Gott in ihm Mensch geworden war, und dass die Gelegenheit, seine Worte zu hören, ein geschichtlich einmaliges Ereignis war (Jo 6,68). Deswegen haben sie sich verständlicherweise gescheut, die Worte Jesu eigenmächtig zu verändern, und haben auch sperrige, provozierende und ärgerliche Aussagen stehen lassen. (Man denke hier an Jesu Aufforderung, "sein Blut zu trinken" (Jo 6,53) oder an das Gleichnis vom ungerechten Haushalter (Lk 16,1 ff)) oder an die Ankündigung, dass "diese Generation nicht vergehen werde, bis das alles geschieht" (Mt 24,34). Vorsorglich hatte Jesus darauf verzichtet, einen Theologen in den Kreis der Zwölf zu berufen, bei dem man später möglicherweise hätte unsicher sein müssen, ob er sich nicht verpflichtet gesehen hätte, die eine oder andere Aussage entsprechend seiner theologischen Prägung zu korrigieren. Wir dürfen davon ausgehen, dass erstens die mündlichen Worte Jesu absolut zuverlässig waren, und dass zweitens auch die Jünger sich nach bestem Wissen und Gewissen bemüht haben, diese Botschaft authentisch und unverfälscht zu übermitteln. Dies schließt nicht aus, dass sich in dem einen oder anderen Punkt die Erinnerung der Augenzeugen unterschiedlich war (z.B. zu sehen an Differenzen der Aussendungsbefehle in Mt 10,9-10 / Mk 6,7-9 / Lk 9,3). Zu einer Verfälschung der Botschaft kommt es dadurch nicht. Der biblische Text zeigt keinen "anderen Christus" (Mt 24,5) als den, dem die Jünger tatsächlich begegnet waren.

Mit anderen Worten: diese Genauigkeit reicht aus, um zuverlässigen Glauben zu bilden, um zu erkennen, was uns durch Jesus geschenkt ist (2.Pe 1,3-4) und um sich seiner Führung anzuvertrauen (Mt 28,20 b).

Die Evangelien zeigen weiter, dass es für Jesus Qualitätsmaßstäbe gegeben hat, denen er höchste Priorität zuerkannte. Diese Qualitätsmaßtäbe bilden eine weitere Sicherheit für richtige Beurteilung und Bewertung, einen weiteren Anker, an dem sich der Gläubige festhalten kann. Sie lassen erkennen, warum Jesus die Kritik Maleachis an der mosaischen Ehescheidungsregelung bestätigt hat. Da es noch weitere der Würde der Frau abträgliche Regelungen im mosaischen Gesetz gibt (z.B: sexuelle Benutzung kriegsgefangener Frauen (5.Mo 21,10-14), ist hier dieselbe Kritik sehr wohl angebracht. Maleachi hat seinen gläubigen Zeitgenossen ja gerade das zum Vorwurf gemacht, dass sie eine selbständige Korrektur für überflüssig hielten: "Nicht einer hat das getan, in dem noch ein Rest von Geist war." (Mal 2,15)

Dieser biblische Befund widerlegt das Dogma der völligen Irrtumslosigkeit jedes biblischen Satzes eindeutig!

Jesus Christus hat sich allerdings immer wieder auf das "Gesetz und die Propheten" (Mt 22,40) bezogen, und hat auch einzelne Textstellen wie z.B. den Bericht über die Schöpfung als glaubwürdig und verbindlich bestätigt (Mt 19,4). Er hat von der "Schrift, die nicht gebrochen werden kann" (Jo 10,35) gesprochen und damit den damals gültigen Kanon als vertrauenswürdige Glaubensgrundlage der Jüngergemeinde authorisiert.

Dass es dennoch einzelne kritikwürdige Stellen oder Offenbarungslücken gibt, die Gläubige nicht eigenmächtig, sondern anhand der Qualitätsmaßstäbe Christi identifizieren sollen, steht damit nicht in Widerspruch. Generelle Aussagen, die einzelne Ausnahmen nicht nennen, entsprechen dem in der Bibel üblichen "Pauschal-Stil" oder "Fokussierungsstil".

Um den Missbrauch der von Gott gewollten "Mündigkeit" abzuwehren, müssen sich auch kleinere Glaubensgemeinschaften überlegen, wie die Schrift in geistlicher Disziplin zu lesen ist, um die Glaubwürdigkeit der Schrift und verbindliche Jüngerschaft zu stärken (inhaltliche Glaubenssicherung), und um Lösungen zu finden, die Jesus Christus gutheißen würde und die dem geistlichen Wohl aller Mitglieder dienen.

Geistliche Disziplin verhilft dem heiligen Geist zu größerer Wirkung. Dieser Prozess verstärkt das Vertrauen auf Gott und sein Wort und hat deshalb ebenfalls "Ankerfunktion".

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Antinomie

Echte Antinomien oder Paradoxien: Fakten der unsichtbaren Wirklichkeit, die sich aus menschlicher Sicht logisch ausschließen und dennoch nach der Bibel gleichzeitig vorhanden sind (Jes 55,9):
- Gott ist zugleich einer (5.Mo 6,4) und dennoch drei (Jo 14,26) (Dreieinigkeit )
- Jesus ist gleichzeitig Mensch (Phil 2,4) und Gott (Jo 20,28)
- er ist zugleich Hoherpriester (Heb 4,14) und Opferlamm (Jo 1,29
- er ist zugleich Retter (Lk 2,11) und Richter (Jak 5,9)
- er ist zugleich Diener (Mt 20,28) und Herr (Kol 3,24)
- der Mensch kann sich frei entscheiden und ist verantwortlich (Jos 24,15) und dennoch hat Gott zum Heil vorherbestimmt (Rö 8,29)
- der Verrat des Judas musste geschehen, aber der Verräter war dennoch verantwortlich für seine Tat (Lk 17,1).
- Satan reizte David (1.Chr 21,1) / Gott reizte David (2.Sam 24,1)
Auch in der Physik gibt es Paradoxien: das Licht, das einmal als Welle und einmal als Teilchen erscheint. Beides ist Realität, obwohl es logisch nicht zusammenzubringen ist.

Unechte Antinomien entstehen durch den Fokussierungsstil der Bibel: Der Autor konzentriert sich so sehr auf eine bestimmte Aussage in einer bestimmten Situation, dass Ausnahmen nicht in den Blick kommen, wodurch ein scheinbarer Widerspruch entsteht.

Beispiele: - Christen sollen der Obrigkeit untertan sein (Rö.13,1) / Christen sollen Gott mehr gehorchen als den Menschen (Apg.5,29). Erklärung: Gläubige respektieren die Regierung, aber widerstehen ihr, wenn sie fordert, Gottes Gebote zu missachten.
- Christen sollen nicht jedem Geist glauben (1.Joh.4,1) / die Liebe glaubt alles (1.Kor.13,7). Erklärung: Christen sollen jedem Menschen einen Vorschuß an Vertrauen schenken. Aber sie sollen auch nicht leichtgläubig einem Lügner auf den Leim gehen, sondern wachsam sein.
- Richtet, die drinnen sind (1.Kor 5,12) / Richtet nicht! (Mt 7,1). Erklärung: Christen, die sich in der Gemeinde unwürdig verhalten und anderen schaden, sind zur Ordnung zu rufen. Pharisäisches Kritisieren ist aber zu unterlassen.
- Seinen Freunden gibt ER es im Schlaf (Ps.127,2) / Liebe den Schlaf nicht! (Spr.20,13) Erklärung: Keine Einladung zur Faulheit, sondern zum Vertrauen.
- meinen Frieden gebe ich euch (Jo 14,27) / ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert (Mt 10,34). Erklärung: Christus hilft, Aggression und Unfrieden in der eigenen Seele zu überwinden. Es kann aber sein, + dass die Entscheidung, als Christ zu leben, von den Familienmitgliedern nicht akzeptiert und mit Feindschaft beantwortet wird.
- Das Wissen bläst auf (1.Kor.8,1) / Ich bete, dass eure Liebe reicher werde an Erkenntnis. (Phil.1,9). Erklärung: Es wird vor Überheblichkeit und Ehrgeiz gewarnt. Der Gläubige soll sich aber um geistlichen Reichtum bemühen.
- ihr werdet bitten, was ihr wollt (Jo 15,7) / dreimal habe ich vergeblich gefleht (2.Kor 17,7) Erklärung: Wenn der Gläubige um das Richtige betet, so darf er mit Erhörung rechnen. Keine gute Bitte wird vergessen (Lk 11,11). Sie wird aber nicht unbedingt in diesem Leben erfüllt.
- Wenn du betest, gehe allein in deine Kammer... (Mt 6,6) / sie waren stets alle einmütig beieinander im Gebet (Apg 1,14) Erklärung: der Gläubige soll nicht mit öffentlichem Gebet und mit seiner Frömmigkeit prahlen, das Gebet ist eine Angelegenheit zwischen ihm und Gott. Aber in der Versammlung kann er seine Gebetswünsche mit denen seiner Mitchristen vereinen.
- es reut Gott (1.Mo 6,6) / Gott ist nicht ein Mensch, dass ihn etwas gereue (4.Mo 23,19). Erklärung: Gott sammelt bei Menschen, die sich für das Böse entscheiden, seine ursprünglich guten Pläne wieder ein. Er hat sich selbst aber keinen Irrtum oder eine Fehleinschätzung vorzuwerfen.
- Ehre Vater und Mutter (2.Mose 20,12) / Wer Vater und Mutter nicht hasst, ist mein nicht wert (Luk.14,26). Erklärung: Gott erwartet herzliche Liebe zu den Eltern, ob gläubig oder nicht, aber Hass gegen ihren Ratschlag, Jesus nicht nachzufolgen.
- Der Satan hat uns gehindert (1.Thess 2,18) / Gott gibt uns allezeit den Sieg (2.Kor 2,14). Erklärung: Der Satan hat viel MAcht, auf der Erde Böses zu tun. Aber Gott kann die Niederlagen in Siege verwandeln, so wie der Tod Jesu schließlich zu seinem Triumph wurde.
- Kinder sollen nicht für die Sünden der Eltern bestraft werden (5.Mo 24,16) / Gott straft bis ins dritte und vierte Glied (2.Mo 20,5). Erklärung: Die Rechtsprechung darf keine Sippenhaft anordnen. Aber schwere Sünden, die sich Eltern leisten, können im ungünstigsten Fall auch noch das Leben der Urenkel schädigen (z.B. in Trinkerfamilien).
- Zweifle nicht an der Verheißung (Rö 4,20) / sie haben die Verheissung nicht erlangt (Hebr 11,34.40). Erklärung: Gott belohnt und beantwortet Vertrauen in jedem Fall. Die Belohnung erfolgt aber manchmal erst im Leben nach dem Tode. Das ist sehr sinnvoll, da sonst der Glaube eine berechenbare Angelegenheit wird.
- Der Mann ist das Haupt der Frau (1.Kor.11,3) / Hier ist nicht Mann noch Frau, sondern einer in Christus. (Gal.3,28). Erklärung: Die Ehe soll die Beziehung zwischen Christus und seiner Gemeinde abbilden (Eph 5,23), doch die Frau hat nicht weniger Würde und Rechte als der Mann.
- der Christ ist frei vom Gesetz (Rö 7,6) / der Christ ist dem Gesetz gehorsam (Rö 3,31). Erklärung: der Christ muss kein Gebot mehr erfüllen, um Gottes Liebe zu verdienen. Er erkennt aber in den Geboten Gottes unentbehrliche Lebenshilfe, die ihn vor Schaden bewahren.
- Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei (1.Mo 2,18) / es ist für den Mann gut, keine Frau zu berühren (1.Kor 7,1). Erklärung: Adam war besonders einsam, da es außer Eva nur Tieren auf Erden gab. Paulus sah in der Ehelosigkeit den Vorteil, dass sich der Mann größeren Aufgaben widmen kann und auch in Verfolgungszeiten keine Sorge um die Familie haben muss.
- Es ist unmöglich, Abgefallene zur Buße zu erneuern (Hebr.6,4-6) / niemand kann meine Schafe aus meiner Hand reißen. (Joh.10,28). Erklärung: der Gläubige, der bei Jesus bleiben will, muss sich nicht ängstigen, dass er verloren gehen könnte. Der Gläubige aber, der beschließt, sich ganz vom christlichen Glauben loszusagen, wird eindringlich gewarnt, dass dieser Schritt möglicherweise nicht rückgängig gemacht werden kann.

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Authentizität

Die ganze Botschaft des Neuen Testamentes beruht darauf, dass es zwölf Männer aus dem Volk gab, die Jesus zu Jüngern erwählte, und die berichteten, was sie mit eigenen Augen gesehen, was sie mit ihren Händen betastet haben (1.Jo 1,1). Diese Männer waren Handwerker, Fischer, Zollbeamter, kurz: einfache Leute, die ehrlich Zeugnis gaben von dem, was jeder gesehen hat, der damals dabei war. Auf diesem schlichten, unverfälschten Zeugnis beruht der ganze christliche Glaube.

Und nun soll dieser Glaube angeblich gestärkt werden, indem man den schriftlichen Bericht darüber, die Bibel, manipuliert, nur teilweise liest, Teile verdrängt usw., indem man also nicht mehr in dieser harmlosen und schlichten Weise Zeugnis gibt, von dem, was man mit eigenen Augen in der Bibel gelesen hat? Soll das wirklich ein "glaubwürdiges Zeugnis" sein? Oder trifft hier das Wort des Paulus zu: "Seid ihr so unverständig? Im Geist habt ihr angefangen, wollt ihr's denn nun im Fleisch vollenden?" (Gal 3,3). Wenn der Wert des christlichen Zeugnisses erhalten bleiben soll, dann dürfen Gläubige das nicht tun!

Jeder Gläubige sollte erkennen können, dass er über das, was er in der Bibel mit eigenen Augen sieht, genauso ehrlich und ungefiltert zu berichten hat, wie die Jünger ehrlich berichteten, was sie bei Jesus sahen.

Vertreter der Irrtumslosigkeitsdoktrin rechtfertigen ihre selektive Wahrnehmung mit dem Bibelwort: "Selig, die nicht sehen und doch glauben" (Jo 20,29). Mit diesem Satz tadelte Jesus den Thomas, der erst den Finger in die Wundmale Jesu legen wollte, ehe er an die Auferstehung glauben wollte. Tatsache ist, dass Thomas gar nichts (!) sah, bis ihm Jesus erschien, weder einen totgebliebenen noch den auferstandenen Jesus. Hier erwartete Jesus, dass er sich allein auf das göttliche Wort verließ.

Die Bibel fordert aber nirgends auf, Fakten, die man deutlich sieht, falsch zu berichten oder zu verschweigen, obwohl sie zur Sache gehören. Die Pflicht zu ehrlichem Zeugnis ist unstrittig und selbstverständlich! Wenn der Gläubige mit seinen Augen etwas sieht - ob in der Bibel oder außerhalb - dass nach göttlichem Maßstab unvollkommen und verbesserungsbedürftig ist, dann ist er nicht gezwungen, wider besseres Wissen zu reden. Sein Gewissen ist ausdrücklich geschützt (1.Kor 8,11-12). Nirgends in der Bibel wird der Schutz des Gewissens in Frage gestellt!

In nebensächlichen Fragen lässt die Erinnerung der Augenzeugen manchmal etwas nach, wie die verschiedenen Anweisungen bei der Aussendung der 70 Jünger zeigen - ein typisches Merkmal echter Augenzeugenberichte. Hier muss man sich damit begnügen, dass die mündlichen Anweisungen Jesu jedenfalls fehlerlos waren. Inhaltliche Widersprüche gibt es in den Evangelien so gut wie nicht (siehe aber unten das pädagogische Ausnahmebeispiel), aber die Evangelien ergänzen sich vielfältig ("Sondergut").

Gleichwohl stoßen wir manchmal auch auf nachträgliche theologische Korrekturen des neutestamentlichen Textes. So berichten Markus und Lukas, dass Jesus auf die Frage des reichen Jünglings entgegnete: "was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein" (Mk 10, 18 / Lk 18,19 ). In den Handschriften des Matthäus (mit einer Ausnahme) heißt es: "Was fragst du mich, nach dem, was gut ist." (Mt 19,17) Ein erheblicher Unterschied: im ersten Fall ist die Frage, ob die Person Jesu gut ist, im zweiten Fall, welches Verhalten gut ist. Offensichtlich hat hier ein Abschreiber des Matthäusevangeliums befürchtet, dass man aus dem Satz "Niemand ist gut als Gott allein" schließen könnte, dass Jesus sich nicht für Gottes Sohn hielt und etwas "nachgebessert". Die Tatsache der Gottessohnschaft war aber für sämtliche Apostel seit der Auferstehung völlig klar. Sie haben den anstößigen Satz Jesu sicher so verstanden: "nennst du mich nur gut, oder erkennst du, dass ich Gottes Sohn bin?" An der theologischen Korrektur der Handschrift sieht man, wie weise Jesus gehandelt hat, keine Theologen in den Kreis der Zwölf zu berufen.

Fazit: der Gläubige darf authentisch sein und ist auch berechtigt, die fehlende Authentizität, die fromme Ideologie kennzeichnet, als solche offenbar zu machen.

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Authorisierung

Da die Bibel Gottes Wort ist, ist es wenig sinnvoll, wenn der Mensch darüber eigenmächtig und allein auf seinen Verstand und seine Vorstellungsmöglichkeiten gestützt urteilt (1.Kor 2,14). In der Bibel geht es um geistliche Wahrheiten der unsichtbaren Welt. Diese lassen sich nur mit Hilfe des Heiligen Geistes verstehen, der dem Jünger Jesu geschenkt wird. Infolge der polaren, von vielen Gegensätzen charakterisierten Gestalt der Bibel müssen Prioritäten gesetzt werden. Dies kann der Gläubige nur so tun wie es die Bibel auch tut. Er muss die Prioritätensetzung (Prioritäten-Logik) der Bibel übernehmen. Höchste Priorität haben die Qualitätsmaßstäbe Jesus Christi. Weil seine Jünger seine Freunde und Brüder sind (Hebr 2,11) und seinen Geist haben (Rö 8,9), sind sie dazu authorisiert, diese Maßstäbe konsequent anzuwenden.

Die traditionell-bibeltreue Theologie bestreitet diese Authorisierung. Durch den Sündenfall ist auch der menschliche Verstand von Gläubigen angeblich so verdorben worden, dass sie sich blindgläubig auf Theologen verlassen müssen, die die Irrtumslosigkeitsdoktrin vertreten.

Mit geistlicher Autorität ist - ausnahmslos ! - die Bereitschaft verbunden, sich selbst an der Bibel prüfen zu lassen. Wer dazu nicht bereit ist, sondern blindgläubigen Gehorsam verlangt, ist nicht von Gott authorisiert! Das ist ein EINDEUTIGES MERKMAL für nicht-authorisierte Theologie!

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Authoritätsbluff

Auf den ersten Blick scheint die Verbalinspirationslehre, die jedes Wort der Bibel als irrtumslos und unfehlbar deklariert ( Irrtumslosigkeitsdoktrin) die Autorität der Heiligen Schrift bestmöglich zu unterstreichen.

Nach 2.Tim.3,16 ist es aber der Auftrag des inspirierten Gotteswortes, "zur Gerechtigkeit zu erziehen".

Auffällig ist, dass solcherart geprägte Gemeinden üblicherweise unfähig sind, bei Straftaten von Gläubigen seelsorgerlich zu schlichten und sich um einen fairen Schadensausgleich zu bemühen. Für diese (seltenen, aber schwerwiegenden!) Fälle ist überhaupt nichts vorgesehen. Üblich ist, dass das Opfer auf weltliche Rechtsprechung angewiesen ist und wenn diese versagt, leer ausgeht. Gaben und Dienste des Täters werden von Gemeinden weiter angenommen. Vor der Sünde des "Korban", d.h. der frommen Zweckentfremdung schuldiger Gelder wird so gut wie nie gewarnt. Wer auf dieses Defizit aufmerksam machen und die Gemeinde informieren will ( Broschüre "Liebe ohne Fairness"), stößt sehr häufig auf den Widerstand der Gemeindeleitung.

Wenn dieses Inspirationsmodell das einzig Wahre ist, warum findet dann die Erziehung zur Gerechtigkeitsliebe nicht statt?

Erster Grund: Für die Untersuchung eines Rechtsfalles ist Urteilsvermögen nötig, da sich der Täter nach Kräften bemühen wird, die Fakten zu verharmlosen oder zu leugnen. Ein Schiedsrichter muss in der Lage sein, kleinsten Unstimmigkeiten und Widersprüchen in den Aussagen nachzugehen, um das tatsächliche Geschehen zu rekonstruieren. Die Irrtumslosigkeitsdoktrin aber lehrt die Gläubigen ständig, dass es besonders gläubig und heilig sei, wenn sie auf Unstimmigkeiten und Widersprüche nicht achten, sondern notfalls sogar leugnen (Wohlgemerkt: es gibt auch sehr viele scheinbare Widersprüche, die man tatsächlich harmonisieren kann; siehe Antinomie).

Zweiter Grund: Damit die Gläubigen dem natürlichen Drang, nachzudenken und zu verstehen, nicht nachgeben, muss man sie entmündigen und ihre Authorisierung durch Jesus Christus rückgängig machen. Der Pastor erhält dann das uneingeschränkte Lehrmonopol und ist der Gemeinde gegenüber nicht mehr zur Rechenschaft darüber verpflichtet. Da geistliche Autorität grundsätzlich nur der Gemeindeleitung zugeschrieben wird (trotz Amos 7,14ff: Laien-Bote), kann man Nebenautoritäten, die durch ein Schiedsrichteramt entstehen würden, nicht dulden. Das Schiedsrichteramt selbst auszuüben, ist mit dem Vorwurf der Befangenheit und evt. Ansehensverlust bei gerechten, aber unangenehmen Entscheidungen behaftet. So unterlässt man es lieber und kann es auch unterlassen, da es - wie gesagt - eine theologische Rechenschaftspflicht der Gemeinde gegenüber nicht gibt (siehe auch Volkskirche).

In fehlender Korbanpredigt und im Ignorieren von Unrecht zwischen Gläubigen, aber auch in ihrer Entmündigung kommt Ungehorsam gegenüber der Heiligen Schrift zum Ausdruck, eine hartnäckige Missachtung ihrer Autorität. Daran ändern auch Lippenbekenntnisse zur "Autorität und Unfehlbarkeit aller Bibelworte" nichts. Doch in solcherart geprägten Gemeinden gibt es nicht viele Gläubige, die den "Bluff" durchschauen.

Das heißt nicht, dass der Gläubige nicht an die Fehlerlosigkeit der Bibel glauben darf. Die Irrtumslosigkeitsdoktrin ist ein erlaubtes Inspirationsmodell, wenn sie keinen Monopolanspruch erhebt und damit das Gewissen sorgfältig denkender Christen überfährt.

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Autonomie

"Eigenes-Gesetz" = Der Mensch bestimmt selber, welche Gebote der Bibel für ihn zu gelten haben bzw. ersetzt sie durch eigene Gebote, die eigennützigen Bedürfnissen und Trieben entgegenkommen. Manche Theologen rechtfertigen die Missachtung von Geboten mit der Beobachtung, dass auch in der Bibel Gebote durch Gläubige aufgehoben werden. So einfach ist es nun doch nicht!

Gebote sind generell gegeben, damit der Gläubige durch ihre Beachtung im geistlichen Wachstum gesegnet wird. Paulus schrieb, dass "er es nicht wagen wird, von etwas zu reden, das nicht Christus durch mich gewirkt hat, um die Heiden zum Gehorsam zu bringen durch Wort und Werk..." Röm 15,18 Das ist die Hauptintention biblischer Gebote.

Die Tatsache, dass dass einzelne Gebote verbesserungsbedürftig sind, ist eine Ausnahme. Diese Ausnahme kann man natürlich missbrauchen, um auch gute Gebote anzuzweifeln. Der Missbrauch ist aber riskant (Selbstverstärkung). Oder man kann diese Ausnahme nutzen - wozu sie auch gedacht ist - das geistliche Urteilsvermögen zu üben. Bildlich gesprochen: die Bibel enthält nicht nur reichlich Nahrung, sondern auch in kleinen Dosen "Impfstoffe", die das geistliche Immunsystem aktivieren sollen. Um das festzustellen, müssen strenge Bedingungen erfüllt sein, die den Missbrauch der Freiheit vermeiden:
a) die höchsten Maßstäbe Jesu werden durch die Aufhebung besser erfüllt.
b) die Ankerfunktion des biblischen Wortes wird gestärkt.
c) entweder: es werden keine Gewissen der Gemeinschaft überfordert.
Oder: Die Korrektur des Gebotes ist für das geistliche Wachstum so unverzichtbar, dass die Abspaltung einzelner von der Glaubensgemeinschaft um des Gewissens willen in Kauf genommen werden muss.

Wer so unweise ist, "Impfstoffe" als Nahrung zu verwenden, der muss sich nicht wundern, wenn er sich damit vergiftet.

Traditionell-bibeltreue Theologen unterstellen gerne, dass der Hinweis auf ethisch problematische Textstellen nur ein Vorwand ist, weil man sich dem Willen Gottes nicht unterordnen will.

Dass Jesus selbst die alttestamentliche Ordnung kritisiert hat (Details siehe Biblische Logik), und dennoch den Willen Gottes erfüllte, wurde hier wohl vergessen.

Wohl ebenfalls vergessen wurde, dass sich die traditionell-bibeltreue Theologie an bestimmten Stellen notorisch schwerhörig gegenüber dem Willen Gottes zeigt (vermeintliche Bibeltreue)

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Bibelgemäße oder verbesserte bibeltreue Theologie

Mit diesem Begriff bezeichnen wir alle Auslegung der Schrift , die die ausnahmslose Regie Gottes beim Entstehen der gesamten heiligen Schrift annimmt und alle Sätze der Bibel als Teil ein und desselben göttlichen Konzeptes betrachtet. Der pädagogische Sinnzusammenhang der Texte wird mit dem biblischen Begriff der „Inspiration“ (2.Tim 3,16) gekennzeichnet. Fundamentale Erkenntnis ist, dass Jesus Christus die letztgültigen Maßstäbe (Mt 23,23) zum Verstehen der Bibel vorgegeben hat, an denen sich Denken und Gewissen des Gläubigen orientieren muss. Da Gott das Gewissen niemals vergewaltigt (Rö 14,20), kann er es nur durch die Überzeugungskraft seiner Maßstäbe binden. Er hat seine Jünger authorisiert, für ethisch problematische Textstellen (Übungstexte) eine Lösung im Sinne Jesu zu finden. Dieses Recht auf eine ehrliche Gewissensentscheidung kann daher dem Gläubigen nicht durch ein theologisches Meinungsmonopol aberkannt werden. Die notwendige Auseinandersetzung mit ehrfurchtslosem Bibelkritizismus ist mit der Autorität biblischer Beweiskraft und in geistlicher Disziplin zu führen, wobei man sich allen ehrlichen Fragen ehrlich stellen muss.

Der Begriff „bibeltreu“ ist allerdings nicht eindeutig. Nicht wenige evangelikale Christen sehen sich selber als bibeltreu, auch wenn sie eine die ganze Bibel umfassende göttliche Regie bezweifeln und der Ansicht sind, dass die Bibel nicht völlig frei von unnützen Textteilen ist. Die nützlichen Aussagen der Bibel, die mit Hilfe der Maßstäbe Jesu Christi identifiziert werden können, sieht man durch unnütze Textteile nicht gestört. Der Inspirationsbegriff bleibt hier aber notwendigerweise sehr unklar. Diese Variante wird im vorliegenden Aufsatz nicht berücksichtigt. Ob Textteile definitiv unnütz sind, ist nur eine Vermutung. Wie soll man widerlegen, dass man später durchaus eine sinnvolle Funktion des Textes entdecken könnte?

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Bluttransfusionsverbot, Blutverbot

Sollten Bluttransfusionen grundsätzlich verboten werden?

Wenn es sich bei dem Bluttransfusionsverbot wirklich um ein wichtiges Gebot Gottes handelt, dann muss man diese Frage an jedermann richten. Es ist ja keine Frage, dass der Gott, den die Bibel beschreibt, von jedem Menschen die Respektierung seiner Normen verlangt, und nicht nur von einzelnen.

Warum verlangen die Zeugen Jehovas die Beachtung des Bluttransfusionsverbotes nur von ihren Mitgliedern? Warum verkünden sie dieses Gebot nicht als wichtige Pflicht jedes Menschen in der Öffentlichkeit?

Es geht nicht! Sie können es nur von den Menschen der eigenen Glaubensgemeinschaft verlangen, denen sie einreden können, dass es falsch sei, sich anderswo zu informieren.

Hier zum Beispiel kann man sich darüber informieren, dass der Versuch, dieses Verbot mit der Bibel zu begründen, nichts taugt.

Wie wir sehen werden, ist die Begründung so schlecht, dass eine ausführliche Abwägung aller biblischen Argumente auf der offiziellen WebSite der Zeugen Jehovas fehlt (Stand: 18.Okt 2010). Obwohl es immerhin um eine Frage geht, die über Leben und Tod entscheiden kann.

Hier kann man diese Diskussion nachlesen. Wir stellen uns ehrlich allen ehrlichen Fragen.

Abwägung der biblischen Argumente

Leider behaupten die Gemeindelehrer der Zeugen Jehovas nach wie vor, dass Gott allen Gläubigen die Bluttransfusion verbietet, und berufen sich hier auf das Verbot "Blut zu trinken" (1.Mo 9,4), das noch im Apostelkonzil bekräftigt wurde (Apg 15,20):" Denn es gefällt dem heiligen Geist und uns, euch weiter keine Last aufzuerlegen als nur diese notwendigen Dinge: daß ihr euch enthaltet vom Götzenopfer und vom Blut und vom Erstickten und von unmoral[ischen Geschwisterehen]." (Apg 15,28-29).

Ist das bibelgemäße Auslegung?

Hier prüfen wir
(a) ob das Verbot, "Blut zu essen bzw. zu trinken" für die Gemeinde heute noch gilt,
(b) ob eine Gleichsetzung von "Blut essen" und "Bluttransfusion" zwingend ist,
(c) ob bei Lebensgefahr ein biblisches Gebot aufgehoben werden darf,
(d) ob diese Erlaubnis dem Grundgedanken des Blutverbotes widerspricht.

(a) Die Bekräftigung im nachpfingstlichen Apostelkonzil scheint auf den ersten Blick eine Ordnung zu sein, die auch die christliche Gemeinde heute betrifft. Es wird aber nicht nur verboten, Blut zu trinken, sondern auch Götzenopferfleisch zu essen. Auffällig ist, dass hier zwar Götzenopferfleisch verboten wird, dass aber Paulus später das Verzehren dieses Fleisches nicht mehr als Sünde betrachtet: "Speise wird uns nicht vor Gottes Gericht bringen. Essen wir nicht, so werden wir darum nicht weniger gelten; essen wir, so werden wir darum nicht besser sein." (1.Kor 8,8). Hier sieht er eine Sünde nur noch dann gegeben, wenn man mit seiner Freiheit einen Bruder verleitet, Götzenopferfleisch zu essen, dessen Gewissen es nicht erlaubt. Das heißt: jetzt darf man Götzenopferfleisch sehr wohl essen, muss aber darauf achten, das Gewissen des Mitbruders nicht zu überfordern. Obwohl das Apostelkonzil zuvor JEDEM Gläubigen das Essen von Götzenopferfleisch untersagt hatte.

Wie ist dieser Unterschied zu erklären? Da Apostelkonzil (Apg 15) wurde einberufen, um das Auseinanderbrechen der Gemeinde in eine jüdische und in eine heidenchristliche Fraktion zu verhindern. Deswegen hat man hier für diese Gemeinschaft provisporische Gebote beschlossen, die die gröbsten Anstößigkeiten beseitigen sollte. Die Heidenchristen sollten deshalb den Juden ein Stück weit entgegenkommen, so wie sich auch Paulus bemüht hatte, "den Juden ein Jude zu sein" (1.Kor 9,20), und dabei sogar noch über diese vier Gebote hinausging, als er überflüssige Gelübde (Apg 18,18) ablegte.

Ausdrücklich betonte er dabei, dass er sich zwar (aus missionarischen Gründen, solange er unter Juden arbeitete) zeitweilig und pro forma unter das Gesetz stellt, selbst aber nicht unter dem Gesetz steht: "Denen, die unter dem Gesetz stehen, bin ich wie einer unter dem Gesetz geworden - obwohl ich selbst nicht unter dem Gesetz stehe -, damit ich die, die unter dem Gesetz stehen, gewinne." (1.Kor 9,20).

Es geht deshalb hier also gar nicht um Ethik, sondern nur um eine barmherzige Anpassung an die mosiasch-kultische Prägung eines großen Gemeindeteils. Richtig ist der Satz in Apg 15,28-29 also zu lesen: "wir und der heilige Geist haben beschlossen, euch nichts weiter [an kultisch-ritueller Anpassung] aufzuerlegen als diese vier Ausnahmen, ...Blut zu essen, Götzenopferfleisch zu essen...usw.... " Das Wort "nichts" wird im Text nicht weiter spezifiziert, weil es allen Beteiligten völlig klar war, worum es ging. (vgl. Fokussierungsstil)

In dem Brief an die Kolosser werden alle Speisevorschriften gänzlich aufgehoben (!) und ihre Anwendung sogar zur Sünde erklärt: "Lasst euch von niemandem ein schlechtes Gewissen machen: das sollst dies oder das nicht essen" (Kol 2,16). Auch der Galaterbrief erklärt die Beachtung altestamentlicher Formvorschriften für schädlich, wenn man sich damit Gottes Liebe verdienen möchte: "Ihr habt Christus verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, und seid aus der Gnade gefallen." (Gal 5,4 ) Christen sind zur Freiheit aufgerufen: "Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So bleibt nun standhaft und laßt euch nicht wieder unter das Joch der Knechtschaft zwingen!" (Gal 5,1 )

(b) Es gibt überhaupt keinen Beweis, dass das Verbot "Blut zu essen" das Verbot einer Infusion einschließt. Die Zeugen Jehovas haben auch nie einen unwiderleglichen Beweis dafür geliefert. Man kann "in tiefer Ehrfurcht" allerdings jedes Gebot übertreiben, bis es unerträglich wird. So war der Sabbat gegeben, damit der Mensch nicht wie eine Arbeitsmaschine tagein- tagaus rotierte, sondern sich Zeit nahm, das Wort Gottes zu hören und zu lesen und über Gott, seine Mitmenschen und sein eigenes Leben nachzudenken. Die Pharisäer machten daraus das Gebot, dass man am Sabbat nicht einmal jemand helfen durfte. Jesus setzte dagegen: "Am Sabbat darf man Gutes tun!" (Mt 12,12). Der Mensch ist immer wichtiger als das Gesetz: "Nicht der Mensch ist für den Sabbat gemacht, sondern der Sabbat für den Menschen." (Mk 2,27) Diese Regel darf auf jedes Gesetz angewendet werden. Da fragt man sich wirklich, wem eigentlich die "tiefe Ehrfurcht" gilt: dem barmherzigen Gott oder den "vorbildlich frommen" Schriftgelehrten.

(c) Daraus folgt unmittelbar, dass die Aufhebung eines Gebotes wegen Lebensgefahr nach der Bibel zulässig ist. Die Hebammen belogen den Pharao, um die Ermordung jüdischer Babys zu verhindern und sind dafür gesegnet wurden (2.Mo 1,19), obwohl für Lügner eigentlich Bestrafung vorgesehen ist (Offb 21,8). Jesus kritisiert es nicht, am Sabbat sogar ein Schaf zu retten, das in den Brunnen gefallen ist (Lk 14,5), sondern verwendet dieses Beispiel, um seine Heilungstätigkeit am Sabbat zu rechtfertigen. Niemals ist es der Wille Gottes, dass "der Buchstabe tötet".(2.Kor 3,6) Göttliche Gesetze dürfen dem Gläubigen nicht zum Schaden dienen.

(d) Widerspricht eine Bluttransfusion dem Grundgedanken des alttestamentlichen Blutverbots? Das alttestamentliche Verbot, Blut zu essen, wird mit dem Respekt vor dem "Leben im Blut" (1.Mo 9,4) begründet. Eine Infusion rettet Leben und deshalb wird mit der Anwendung der Infusion dieser Grundgedanke respektiert. Was bleibt von diesem Respekt übrig, wenn das Gebot jemand zu Tode bringt, der sehr leicht hätte gerettet werden können? Somit widerspricht das Verbot der Bluttransfusion auch dem Grundgedanken, den das Verbot des Blutessens versinnbildlicht. Jesus fordert ausdrücklich auf, sein Blut zu trinken (Jo 6,56). Auch wenn das nur im übertragenen Sinn gemeint ist, so macht er hierdurch deutlich, dass "Blut essen" von Gott gewünscht wird, wenn damit Leben erhalten werden kann.

Fazit:
(a)
Das im Apostelkonzil verkündete Verbot der Blutverzehrs beweist nicht, dass dieses Gebot heute noch beachtet werden muss, da das dort ebenfalls genannte Verbot des Verzehrs von Götzenopferfleisch später nachweislich nicht mehr gilt.
(b) Dass das Verbot Blut zu essen, sich auch auf Bluttransfusionen erstreckt, ist mit der Bibel überhaupt nicht zu beweisen, sondern reine Annahme. Im Gegenteil: Das Neue Testament warnt vor Schriftgelehrten, die das Sabbatgebot mit zu strenger Auslegung übertrieben und den Menschen damit "unerträgliche Lasten" aufgelegt haben (Mt 23,4).
(c) Die Bibel zeigt an mehreren Beispielen, dass bei Lebensgefahr strenge Verbote aufgehoben werden dürfen, die Zeugen Jehovas behaupten, es sei nicht möglich.
(d) Der Grundgedanke des Verbotes, "Blut zu essen", ist Ehrfurcht vor dem Leben. Wenn deshalb jemand stirbt, wie es bei den Zeugen Jehovas immer wieder geschieht, so wird dieser Grundgedanke missachtet.

Wenn hier die Argumente der Zeugen Jehovas so wenig taugen, warum spielt dann dieses menschenfeindliche Gebot bei ihnen immer noch eine so große Rolle?

Hier haben wir ein anschauliches Beispiel für den sogenannten "Sockel-Effekt" So klar die Beweise auch sind, hat es offensichtlich keinen Zweck, Zeugen Jehovas über diese biblischen Fakten zu informieren. Denn das Deutungsmonopol für schwerverdauliche Bibelstellen haben die Gemeindeleiter und halten es eisern fest. Sie werden nie zugeben, sich geirrt zu haben. Es wäre dann klar, dass sie fahrlässig Menschenleben gefährdet oder vielleicht sogar zerstört haben. Damit wäre ihre Autorität in Frage gestellt. Das darf nicht sein. Deshalb können sie eine abweichende Meinung in ihrer Gemeinschaft nicht dulden.

Die offizielle Website der Zeugen Jehovas hat vorsichtshalber die biblische Begründung für das Bluttransfusionsverbot gar nicht mehr an die erste Stelle gesetzt, sondern eher an unauffälliger Stelle plaziert, offensichtlich, um sie der Diskussion möglichst zu entziehen.

Das Blutverbot im Wachtturm
Auszug vom 2.10.2010 aus: www.watchtower.org/x/hb/index.htm

Stattdessen wird versucht, mit vielen Artikeln zum Blut zu demonstrieren, wie "kompetent" man sich um die Gesundheit der Mitglieder sorgt. Wohl wahr: auch Bluttransfusion birgt Risiken. Aber diese Risiken sind vergleichsweise sehr gering gegenüber dem hohen Risiko, bei großen Blutverlust infolge einer schweren Verletzung wegen Verweigerung der Blutspende zu sterben. Das müsste man ehrlicherweise sagen, wenn man von Risiko spricht. Um Gesundheit zeigt man sich sehr besorgt, wo es die Gemeindeleitung nichts kostet. Wenn aber die Sorge um die Gesundheit ein Eingestehen dogmatischer Fehler erfordert, dann ist die Entscheidung völlig klar: die Gesundheit zählt nichts mehr - das Dogma alles! Kein Wort wird verloren über die Tragödie, die man mit diesem Gebot vielen Familien aufgezwungen hat, dass Vater oder Mutter oder ein Kind sterben mussten, die vielleicht hätten gerettet werden können. Tragödien, von denen Mitarbeiter eines Bestattungsunternehmens viel berichten können.

Das Bluttransfusionsverbot ist ein anschauliches und verstörendes Beispiel für den "Sockel-Effekt" .

Die Irrationalität der Begründung wird insbesondere daran sichtbar, dass so getan wird, als ob es keine abweichenden Einzelmeinungen oder Änderungswünsche unter den Zeugen Jehovas gäbe. Sie werden hier als einheitlich denkender Block präsentiert, de infolge "seiner tiefen Gläubigkeit" gar nicht anders denken könne.

Wahr ist, dass niemand anders denken darf. Ein Mitglied, das andere vor diesem gefährlichen Gebot warnen möchte, wird - wie allgemein bekannt - zum Schweigen gebracht: durch erbarmungslose soziale Ächtung, die selbst nicht vor Familienmitgliedern haltmacht. (Dazu Informationen im Detail siehe: Ärzte-Blatt) Die große Angst, aus ihrer wichtigsten Bezugsgruppe ausgeschlossen zu werden, dass ist der eigentliche Grund für die "tiefe Gläubigkeit" der Zeugen in diesem Punkt. Sie müssen zustimmen, weil sie gar nicht selber an der Bibel prüfen dürfen. Deswegen ist auch eine seriöse biblische Begründung im Wachtturm entbehrlich! Erfreulich ist es, dass inzwischen innerhalb dieser Glaubensgemeinschaft eine Reformbewegung entstanden ist, die die brutale Bevormundung durch eine uneinsichtige Leitung nicht länger widerspruchslos hinnimmt.

Auch die traditionell-bibeltreue Theologie stellt sich notorisch taub und blind gegenüber den erheblichen Gefahren, die mit ihrer Irrtumslosigkeitsdoktrin verbunden sind. Die Bestrafung Andersdenkender beschränkt sich in bibeltreuen Kreisen allerdings auf die Ebene der Gemeindemitarbeiter, deren Entlassung man dann mit Nachdruck betreibt. Die Angst vor beruflichen Nachteilen ist hier weit verbreitet. Wer nicht Mitarbeiter ist und diese Doktrin offen anzweifelt, der wird zwar scheel angesehen und kommt auch bei etlichen für eine freundschaftliche Beziehung nicht mehr in Frage, aber ein sozialer Absturz erfolgt nicht, da in vielen Gemeinden an der Basis eine ideologische Geschlossenheit fehlt. Anders ist es bei den Zeugen Jehovas, die ihren Mitgliedern alle anderen Gruppen als Werkzeuge Satans verabscheuungswürdig gemacht hat, damit es keine Alternativen gibt. So wird mancher sehenden Auges in eine vermeidbare Tragödie gehen und dennoch bei dieser Glaubensgemeinschaft bleiben.

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Buchstabentreue

1. Die Form ist eine Hilfe, sich an den wichtigeren (!) Inhalt zu erinnern!

Gott gibt in seinem Wort Gebote und Empfehlungen, die wichtige Glaubenswahrheiten symbolisieren. Die bekanntesten Beispiele sind die Taufe und das Abendmahl. Die Symbolik erinnert daran, dass die Welt Gottes zwar unsichtbar, aber nicht weniger wirklich ist. Die Taufe macht deutlich: so wie den Leib jetzt im Wasser versenkt wird, so hat Christus dein altes Leben in den Tod gegeben, so wie du jetzt das Brot brichst und den Wein trinkst, so wurde der Leib Christi für dich zerbrochen und sein Blut vergossen.

Symbolische Gebote verdeutlichen außerdem, dass Christen der "Leib Christi" sind, d.h. von Christus durch die Bekehrung vom alten Leben und durch die Sündenvergebung zu einer neuen unauflöslichen Gemeinschaft zusammengefügt worden sind.

Symbolische Gebote haben also eine private und eine öffentliche Bedeutung.

Die Voraussetzung des Gehorsams gegenüber einem symbolischen Gebot ist stets die Tatsache, dass die symbolisierten Inhalte tatsächlich vorhanden sind. Sinn macht die Beachtung eines symbolischen Gebotes nur, wenn diese göttliche Regel treu beachtet wird: "Der Inhalt ist wichtiger als die Form!" "Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist, auch ist nicht das die Beschneidung, die man äußerlich am Körper vornimmt; sondern der ist ein Jude, der es inwendig verborgen ist, und das ist die Beschneidung des Herzens, die im Geist und nicht im Buchstaben geschieht. Gott wird ihn dafür loben, während der Beifall der Menschen nichts bedeutet.." (Röm 2,28-29)

Zur Zeit Jesu wurde großer Wert auf die Beachtung mosaischer Speise- und Reinigunsvorschriften gelegt, da man damit seine Zugehörigkeit zum erwählten Volk und die unüberwindbare Kluft zu den römischen Besatzern betonte.

Der Wunsch nach Reinheit war jedoch überwiegend äußerlich. Innerlich strebte man nicht danach. Dort sollte alles beim alten bleiben. "Dies Volk ehrt mich nur mit den Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir..." (Mt 15,8)

Das zeigt, dass die Beachtung äußerliche Formvorschriften auch gefährlich sein kann, wenn sie nämlich dazu dient, sich über den inneren Zustand hinwegzutäuschen.

Da das Volk Israel den Messias nicht erkannte, obwohl doch das mosaische Gesetz auf ihn vorbereiten sollte, wurden im Verlauf der weiteren Gemeindegeschichte so gut wie alle mosaischen Formvorschriften über Bord geworfen. Man beschränkte sich auf vier Gebote, um den jüdisch geprägten Christen keinen Anstoß zu bieten (Apg 15). Auch strengste Gebote, wie das Sabbatgebot und die Beschneidung wurden schließlich für entbehrlich gehalten. "Siehe, ich, Paulus, sage euch: Wenn ihr euch beschneiden laßt, so wird euch Christus nichts nützen. Ich bezeuge abermals einem jeden, der sich beschneiden läßt, dass er dann das ganze Gesetz erfüllen muss. Ihr habt Christus verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, und seid aus der Gnade gefallen." (Gal 5,2-4).

2. Vergessene neutestamentliche Gebote

Bei dem Gebot, die Brüder mit dem heiligen Kuss zu grüßen (1.Kor 16,20) wird ein Auseinanderfallen von Form und Inhalt als besonders unangenehm empfunden. Wer es nicht von Herzen gut meint mit seinem Bruder und ihn dennoch küsst, wird an den Kuss des Judas denken. So erinnert dieser Brauch daran, dass der Gläubige seinen Bruder von Herzen lieben soll, so sehr, das er sogar bereit ist, dass Leben für ihn einzusetzen (1.Jo 3,16). Man kann nicht sagen, dass diese Funktion unwichtig ist. Auffällig ist, dass dieses Gebot in Gemeinden, die ihren Mitgliedern viele Formvorschriften aufladen, die gar nicht in der Bibel stehen (einzig zulässige Liturgie, einzig zulässiges Liederbuch usw.), sehr oft für entbehrlich gehalten wird.

3. Der gemeinschaftsstiftende Charakter von Formvorschriften

Geistliche Symbole wie das Abendmahl sind sehr wichtig, um an wesentliche Glaubensinhalte zu erinnern, an die eigene Sündhaftigkeit, an die Sündenvergebung und Liebe Gottes, an die Notwendigkeit der Heiligung, und die Einheit des Leibes Christi. Die Gemeinde ist eine Neuschöpfung der unsichtbaren Welt und viel mehr als ein unverbindliches Zusammentreffen religiös Interessierter, womit sie oft verwechselt wird.

Um sich das bewusst zu machen, ist es auch sehr wichtig, "das Brot in den Häusern" zu brechen (Apg 2,42), sooft wie möglich. Alle paar Wochen das Abendmahl zu halten, wie es in der Volkskirche üblich ist, ist sicherlich zu wenig.

Darüber hinaus wird das Zusammengehörigkeitsgefühl einer Gemeinschaft auch noch durch weitere Merkmale geprägt, die sich nicht zwingend aus der Bibel ergeben, sondern aus der Tradition stammen.

Sein persönlichen Stil zu wählen, ist nicht falsch. Doch ist hier immer zu beachten, dass man die Christen, die sich in anderen Gemeinschaften mit anderen Stilen zusammenfinden, mit gleicher Liebe als vollwertige Glaubensgeschwister ansieht.

Ist diese Liebe nicht da und verdeckt der Formalismus diesen Mangel, dann ist es besser, dem Vorbild der Urgemeinde zu folgen und sich von irreführenden oder missbrauchten Formen zu verabschieden.

4. Gemeinschaft stärken durch liebevolles Entgegenkommen

Manche Gemeinden erwarten, dass der Gläubige für den Gottesdienst festlich anzieht (Ps 29,2), oder dass Frauen Röcke (5.Mo 22,5) oder Kopftücher (1.Kor 11,13) tragen. Solche Regeln stehen in einer gewissen Nähe zu biblischen Geboten, wobei angesichts des neutestamentlichen Umgangs mit strengen mosaischen Formvorschriften nicht sicher nachzuweisen ist, ob diese Regeln zeitbedingt sind oder nicht.

Das Vorbild des Paulus weist uns hier den richtigen Weg, der sich bemühte "dem Juden ein Juden zu sein und dem Griechen ein Grieche, um alle zu gewinnen." (1.Kor 9,20)

Was kostet es, wenn man sich gut anzieht, als Frau auf Kopfbedeckung achtet, um zu zeigen, dass man den Stil einer Gemeinschaft respektiert? Unnötigen Anstoß gilt es zu vermeiden. Nur wenn der Stil dazu dient, Korruption und Verlogenheit zuzudecken, dann kann es sinnvoll sein, zu zeigen, dass die Formen mangels Inhalt nicht respektiert werden müssen - ähnlich wie es Jesus und die Apostel getan haben.

5. Buchstabenterror

Die Schriftgelehrten belauerten Jesus, ob er am Sabbat heilen (Mk 3,2) und sich damit den Vorwurf der Sabbatschändung aussetzen würde. Obwohl sie es behaupteten, ging es ihnen gar nicht um die Ehrfurcht vor Gott. Der wahre Grund war: sie wollten mit ihrem religiösen Ego über die Gläubigen herrschen, die Nummer Eins sein, und deswegen konnten sie die konkurrierende Autorität Jesu nicht dulden. Durch zahlreiche überflüssige Vorschriften, die sie sich selbst ausgedacht hatten (Mt 23,4), prüften sie die Bereitschaft der Gläubigen, sich ihrer Leitung zu unterwerfen.

Die fehlende geistliche Motiviation ist zu erkennen an ihrer Inkonsequenz. Jesus erinnerte sie daran, dass sie sehr wohl ein eigenes Tier, das am Sabbat in die Grube gefallen war, unverzüglich wieder herausholen würden (Mt 12,11). Ein hilfreicher Hinweis zur Selbsteinschätzung, doch den Pharisäern ging es nicht um Wahrheit oder Selbsterkennnis. Da ihnen die Argumente ausgingen, planten sie die Ermordung Jesu (V.14).

Gesetzlicher Formalismus ist ein Problem der christlichen Gemeinde geblieben: "Wenn ihr nun mit Christus den Mächten der Welt gestorben seid, was laßt ihr euch dann Satzungen auferlegen, als lebtet ihr noch in der (religiösen) Welt: "Du sollst das nicht anfassen, du sollst das nicht kosten, du sollst das nicht anrühren? Das alles ist doch dazu da, dass man es nutzt und verzehrt. Möglich dass manche die danach leben, den Anschein von Weisheit erwecken, zumal sie fromm leben, Demut heucheln und bei asketischen Übungen ihren Leib nicht schonen. Doch das alles bringt uns Gott nicht näher. Es dient auschließlich menschlichem Ehrgeiz und menschlicher Eitelkeit." (Kol 2,20-23). Immer wieder tauchen Gläubige auf, die mit Sondervorschriften eine exklusive Gemeinschaft inerhalb der Gemeinde Jesu bilden wollen, und dort zusätzliche Gebote aufrichten, wo die Bibel Freiheit lässt. Nicht selten wird allein aus dem möglichen Missbrauch einer Sache das grundsätzliche Verbot abgeleitet (Kino, Fernsehen, Internet, nicht-kirchliche Musik usw.). Was den Gottesdienst betrifft, so reagiert man auf jede Abweichung von den Formvorschriften der Tradition mit Angst oder Aggression.

Manchen Gläubigen mit dieser Einstellung kann man die Gemeinschaft durch liebevolle Anpassung erleichtern. Manchen aber genügt selbst das nicht, da sie es nicht ertragen, dass sich andersdenkende Gläubige, wenn sie unter sich sind, einer größeren Freiheit erfreuen. Sie begegnen diesen Geschwistern von vornherein mit grundsätzlicher Abneigung. Dass sie das wichtigste Gebot, die Liebe, dabei missachten und den Leib Christi mit ständiger Spalterei zerreißen (Phil 3,2), stört sie nicht.

Mit diesen Gläubigen geht man am besten so um, wie Jesus es getan hat: man macht ihnen ihre Inkonsequenz bewusst. Denn hundertprozentig buchstabentreu lebt so gut wie kein Christ, wenn es auch sehr, sehr selten als Ausnahme vorkommen mag. Absolute Buchstabentreue ist eine Illusion.

Leider werden auch Gläubige, die der Irrtumslosigkeitsdoktrin nicht guten Gewissens zustimmen können, häufig als Christen zweiter Klasse oder sogar als Verführer und Irrlehrer betrachtet. Dass sie viel bessere biblische Beweise haben, nützt ihnen gar nichts. Immer wieder führt diese Doktrin infolge ihres unberechtigten Monopolanspruchs zu schlimmen Spaltungen in der Gemeinde.

Ein Entgegenkommen ist hier nur schwer möglich, da es sich hier um eine Gewissensfrage handelt und weil vor Schäden, die die Irrtumslosigkeitsdoktrin verursachen kann, gelegentlich gewarnt werden muss.

6. Hundertprozentige Buchstabentreue ist eine Illusion.

Ein einfaches Beispiel: in manchen Gemeinden wird großer Wert darauf gelegt, dass man gutgekleidet zum Gottesdienst erscheint, so wie man auch seine beste Kleidung anlegen würde, wenn man die Einladung eines Königs folgen würde. Dieser Stil kann sich auf 1.Chr 16,29 berufen: "Bringet dar dem HERRN die Ehre seines Namens, bringet Geschenke und kommt vor ihn und betet den HERRN an in heiligem Schmuck!".

In anderen Gemeinden wird überhaupt kein Anstoss daran genommen, wenn jemand in Alltagskleidung zum Gottesdienst kommt. Hier liegt die Betonung auf dem Gedanken: "Ich darf zu Jesus kommen, so wie ich bin. Jesus hat niemanden abgewiesen, bloss, weil er unansehnlich oder arm war." Bei diesem Stil fällt es Menschen aus den untersten Gesellschaftsschichten viel leichter, zum Gottesdienst zu kommen. Dieser Stil darf sich auf Röm 12,16 berufen: "Seid eines Sinnes untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den geringen." Oder auf 1.Tim.2,9-10: "Die Frauen sollen unauffällig und schlicht gekleidet zum Gottesdienst kommen. Sie sollen sich weder durch besondere Frisuren noch durch Goldschmuck, Perlen oder auffällige Kleider hervortun. Der wahre Schmuck der Frauen ist, Guts zu tun. Damit zeigen sie, dass sie Gott lieben und ehren."

Durch Buchstabenterror braucht sich der Gläubige schon gar nicht einschüchtern zu lassen. Wenn jemand Gläubige mit Aggression oder Kälte behandelt, weil sie seinen engen Vorstellungen von wortwörtlichem Gehorsam nicht entsprechen, dann ist es nicht schwer, ihm zahlreiche Bibelworte entgegenzuhalten, die er selbst notorisch missachtet, z.B.: Gal 5,15: "Wenn ihr euch aber untereinander beißt und freßt, so seht zu, daß ihr nicht einer vom andern aufgefressen werdet." Oder 1.Kor 10,29b: "Denn warum sollte ich das Gewissen eines andern über meine Freiheit urteilen lassen?" Oder 1.Joh 4,20: "Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und haßt seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, wie kann er Gott lieben, den er nicht sieht?" Auch für den, der andere mit dem Buchstaben terrorisiert, gilt: "wer nur eines der Gebote nicht einhält, hat damit das ganze Gesetz gebrochen" (Jak 2,10).

Schon ganz einfache Gebote wie der heilige Kuss (1.Kor 16,20) dürften Christen, die ihre Umwelt mit ihrem frommen Ego terrorisieren, gewaltig schwerfallen. Gewöhnlich sehen solche Leute auch über Ungehorsam der eigenen Leitung hinweg.

Doch noch besser kann man sie an einem wirklich schweren Gebot prüfen: "wer etwas Gutes zu tun weiß und tuts nicht, dem ist es Sünde" (Jak 4,17). Dieses Gebot ist in möglichst vollkommener Weise zu erfüllen: "Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist." (Mt 5,48)

Wer dieses Gebot vollkommen erfüllen will, der wird - wie Paulus und andere Apostel - praktisch auf Sozialhilfeniveau leben, um möglichst viel Geld für das Reich Gottes einsetzen zu können oder um vom Hungertod oder anderen humanitäten Katastrophen Betroffene zu retten und niemandem Hilfe schuldig zu bleiben; Er würde - wie Paulus und andere Apostel - nur soviel arbeiten, dass die Grundbedürfnisse - Essen und Obdach - abgedeckt sind und die übrige Zeit der Mission widmen, um möglichst viele Menschen vor der Hölle zu retten;

Er wäre entsprechend diesem Gebot verpflichtet, erst möglichst lange Zeit in der Außenmission zu dienen, da im heidnischen Ausland die Chancen, von Jesus zu erfahren, am geringsten sind; bzw. müsste er dazu bereit sein, dass Evangelium dorthin zu bringen, wo die Menschen am wenigsten davon hören, d.h in ein Land, in dem dieser Versuch mit Todesstrafe bedroht ist.

Wer sich hier beklagt, dass wäre zu hart oder übertrieben, dem ist das Wort Jesu entgegenzuhalten: "Wer sein Leben gewinnen will, der wird es verlieren, aber wer es verliert um meines und um des Evangeliums willen, der wird es gewinnen" (Mk 8,35).

Wenn es klar und deutlich verlangt wird, "sein Leben zu verlieren", dann muss man hier keine Einwände erheben, zumal Jesus und seine Apostel dazu bereit waren.

Nun sieht man aber bei nicht wenigen Gläubigen, die andere mit der Bibel terrorisieren, dass ihr Lebensstil weit über diesem Nivau liegt und auch ganz selbstverständlich beansprucht wird. Warum kommt ihnen dann nie der Gedanke, wie barmherzig Jesus mit ihnen trotz ihrer unvollständigen Erfüllung des göttlichen Willens umgeht? Warum können sie sich daran nicht ein Beispiel nehmen und ihrerseits barmherzig mit Christen umgehen, die sich nicht so eng an Traditionen und Formen gebunden fühlen?

Wenn Gläubige keine klare Vorstellung von der Freiheit des Christen haben, dann können sie unter diesen Forderungen zerbrechen bzw. in selbstzerstörerische Werkgerechtigkeit hineingeraten.

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Vermeintlich bibeltreue Denkvoraussetzungen

Behauptung Nr 1: Wenn ein einziger Fehler in der Bibel gefunden würde, dann ist der Glaube weg.

Beurteilung: Dieser Satz ist nachweislich falsch. Dietrich Bonhoeffer z.B. hatte einen tiefen Glauben an Gott, ein sehr anspruchsvolles Verständnis christlicher Nachfolge, das ihn bis zum Martyrium führte. Wer das bestreitet, dem ist zu empfehlen, seine Briefe aus der Haft ("Widerstand und Ergebung") oder seine Werke "Ethik", "Nachfolge", und "Gemeinsames Leben" zu lesen. Da muss man wirklich blind sein, wenn man hier den lebendigen Glauben nicht erkennt! Doch an eine fehlerlose Bibel hat Bonhoeffer nicht geglaubt. Wie ist das möglich, wenn doch ein einziger Fehler den Glauben an die Bibel angeblich erschüttern könnte? Auch der Theologe Adolf Schlatter erfreute sich wie viele andere eines lebendigen und starken Glaubens, obwohl er die Behauptung einer fehlerlosen Bibel für falsch hielt. Diese Beispiele zeigen, dass der Christ in seinem Glauben nicht auf sich selbst und die formale Garantie sachlich perfekter Information angewiesen ist. Gott selbst hat das Wunder des Glaubens in ihm geschaffen (2.Pe 1,1) und wacht über ihm (Anker: Lk 22,32 / 2.Tim.1,12). Es ist eine objektive Realität. Je besser man sie wahrnimmt, desto weniger Angst hat man, durch ehrliches Beobachten und Denken seinen Glauben zu gefährden. Ist es nicht gerade umgekehrt? Wenn der Gläubige faule Ausreden und panisches Abschalten des Verstandes benötigt, um weiter glauben zu können, dann steht doch der christliche Glaube auf wahrlich wackligem Fundament und der Gläubige wird die Unsicherheit nie richtig los!

Behauptung Nr 2: Wenn ein einziger Fehler in der Bibel gefunden würde, dann weiß man nicht mehr, wo Gott redet.

Gott war auf Erden in der Person Jesu Christi und hat geredet, und seine Jünger haben seine Worte als die Worte des lebendigen Gottes erkannt (Mt 16,16) und nach bestem Wissen und Gewissen überliefert. Wir rechnen mit der plausiblen Tatsache, dass sie erkannt hatten, dass eigenes Hinzutun die göttliche Qualität nur mindern konnte - auch wenn wir es nicht beweisen können. Seinen Jüngern und seiner Gemeinde hat Jesus den heiligen Geist verliehen, der auf den lebendigen Geist in den Worten (Jo 6,63) reagiert. So erfolgt auch nachträglich ein Erkennen der Autorität. Die Schafe erkennen die Stimme des guten Hirten (Jo 10,27). Der Stimme eines anderen folgen sie nicht, sie fliehen vor ihr. Das Erkennen geschieht durch eine Unterschied "im Klang", in der Qualität (qualitative Glaubenssicherung). "Denn welcher Mensch weiß, was im Menschen ist, als allein der Geist des Menschen, der in ihm ist? So weiß auch niemand, was in Gott ist, als allein der Geist Gottes. Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist aus Gott, sodass wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist." (1.Kor 2,11-12) Diese Fähigkeit, die Stimme Jesu in Bibelworten wiederzuerkennen durch den Gleichklang mit seinen Maßstäben und dem Heiligen Geist, der diese Maßstäbe bekräftigt, wird in der traditionell-bibeltreuen Theologie als weitgehend bedeutungslos betrachtet. Ein Gefühl des Vertrauens wird hauptsächlich auf formalem Wege erzeugt: man etikettiert alles zwischen den Buchdeckeln als fehlerlos und trichtert Gläubigen die Angst ein, dass ihr Glaube durch das Feststellen eines einzigen Fehlers verschwinden würde (quantitative Glaubenssicherung).

Die Strahlkraft der Worte Jesu leuchtet in alle anderen Worte der Schrift hinein: "Das Gesetz ist durch Mose gegeben, aber die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden." (Jo 1,12) Nicht alle Worte der Bibel werden durch diese Strahlkraft zum Aufleuchten gebracht. Mit anderen Worten: es gibt Bibelworte, in denen weniger Gnade und weniger Wahrheit ist. Ist dieses nicht der Fall, so erlangen die betreffenden Worte auch keine Bedeutung im Leben des Gläubigen. Diesen Abwägungsprozess mag sich aber mancher Gläubige nicht eingestehen. Ethisch problematische Textstellen enthalten z.B. gar keine Gnade und gar keine Wahrheit. Solche Textstellen stehen im Widerspruch zu dem wichtigsten Gebot in der Bibel, dem Liebesgebot (Mt 22,36 ff.) und im Widerspruch zu den Qualitätsmaßstäben Christi. Sie wurden deshalb auch wahrhaft Gläubigen zur Zeit des Mose nicht befolgt - sowenig wie sie die erlaubte Ehescheidung genutzt haben (Mal 2,15). Auch Christen werden sie entweder völlig ignorieren oder im Sinne Jesu korrigieren (Übungstexte).

Der Standpunkt der traditionell-bibeltreuen Theologie ist schon deshalb unglaubwürdig, weil sie - wie einst die Schriftgelehrten und Pharisäer - häufig ganz wichtige Gebote Jesu auflösen Ungehorsam der Leitung und sie mit ihrem Verhalten für verbesserungsbedürftig erklären. Soll man das wirklich als Beweis von Glaubensstärke werten, wenn sie gleichzeitig die Fehlerlosigkeit und Heiligkeit der von ihnen aufgelösten Gebote verkünden? Positiv ausgedrückt: Die Vertreter der Irrtumslosigkeitsdoktrin sind selbst der beste Beweis dafür, dass der Glaube erhalten bleibt, selbst wenn man manchem Gebot Jesu nicht glaubt und stattdessen das Gegenteil macht.

Wohlgemerkt: der Glaube bleibt erhalten. Der Lohn aber kann verloren gehen, wenn man für die Auflösung wichtiger Gebote in seiner Gemeinde verantwortlich ist: "Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich." (Mt 5,19). Wenn das schon für kleine Gebote gilt, dann wohl wohl erst recht für wichtige Gebote!

Somit ist der Befund erneut bestätigt, den wir in positiver Form bei gläubigen Persönlichkeiten wie Dietrich Bonhoeffer und Adolf Schlatter sehen, dass der Glaube eine unabhängige geistliche Wirklichkeit, eine Neuschöpfung der unsichtbaren Welt ist, ein organisches unzertrennnliches Verbundensein mit Jesus Christu (Jo 15,1 ff), dem auferstandenen und immer gegenwärtigen Herrn, die - mit Ausnahme des vorsätzlichen Abfalls vom Glauben - unauflöslich ist. Diese Verbundenheit geht auch nicht dadurch verloren, indem der Gläubige konsequent, ehrlich und widerspruchsfrei über biblische Texte nachdenkt (Frage 1 und 2) und möglicherweise zur Erkenntnis kommt, dass seine erlernte Theologie zu korrigieren ist.

Behauptung Nr 3: Beobachtung darf verdrängt werden, wenn sie der Theologie widerspricht

Beurteilung: Das ganze Christentum wäre gar nicht entstanden, wenn man sich nicht auf die ehrliche Beobachtung der Augenzeugen verlassen könnte. Ignorieren oder gar leugnen, was man mit eigenen Augen gesehen hat, ist zutiefst unchristlich! (siehe Authentizität). In der Ethik ist es auf gar keinen Fall erlaubt: "Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süß und aus süß sauer machen!" (Jes 5,20) Diese Einstellung verführt zur Feigheit und Nachgiebigkeit gegenüber Unrecht, Amtsmissbrauch und Korruption in der Gemeinde, zum Ungehorsam gegenüber dem "Korban"-Verbot Jesu und zur Unfähigkeit, die von Paulus geforderte verbindliche Konfliktschlichtung ( geistliches Schiedsgericht) in der Gemeinde einzurichten.

Behauptung Nr 4: Fehler werden nur deshalb gesehen, weil Gottes Reden den begrenzten menschlichen Verstand überfordert.

Beurteilung: ethisch problematische Textstellen überfordern nicht den Verstand, sondern das Gewissen! Sie sind nie und nimmer eine reine Verstandesangelegenheit. Das Gewissen aber wird von der Bibel ausnahmslos geschützt (1.Kor 8,12). Die Ethik gehört zum menschlichen Verantwortungsbereich und hier muss der Mensch sich gegenüber seinem Gewissen mit guten Argumenten rechtfertigen (Rö 2,15). Deswegen heißt es sogar von Nichtchristen, dass das Gesetz "in ihrem Herzen geschrieben" ist (ebd.). Würde man ethisch problematische Textstellen in dem Buch einer anderen Religion antreffen, so wüsste man sehr gut, wie es nach den Maßstäben Christi zu beurteilen wäre! (Ehrliche Frage Nr. 4) Fehler werden gesehen, weil solche Textstellen den Maßstäben Christi widersprechen. Nicht der Gläubige urteilt also eigenmächtig, sondern er ist durch Christus dazu authorisiert Auch hilft der heilige Geist dem Gläubigen,"alles zu verstehen" (1.Kor 2,15), was für seinen Glauben notwendig ist.

Die Bibel enthält zweifelsohne auch Informationen, die den menschlichen Verstand überfordern. Sie gehören zum göttlichen Verantwortungsbereich (Ursprung des Bösen (Theodizee), Prädestination, gerechtes Weltgericht usw.) sowie bibeltypische "Antinomien" (überlogische Aussagen wie die Dreieinigkeit usw.). Die Ethik und Pädagogik bezieht aber immer das Gewissen des Menschen ein und gehört dadurch eindeutig zum menschlichen Veranwortungsbereich, in dem der Verstand zu gebrauchen ist.

Behauptung Nr 5: Der Gläubige muss deshalb möglichst kindlich denken.

Beurteilung: Der Apostel Paulus sagte genau das Gegenteil (Aufruf des Paulus). Gott gibt dem Gläubigen gerne (!) Weisheit (Jak 3,5), damit er zu geistlicher Mündigkeit gelangt (Eph 4,14). Verstand und Weisheit sind Gottesgaben (1.Chr 22,12), die in die Gemeinde eingebracht werden sollen (1.Kor 12,8) und mit kindlichem Glauben nicht in Widerspruch stehen.

Behauptung Nr 6: das Gefühl ist für den Glauben wichtiger als der Verstand. Wer große Gewissheit und positive Gefühle hat, hat mehr Autorität als jemand, der hier Mangel hat.

Beurteilung: Hiob und Paulus sind bekannte Gegenbeispiele für die Tatsache, dass der Gläubige auch in der Anfechtung, in der Depression und bei schwerem Lebensschicksal am Glauben festhält und deshalb von Gott (!) Autorität zuerkannt bekommt. Schon der weise Salomo hat darauf hingewiesen, dass uninformierte und wenig nachdenkende Leute wesentlich entspannter leben können als Menschen die Weitblick haben, gut informiert sind und sich deshalb über Gefahren und Missstände Sorgen machen. (Pred 1,18). (siehe Wie entsteht Glaubensgewissheit?)

Behauptung Nr 7: Zweifel ist immer böse.

Beurteilung: Wenn das stimmt, wie hätte dann Paulus seinen pharisäischen Bibelglauben überwinden können, der sich ja auch auf die Bibel berief? Seine quälenden Zweifel sind sehr anschaulich in Rö 7 beschrieben. Es ist ein großer Unterschied, ob der Gläubige an den Zusagen Gottes oder an den Behauptungen von Theologen zweifelt. Wenn die Bibel dazu aufruft, "alles zu prüfen" (1.Thess 5,21), so setzt das den Zweifel voraus, dass es vielleicht doch nicht gut und richtig sein könnte.

Behauptung Nr 8: Verzweiflung am Glauben durch Mängel in der Lehre gibt es bei Evangelikalen nicht, nur bei Katholiken und anderen Irrlehrern...

Wenn man sich fest auf Denkvoraussetzung Nr 3 verlässt ("Beobachtung darf ignoriert werden, wenn sie der eigenen Theologie widerspricht"), dann ist es kein Wunder, wenn auch schlimmste Verzweiflung nicht gesehen bzw. als grundsätzlich selbstverschuldet betrachtet wird. Wenn der Anspruch auf ungestörte fromme Emotionalität erhoben wird (Denkvoraussetzung Nr 6), dann wird man sich Verzweiflung des Bruders und die Gründe dafür erst gar nicht näher ansehen. Ob die Gründe gewichtig sind oder nicht, ist völlig belanglos, da man mit dem Vermuten von Mängeln in der gemeinsamen Theologie ja zweifeln würde - und Zweifel ist (nach Denkvoraussetzung Nr 7) definitionsgemäß Sünde. Also sind Berichte über Verzweiflung als teuflische Versuchung bzw. als Angriff auf den Glauben abzulehnen - mit bestem Gewissen natürlich!

Der Mechanismus ideologischer Unverbesserlichkeit funktioniert in allen möglichen Sekten äußerst zuverlässig!

Um aus diesem zirkelschlüssigen Denkgebäude herauszufinden, ist nicht selten eine tiefgreifende Krise nötig. Wenn die Verzweiflung in der eigenen Familie hautnah erlebt wird und man mitverzweifelt, weil man dem geliebten Menschen helfen will und es mit den gegebenen Mitteln nicht kann, dann entsteht allmählich Bereitschaft , selbst nachzudenken und nach den tatsächlichen Gründen für Gewissheit und Verzweiflung zu forschen.

Behauptung Nr 9: Man versteht die Bibel richtig, wenn man sich immer eng und gedankenlos an den Wortlaut des Buchstabens hält.

Beurteilung: Das ist wirklich der größte Blödsinn. Denn wäre es ja eine Sünde gewesen, die Sklaverei abzuschaffen, Richtet man sich allein nach dem Wortlaut der Bibel, so kann man nur empfehlen, sich nach der Anordnung des Paulus zu richten, dass Sklaven zu gehorchen haben, und zwar auch dann, wenn der Herr "sehr sonderbar" ist(1.Petr.2,18). Nun haben aber Christen wie John Wesley und William Wilberforce viel für die Abschaffung der Sklaverei getan, auch wenn sie sich dabei NUR auf die Qualitätsmaßstäbe Christi berufen konnten. Hatten sie unrecht? In der Tat: viele Menschen haben bis 1776 geglaubt, dass Sklaverei gottwohlgefällig und erlaubt ist, weil die Bibel nichts dagegen sagt.

Weitere Beispiele für religiös-kindisches Denken siehe unter: Wörtliches Missverstehen.

Diese dahinter stehende infantile Geisteshaltung, die den Aufruf des Paulus ignoriert, wurde mit folgender Satire treffend skizziert:

Man saß über der Bibel zusammen. Der Leiter der Zusammenkunft schlug auf und begann aus der Urgeschichte zu lesen: "und Eva war..." Hier war eine Seite umzublättern. Der Ausleger befeuchtete seinen Finger, schlug um, rückte die Brille zurecht und fuhr, ohne zu bemerken, dass er aus Versehen zu weit geblättert hatte, bedächtig fort: "... dreihundert Ellen lang, fünfzig Ellen breit und dreißig Ellen tief, inwendig und auswendig verpicht mit Pech." Er schloss das Buch, setzte die Brille ab und begann: "Ja, meine lieben Brüder und Schwestern: Dass Eva dreihundert Ellen lang, und fünfzig Ellen breit und dreißig Ellen tief war, das können wir wohl verstehen, denn sie war die Stammmutter des ganzen Menschengeschlechts. Dass sie aber inwendig und auswendig verpicht war mit Pech - das, liebe Brüder und Schwestern, das können wir nicht verstehen, das müssen wir einfach glauben."

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Dummheit

Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als die Bosheit. Gegen das Böse lässt sich protestieren, es lässt sich bloßstellen, es lässt sich notfalls mit Gewalt verhindern. Das Böse trägt immer den Keim der Selbstzersetzung in sich, indem es mindestens ein Unbehagen im Menschen zurücklässt.

Gegen die Dummheit sind wir wehrlos. Weder mit Protest noch mit Gewalt lässt sich hier etwas ausrichten. Gründe verfangen nicht, Tatsachen, die dem eigenen Voruteil widersprechen, brauchen einfach nicht geglaubt zu werden - in solchen Fällen wird der Dumme sogar kritisch - und wenn sie unausweichlich sind, können sie einfach als nichtssagende Einzelfälle beiseitegeschoben worden. Dabei ist der Dumme im Unterschied zum Bösen restlos mit sich selbst zufrieden....

Soviel ist sicher, dass die Dummheit nicht wesentlich ein intellektueller, sondern ein menschlicher Defekt ist. Es gibt intellektuell außerordentlich bewegliche Menschen, die dumm sind, und intellektuell sehr Schwerfällige, die alles andere als dumm sind. Diese Entdeckung machen wir zu unserer Überraschung angesichts bestimmter Situationen. Dabei gewinnt man weniger den Eindruck, dass Dummheit ein angeborener Defekt ist, als dass unter bestimmten Umständen die Menschen dumm gemacht werden, bzw. sich dumm machen lassen. Wir beobachten weiterhin, dass abgeschlossen und einsam lebende Menschen diesen Defekt seltener zeigen als zur Gesellung zeigende oder verurteilte Menschen und Menschengruppen...

Bei genauerem Zusehen zeigt sich, dass jede starke äußere Machtentfaltung, sei sie politischer oder religiöser Art, die Menschen mit Dummheit schlägt. ... Die Macht der einen braucht die Dummheit der anderen...

Dass der Dumme oft bockig ist, darf nicht darüber hinwegttäuschen, dass er nicht selbständig ist. Man spürt es geradezu im Gespräch mit ihm, dass man es gar nicht mit ihm selbst, sondern mit über ihn mächtig gewordenen Schlagworten, Parolen etc. zu tun hat.

(aus: Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, Augsburg 2008, Seite 21-22)"

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Ethisch problematische Textstellen (eine Auswahl)

Viele Christen kennen ihre Bibel nicht. Sie lesen vor allem sie niemals durch. Ihre Kenntnisse beschränken sich auf das, was im Gottesdienst oder in der Bibelstunde behandelt wird, sowie auf Auszüge nach dem Bibelleseplan. Und wenn sie zufällig einmal auf eine ethisch bedenkliche Textstelle stoßen sollte, dann lesen sie schnell weiter und vergessen es sogleich. Das ist schade, denn es existiert eine Auflösung, die sehr hilfreich und pädagogisch sinnvoll ist.

Auch diese Bibelworte sind uns gegeben "zur Erziehung in der Gerechtigkeit" (2.Tim 3,16) Wenn man sie nun gar nicht kennt oder sogleich vergessen hat, weil sie zur eigenen Sicht der Bibel schlecht passen, dann ist es gar nicht möglich, sich vernünftig mit diesem Thema zu befassen.

Leider wird auch von etlichen Bibellehrern - die es besser wissen müssten - bestritten, dass die folgenden Bibelstellen ein ethisches Problem darstellen. Dass das aber so ist, erkennen wir sofort, wenn wir uns vorstellen, wie wir reagieren würden, wenn wir ähnliche oder gleiche Aussagen in dem heiligen Buch einer anderen Religion lesen würden. (Frage Nr.4).

Erstes Beispiel:

So ist nach dem AT die zeitweilige sexuelle Benutzung von kriegsgefangenen Frauen erlaubt: "Wenn du Krieg führst mit deinen Feinden und der Herr lässt dich über sie siegen, und du erblickst unter den Kriegsgefangenen eine schöne Frau, die du zur Frau begehrst, dann sollst du sie in dein Haus bringen und nachdem sie ... ihren Vater und ihre Mutter einen Monat lang beweint hat, kannst du mit ihr sexuellen Verkehr haben und sie soll deine Frau sein und du ihr Mann. Wenn sie dir aber nicht mehr gefällt, dann lass sie gehen, wohin sie will. Du sollst sie aber nicht verkaufen, weil du sexuellen Verkehr mit ihr gehabt hast." (5.Mo 21,10-14).

Wie leicht zu sehen, lassen sich aus dem Titel "Ehefrau" keine Rechte herleiten. Er dient eher dazu, die Rechtlosigkeit der Frau zu verharmlosen. Die Frage, ob die Frau vielleicht verheiratet ist, wird vorsichtshalber erst gar nicht gestellt. Sie hat ja auch gegen die Verheiratung keinerlei Einspruchsrecht.

Die zeitweilige sexuelle Benutzung erlaubt z.B. auch der Islam. Zitat:

Es ist erlaubt, sexuellen Verkehr mit einer gefangenen Frau zu haben, nachdem sie - von der Menstruation oder der Geburt - gereinigt ist. Falls sie einen Ehemann hat, ist ihre Ehe aufgehoben, sobald sie in Gefangenschaft gerät“ (Sammlung Sahih Muslim, Kapitel 29, 8. Buch).

Zweites Beispiel:

Einer Frau ist „ohne Mitleid die Hand abzuhacken“, obwohl sie in einer Notlage gehandelt hat.

Der Wortlaut: „Wenn zwei Männer aufeinander einschlagen und Frau des Unterlegenen kommt ihrem Mann zu Hilfe und greift dem anderen an die Geschlechtsteile, so soll man ihr OHNE MITLEID DIE HAND ABHACKEN“ (5.Mo 25, 11-12).

Soll der Gläubige hier etwas über Reinheit lernen? Oder warum ist diese Grausamkeit nötig? Sexuelle Übergriffe dürften ja voll eher ein Männerproblem sein! Und wenn hier Reinheit so wichtig ist, warun wird dann nicht allen Männern, die nach Frauen grapschen, die Hand abgehackt? Gegrapscht wird doch meist von Männern, und zwar nur zum Vergnügen, obwohl nicht einmal eine Notlage vorhanden ist! Doch wo die Abschreckung viel nötiger wäre, fehlt sie! Und dieser armen Frau hackt man nun gnadenlos die Hand ab. Vielleicht stirbt sie an der schweren Verwundung, vielleicht wird sie von ihrem Mann wegen ihrer häßlichen Verstümmelung verstoßen und lebt den Rest ihres Lebens als einsame, verkrüppelte Bettlerin im Elend. Soll der Gläubige jetzt wirlich Lob- und Preisgesänge anstimmen: "Welches heiliges Verfahren" ?

Wird es der Jüdin, der die Hand abgehackt wurde, wirklich Glaubensstärkung und Trost sein, dass es im Namen des heiligen Gottes Jahwe geschah, der männlicher Sexualität allen Schutz und weiblicher Sexualität gar keinen Schutz angedeihen lässt? Oder kommt es bei einem solchen Menschen auf Glaubensstärkung gar nicht mehr an? Ist es dann auch letztlich wurscht, was aus ihrer Seele wird?

Auf der WebSite www.Youtube.de bietet sich vielleicht ab und zu mal Gelegenheit, Filme über das Abhacken von Händen anzusehen.

Warum finden wir dann das Strafgesetz des Islam abscheulich, das anordnet, Dieben die Hand abzuhacken?

"Und der Dieb und die Diebin, schneidet ihnen ihre Hände ab als Lohn für ihre Taten. Dies ist ein Exempel von Allah und Allah ist mächtig und weise." (Koran Sure 5, Vers 42)

Wobei hier für den Islam noch spricht, dass wenigstens eine Auslegung existiert, dass das Wort für "abhacken" auch als "kennzeichnen, einritzen" gelesen werden kann: alrahman.de: Einritzen statt abhacken

Mit dieser Auslegung erscheint der Islam (in diesem Punkte!) sogar noch milder als das Alte Testament!

Weitere ethisch problematische Regelungen im Alten Testament:

Nach 2.Mose 21,7-11 hatte ein Vater das Recht, seine Tochter nach Belieben als Haushälterin und Konkubine zu verkaufen (Zwangsverheiratung): Verkauft jemand seine Tochter als Sklavin, so darf sie nicht freigelassen werden wie die Sklaven. Hat ihr Herr sie für sich genommen und sie gefällt ihm nicht, so soll er sie auslösen lassen. Er hat aber nicht Macht, sie unter ein fremdes Volk zu verkaufen, nachdem er sie verschmäht hat. Hat er sie aber für seinen Sohn bestimmt, so soll er nach dem Recht der Töchter an ihr tun. Nimmt er sich aber noch eine andere, so soll er der ersten an Nahrung, Kleidung und ehelichem Recht nichts abbrechen. Erfüllt er an ihr diese drei Pflichten nicht, so soll sie umsonst freigelassen werden, ohne Lösegeld.

Die Zwangsverheiratung ist im Koran nirgends erlaubt. In der islamischen Überlieferung gibt es etliche Quellen, die sich dagegen aussprechen. In der Praxis hält man sich aber in vielen Ländern nicht daran, zumal im Koran, der wichtigsten Quelle, nichts dazu steht.

gutefrage.net: islam. Kritik der Zwangsheirat

gutefrage.net: islam. Kritik der Zwangsheirat

Einem vergewaltigten Mädchen soll eine unauflösbare Ehe mit ihrem Vergewaltiger aufgezwungen werden:"Wenn ein Mann auf eine Jungfrau trifft, die noch niemandem zur Ehe versprochen ist, und er vergewaltigt sie und sie werden entdeckt, soll er dem Vater des Mädchens 50 Silber Schekel bezahlen. Er muss das Mädchen heiraten, da er sie verletzt hat. Er kann sich von ihr Zeit seines Lebens nicht scheiden lassen" (Deut. 22:28-30).

Kommentar einer moslemischen Website: Man muss hier schon die einfache Frage stellen, wer wurde hier wirklich bestraft? Der Mann, der geringe Busse für eine Vergewaltigung bezahlte oder das Mädchen, welches gezwungen wird, den Mann zu heiraten, der ihr Gewalt angetan hat und mit dem sie bis zu seinem Lebensende leben muss? Eine andere Frage die hier auch gestellt werden sollte ist die: Was ist größerer Schutz für die Frau, die strenge qur'anische Haltung oder laxe biblische?

(Quelle: http://www.way-to-allah.com/themen/Vergleich.html)

Muslims weisen darauf hin, dass der Islam in diesen Punkten weitaus menschenfreundlicher ist als das mosaische Gesetz. Zu Recht? Verdient dieser Hinweis, als "Lüge", "Verleumdung", "Entstellung" bezeichnet zu werden?

Wenn Christen beteuern, dass die Anordnungen des Mose "fehlerlos, vollkommen und heilig" seien, warum haben sie dann das Recht, Moslems zu kritisieren, die grausame Regeln des Islams entschuldigen?

BEVOR WIR ZUR LÖSUNG KOMMEN - noch einen Blick auf die Scheinlösung

Zuvor ein paar Worte zur bisher von vielen notgedrungen akzeptierten Scheinlösung.

Wie gesagt, hat die traditionell-bibeltreue Theologie den Gläubigen weisgemacht, dass sie sich weigern müssten, darüber nachzudenken und so tun sollten, als ob es diese Stellen in der Bibel überhaupt nicht gäbe. Eine bloßer Verhaltensautomatismus igoriert die entscheidende Frage, die automatisch im Raum steht und die glaubwürdge Mission und die Gewissen etlicher Christen belastet:"

Wenn das Gott wirklich angeordnet hat, war es dann auch die Meinung von Jesus, der auch damals mit dem Vater und dem heiligen Geist eins war? Auch diese Frage bleibt ohne Antwort! Dabei ist sie ungemein wichtig! Wenn Jesus genauso ungerecht und grausam handeln kann, dann gibt es für seine Liebe und Barmherzigkeit keine inhaltlichen Gründe. Er wäre dann im Neuen Testament nicht lieb und barmherzig - gerade gegenüber Frauen - weil es inhaltlich richtig ist, sondern weil es der Plan Gottes für die Zeit, die das Neue Testament ankündigt, zufällig so vorsieht. Wäre sein Verhalten gegenüber Frauen inhaltlich richtig, dann müsste jeder - auch Gott - immer so handeln. Anders handeln wäre immer falsch. Hat Jesus sein Verhalten nur aufgrund eines nicht nachvollziehbaren Gottesplanes geändert, dann kann er dieses Verhalten auch wieder jederzeit ändern. Inhaltliche Einwände gelten dann ja nicht.

Wie immer man sich zu diesen problematischen Bibelstellen stellt, es hat erhebliche Auswirkungen auf die Tatsache, ob der Charakter Jesu widersprüchlich, zweideutig und unzuverlässig oder eindeutig und zuverlässig erscheint.

Nicht jedem Gläubigen gelingt der irrationale Sprung, einem Jesus, der mit dem Vater zusammen ungerechte und unmenschliche Befehle gibt, die Jahrhunderte lang Menschen in furchtbares Unglück bringen, zuverlässige Liebe zuzutrauen.

Allgemein ist das Verhalten der Gläubigen, die diese Stellen leugnen, verdrängen, vergessen, sich ggf. sofort die Ohren zuhalten, ggf. fragende Menschen anlügen - nicht überzeugend, dass wir es bei zahllosen Sektierern sehen und verabscheuen.

Das ganze Christentum beruht auf der ehrlichen Wahrnehmung von Fakten (Nirgends in der Bibel wird der Gläubige aufgefordert, Befunde zu leugnen oder zu verharmlosen (Authentizität ). Das Manipulieren von Informationen ist eine allzumenschliche, fragwürdige Selbsthilfe und sektentypisch.

Über die Ansicht mancher Theologen, dass der Zweifel an der Gerechtigkeit solcher Ordnungen nur "zeige, dass man von der Heiligkeit Gottes nichts verstanden" hätte, kann man nur den Kopf schütteln. Zitat: "Gerade weil die Liebe und Heiligkeit Gottes in ihrer Zusammengehörigkeit nicht verstanden werden, wird der Kritiker.. an keiner Stelle dem biblischen Befund gerecht" (Helge Stadelmann, Evangelikales Schriftverständnis. Die Bibel verstehen - der Bbel vertrauen, Hammerbrücke 2008, Seite 61)

Wodurch unterscheidet sich das Verstehen der Heiligkeit von dem Wahn eines Theologen, sie verstanden zu haben? Manche Theologen verstehen es vortrefflich, den Eindruck zu erwecken, dass sie eine befriedigende Antwort gefunden hätten, obwohl übehaupt keine gfunden wurde. Mancher Leser wird hier an den treffenden Vergleich eines Theologen mit einem Mann erinnert, der in einem nachtschwarzen Zimmer eine schwarze Katze sucht, wo keine drin ist, und triumphierend ausruft: "ich habe sie gefunden." Wer die Katze nur dort sucht, aber zugibt, noch nichts gefunden zu haben, ist nur Philosoph - aber wenigstens ehrlich.

Fabulieren, um Glaubensgewissheit zu stärken? Ist das sinnvoll (Fragen 3-5)?

Viele machen das so. Sie haben es in ihrer Gemeinde gelernt, dass Gott diese Reaktion erwartet.

Wer nicht nachdenkt, vermeidet unangenehme Gefühle. Dieser Gefühlsgewinn wird als Beweis betrachtet, dass man auch ohne Prüfung recht hat. Bloß: für alle Sektierer ist der Gefühlsgewinn durch Desinformation ein unwiderlegbarer "Beweis".

Gläubige Christen sollten sich einmal fragen, dieses Verhalten wirklich der Ehre Gottes, der Glaubwürdigkeit, und der Gewissheit des Glaubens dient.

DIE BISHER EINZIGE BEKANNTE BIBELTREUE LÖSUNG:

Wenn alle Schrift - also auch das alten Testament - "nützlich sein soll zur Erziehung in der Gerechtigkeit" (2.Tim 3,16), muss ja wohl irgendetwas daraus zu lernen sein. Aber was?

Sollten Gläubige an solchen Texten lernen, wie man angemessen mit Frauen umgeht? Das kann man nicht im Ernst annehmen!

Jesus hat die mosaische Scheidungsregelung (5. Mo 24,1) korriegiert. Es ist nicht anzunehmen, dass er von den Jüngern nur Treue zur Ehefrau erwartete, aber gleichzeitig die Erlaubnis zur sexuellen Benutzung von kriegsgefangenen Frauen weiter geduldet hätte. Auch dieses Gebot fällt automatisch, weil Jesus für die Aufhebung der Scheidungsregelung INHALTLICHE Gründe hatte. Ohne dass es erwähnt wird, wissen wir, dass Jesus auch das Händeabhacken nicht gutheißen würde und vieles mehr. Es passt einfach nicht zu seinem Charakter.

Von seinen Gläubigen erwartet Jesus, dass sie sich an ihm orientieren und das Gesetz nicht über Verhaltensweisen stellen, die dem Charakter Jesu entsprechen.

Müssen menschenverachtende Gebote im mosaischen Gesetz aus inhaltlichen Gründen korrrigiert werden, dann sind sie objektiv mangelhaft. Wie passt das mit der Tatsache zusammen, dass diese Bibelstellen auch zum göttlichen Kanon gehören, zum inspirierten Wort Gottes?

Ein plausibles Erklärungsmodell: solche Texte könnten als Aufgabe dienen, an denen der Gläubige geistliches Urteilsvermögen üben soll. Sie könnten eine ähnliche Vorlage zur Übung sein wie es die mosaische Scheidungsregelung (5. Mo 24,1) war, die der Gläubige selbständig hätte missachten sollen. Diese Sicht würde mit den Aussagen des Propheten Maleachi (Mal 2,13 ff.) und später mit denen Jesu Christi übereinstimmen (Mt 19,3 ff). Im Bild gesprochen: Ethisch problematische Texte sind in der Ergänzung zur "Nahrung" als "Impfstoff" in die Bibel gesetzt, damit der gesunde Körper Antikörper bilden kann, d.h. es lernt, hierfür eine Lösung im Sinne Jesu zu erarbeiten, die den göttlichen Qualitätsmaßstäben "Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Verlässlichkeit" (Mt 23,23) entspricht.

Durch diesen Denkansatz wäre die Einheit des Wortes Gottes bewahrt, es gäbe ein inhaltliches, für das gesamte Wort Gottes geltende Inspirationskonzept. Der Gläubige bliebe davor bewahrt, sein Gewissen und Denken zu verbiegen und könnte dadurch gesunde Widerstandskraft gegen sektiererische Anfechtungen entwickeln. Sein Urteilsvermögen würde enorm gestärkt, da er nun auf kleinste Unstimmigkeiten zu achten lernt, statt alles und jedes harmonisieren zu müssen. Die verbesserte Urteilsfähigkeit und vermehrte Sachlichkeit kommt dem Frieden in der Gemeinde zugute, und auch dem Schutz der schwächeren Mitchristen, da nunmehr auch bei Übergriffen und Rechtsbruch das, was vorgefallen ist, ohne Beschönigung erforscht werden kann. Das Wichtigste aber ist der Gewinn an Glaubensfreude, an Vertrauen in einen Gott, der charakterlich absolut zuverlässig ist: "Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis." (1.Joh 1,5) "Jesus Christus ist derselbe, gestern, heute in Ewigkeit." (Hebr 13,8). Damit bliebe die evangelikale Gemeinde vor dem fatalen Fehler der Zeugen Jehovas bewahrt, die Hoheit und Würde Jesu teilweise wieder zu relativieren.

Weitere destruktiv erscheinende Aussagen:

Gelübde sind ausnahmslos einzuhalten, selbst wenn sie schädlich und erbarmungslos sind (5.Mo 23,22 / Ri 11,34ff. / Pred 5,3-5 / vgl. 1.Tim 5,11-12).

2.Mose 21,2-6 stellte einen freizulassenden Sklaven vor die Wahl der Trennung von Frau und Kindern oder lebenslanger Sklaverei: Wenn du einen hebräischen Sklaven kaufst, so soll er dir sechs Jahre dienen; im siebenten Jahr aber soll er freigelassen werden ohne Lösegeld. Ist er ohne Frau gekommen, so soll er auch ohne Frau gehen; ist er aber mit seiner Frau gekommen, so soll sie mit ihm gehen. Hat ihm aber sein Herr eine Frau gegeben und hat sie ihm Söhne oder Töchter geboren, so sollen Frau und Kinder seinem Herrn gehören, er aber soll ohne Frau gehen. Spricht aber der Sklave: Ich habe meinen Herrn lieb und mein Weib und Kind, ich will nicht frei werden, so bringe ihn sein Herr vor Gott und stelle ihn an die Tür oder den Pfosten und durchbohre mit einem Pfriemen sein Ohr, und er sei sein Sklave für immer.

Dieses Gebot ist schlimm, weil es dem Mann entweder auf bequeme Art ermöglicht, Frau und Kinder loszuwerden, wenn er ihrer überdrüssig ist. Oder es ist ungerecht, wenn er Frau und Kinder liebt, aber unter seinem Sklavenherrn leidet. Denn die Liebe zu seinem Herrn ist keinesfalls automatisch gegeben. Warum sind denn nicht wenigstens die Kinder freizulassen, wenn sie bis zu ihrer Volljährigkeit umsonst für den Herrn gearbeitet haben, wo alle männliche Sklaven schon nach sieben Jahren die Chance der Freiheit haben sollen?

David wird als „Mann nach dem Herzen Gottes“ (1.Kön 15,5) gelobt, obwohl er noch auf dem Sterbebett (!) die Beseitigung eines Mannes plante (1.Kö 2,8-9), dem er öffentlich Vergebung zugeschworen hatte (2.Sam.19,24). Hatte David nicht selbst für das schwere Verbrechen an Uria (Ehebruch und Auftragsmord) unverdiente Vergebung empfangen (2.Sam 12,13) und sich hier wie der Schalksknecht im Gleichnis verhalten, dem wegen Undankbarkeit die Vergebung wieder zu entziehen ist (Mt 18,32-35)? Den 42 Kindern, die seinen Propheten Elia "Kahlkopf" nannten wurde überhaupt keine Chance gegeben: er verfluchte sie und sie wurden prompt von Bären zerfleischt. (2.Kön 2,23) Betreibt Gott eine gnadenlose und ungerechte Günstlingswirtschaft? Warum kann der Gläubige dann sicher sein, dass er zu den Günstlingen gehört, wenn strengste Bestrafung auch für Christen nicht ausgeschlossen ist (s.Mt 7,21)?

Ist die folgende HofberichtserstattungDavids glaubwürdig?

König Saul hatte die Gibeoniter nachträglich versucht auszurotten (2.Sam 21), da sie sich vor dem Genozid bei der Landeroberung durch einen Betrug gerettet hatten (Jos 9,3 ff.). Zur Strafe ließ Gott - so wird berichtet - die Israeliten drei Jahre unter Hungersnot leiden. Die Gibeoniter forderten als Sühneleistung die Hinrichtung der Söhne Sauls. David gewährte es ihnen.

Der sorgfältige Leser wird trotz der frommen Fassade (2.Sam 21,14) bemerken, dass es sich bei dieser Aktion um einen Sippenhaftmord handelte, um einen skandalösen Verstoß gegen das mosaische Gesetz, der David endgültig von möglichen Konkurrenten um die Königskrone befreite.

Beweis: Mephiboschet wurde nur verschont, weil David es seinem Freund Jonathan versprochen hatte (2.Sam 21,7)! Ohne dieses Versprechen wäre er hier mit den anderen aufgehängt worden. Mephiboschet war aber schon im Alter von fünf Jahren ein Krüppel (2.Sam 4,4). Er kann sich daher gar nicht an dem Verbrechen gegen die Gibeoniter beteiligt haben, für das die Söhne Sauls büßen mussten. Ohne das Versprechen wäre er schuldlos für die Sünde seines Vaters hingerichtet worden. Das mosaische Gesetz hatte jedoch ausdrücklich verboten, Kinder für die Sünden ihrer Eltern büßen zu lassen (5.Mo 24,16).

Ein weiteres Indiz: die Gibeoniter legen selbst die Sühnehandlung fest, die Gott zufriedenstellen soll. Warum sollten nun gerade diese Leute, die dem jüdischen Glauben distanziert gegenüber standen und sich deshalb auch König Sauls fromme Aggression zugezogen hatten, über theologische Einsicht verfügen und etwas wissen, was David selbst nicht wusste: dass genau sieben Söhne Sauls - egal welche - aufzuhängen seien, damit Gott die Strafe der Hungersnot aufhebt?

Soll der Gläubige - was bei einem Gott der Barmherzigkeit und Gerechtigkeit eher anzunehmen ist - die Geschichtsfälschung der davidischen Hofberichterstattung selbständig erkennen lernen ("Übungstext"), oder soll ihm hier beigebracht werden, dass Gleichgültigkeit gegenüber deutlich fragwürdigen Berichten der richtige Weg ist?

Gott gebietet das Abschlachten von Frauen und Kindern (4.Mo 31,17 / 5.Mo 3,6 / 1.Sam 15,3), obwohl sein eigenes Gesetz verbietet, Kinder für die Sünden ihrer Eltern büßen zu lassen (5.Mo 24,16). Was die Frage aufwirft: Wie zuverlässig hält sich Gott an seine eigenen heilsamen Ordnungen?

Warum dürfen die Israeliten sämtliche Bewohner einer Stadt abschlachten, sogar ohne dass es einer solchen Aufforderung bedurft hätte (!) - als Beweis ihrer besondereren Opferwilligkeit und “Hingabe” an den Gott der Bibel (4.Mo 21,2+3)? Warum wird diese Bluttat nicht gesühnt, nicht einmal kritisiert? Was ist das für ein Gott, der sich in vorauseilendem Gehorsam eigenmächtige Massenschlächtereien gefallen lässt? Saul opferte nur ein Tier, ohne dazu berechtigt zu sein und verlor deshalb sein Königtum (1.Sam 13,13). Bestraft Gott ein illegales Tieropfer mit aller Strenge, eine illegale massenhafte Tötung von Menschen aber nicht?

Auch sind - wenn man die unredliche Hofberichterstattung Davids sieht - stärkste Zweifel angebracht, ob Ausrottungsbefehle Gottes durch den König oder Hohepriester "zuverlässig übermittelt" werden konnten, man manche Theologen behaupten (vgl. Thomas Schirrmacher, Ethik, Band 2, Neuhausen-Stuttgart, 1994, S.757 unten).

Wer wissen will, wie über das unredliche Schweigen vieler gläubiger Christen allgemein gedacht und geredet wird, der sollte wirklich einmal mit Stichworten im Internet suchen!

Hier ein paar aufschlußreiche Links:

...jesus-offline... ...Fehler in der Bibel... ...way-to-allah... ...bibelzitate...

Wird man durch peinliches oder verstocktes Schweigen unglaubwürdiger? Es existiert eine glaubwürdige Lösung!

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Fokussierungsstil der Bibel

Konzentration des Autors auf eine bestimmte Aussage, wobei Informationen, die man in diesem Zusammenhang auch nennen müsste, weggelassen werden. Dieser für die Bibel typische Stil führt immer wieder zu Missverständnissen bzw . zu scheinbaren Widersprüchen (unechte Antinomien)

Beispiele:
- "Die Frau wird aber Rettung erfahren, indem sie Kinder gebiert..." (1.Tim 2,15). Welchen Sinn auch immer man in diesem seltsamen Satz sieht - was ist mit den ledigen Frauen und denen, die gar keine Kinder bekommen können?

-" wir haben beschlossen euch nichts weiter aufzuerlegen, als diese vier notwendigen Ausnahmen, nämlich Götzenopferfleisch, Blut, Fleisch von verendeten Tieren, und Hurerei." (Apg 15,29). Das sieht so aus, als ob der Gläubige außer diesen vier Geboten nichts weiter zu beachten hätte. Das kann ja wohl nicht sein, dass ihm nunmehr Mord, Lüge, Diebstahl, Erpresssung, Menschenraub und alles andere, was das Gesetz sonst noch verbietet, erlaubt wäre. Das Missverständnis kommt daher, dass man das Wort "nichts" auf das ganze Gesetz bezieht. Tatsächlich wird hier nur das kultisch-rituelle Gesetz betrachtet. "Hurerei" im Sinne von Promiskuität gehört nicht zum kultischen Gesetz, sondern zur zwischenmenschlichen Ethik. Diese Art "Hurerei" ist hier nicht gemeint, sondern die in Griechenland und Ägypten erlaubte Geschwisterehe oder Verehelichung mit einer Person von verbotenem Grade der Verwandtschaft (vgl. 3.Mo 18), deren Verbot damals nicht begründbar, sondern eine willkürlich-rituelle Formvorschrift war (vgl. August Daechsel (Hg), Die Bibel mit in den Text eingelegter Auslegung, Band 6, Groß Oesingen 2004, Anm. *** zu Apg.15,21, S.514). Verständlicher ist der Satz in dieser Form: " wir haben beschlossen euch nichts weiter aufzuerlegen, als diese vier notwendigen Ausnahmen vom kultisch-rituellen Gesetz wie das Essen von Götzenopferfleisch, von Blut, von verendeten Tieren und wie die unter Heiden üblichen Geschwisterehen..."

Aus der entschiedenen Formulierung könnte man schließen, dass die vier Ausnahmen nun für alle Zeit für die Gemeinde gelten sollen. Dem aufmerksamen Bbielleser fällt aber auf, dass Paulus in 1.Kor 8,4+7 das Essen von Götzenopferfleisch nicht mehr für eine Sünde hält. Es wird nur dann zur Sünde, wenn man damit einen Bruder verleitet, gegen sein Gewissen zu handeln. Das ist nicht erstaunlich, wenn man bedenkt, dass die vier kultischen Ausnahmen nur ein Provisorium waren, um den fruchtlosen Streit in der ersten Gemeinde um die Gültigkeit des mosaischen Gesetzes einzudämmen. Man wollte deshalb "dem Juden ein Jude sein" (1.Kor 9,20) - wenigstens in ein paar äußerlichen Dingen. Paulus beschnitt sogar seinen Mitarbeiter Timotheus (Apg 16,3), um den misstrauischen Judenchristen möglichst wenig Anstoß zu bieten und erfüllte damit eine Forderung, die das Apostelkonzil bereits abgelehnt hat (Apg 15,1). Da sich aber später die Wege der judenchristlichen und heidenchristlichen Gemeinde getrennt haben, gab es für eine Fortsetzung dieses Entgegenkommens keinen Grund mehr.

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Formale Widersprüche

Unstimmigkeiten in biblischen Berichten bei Zahlen-, Orts-, Zeit-, Personenangaben oder Berichte, die den Ablauf bzw. die Reihenfolge der Ereignisse unterschiedlich schildern. Viele Unstimmigkeiten lassen sich aufklären oder mit dem sogenannten Pauschalstil begründen. Damit lässt sich das Vertrauen in die Zuverlässigkeit der biblischen Berichte erheblich stärken. Während die Apologetik der herkömmlichen bibeltreuen Theologie sehr eingehend mit formalen Widersprüchen befasst und dort auch beachtliche Erfolge erzielt hat, gibt es unter ihren Denkvoraussetzungen kaum eine Lösung für ethische Widersprüche in der Bibel (ethisch problematische Textstellen). Deshalb werden diese Texte ignoriert, als ob sie gar nicht vorhanden wären. Man fordert letztlich dazu auf, darüber nicht nachzudenken, bzw. bezeichnet jedes Nachdenken darüber als anmaßende Autonomie. Das erweist man der Glaubwürdigkeit der Bibel einen schlechten Dienst und hat größte Mühe, einen ehrlichen Dialog mit Andersdenkenden zu führen. Die Lehre tendiert folglich zur Einbahnstraße: die Gemeinde wird ständig in die Rolle unmündiger Zuhörer gedrängt.

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Freiheit des Christen

Jesus verlangte von seinen Aposteln, alles - sowohl Besitz als auch Leben mit der Familie (Lk 9,61-62) - aufzugeben und mit ihm durchs Land zu gehen. Ein Leben in völliger Selbstlosigkeit lebte auch der Apostel Paulus.

Auch der Gläubige ist einerseits zur Bemühen um Vollkommenheit aufgerufen (Mt 5,58) und soll jedem helfen, der in Not ist und Hilfe braucht (Jak 4,17), andererseits wird ihm bei fortgesetztem Ungehorsam der Ausschluss aus dem Himmelreich angedroht (Mt 27).

Hierdurch könnte man zu dem Fehlschluss kommen, dass die völlige Selbstaufgabe Bedingung des Heils ist: "Wer sein Leben zu erhalten sucht, der wird es verlieren; und wer es verlieren wird, der wird es gewinnen." (Lk 17,33)

Dass dies ein Missverständnis ist, zeigen Bibelstellen, die vor Selbsterlösungsbemühungen warnen: "Ihr habt Christus verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, und seid aus der Gnade gefallen." (Gal 5,4). Es wäre absurd, wenn Jesus den Gläubigen davon befreien würde, das mosaische Gesetz zu halten, und ihm dafür das viel schwerere Gebot des totalen Verzichts auferlegen würde. Gläubige, die sich wegen der Androhung der Verdammnis zu solcher Selbstaufgabe entschließen, gewinnen damit nichts: Zum einen gibt es keinen Lohn für eine Tat, die nicht aus Liebe geschieht. "Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib verbrennen, und hätte die Liebe nicht, so wäre mir's nichts nütze." (1.Kor 13,3) Zum anderen gewinnen sie nichts für das Leben hier: sie werden es sehr wahrscheinlich in einem Zustand seelischer Überforderung und Depression verbringen, voll Neid auf die Günstlinge Gottes, die ihren Wohlstand in Fülle genießen und sich dennoch am Glauben erfreuen dürfen.

Selten schimmert im Neuen Testament durch, dass Freude am Wohlstand durchaus in Gottes Sinn ist: "Den Reichen in dieser Welt gebiete, daß sie nicht stolz seien, auch nicht hoffen auf den unsicheren Reichtum, sondern auf Gott, der uns alles reichlich darbietet, es zu genießen" (1.Tim 6,17). Selbst bei Jesus ist es zu erkennen, wenn er z.B. sich hinter ihre Forderung der Schriftgelehrten, den Zehnten zu geben, stellt: ""...Dies sollte man tun und jenes nicht lassen." (Mt 23,23). Der Widerspruch zu den extremen Forderungen Jesu wird aber nicht kasuistisch (durch Zergliederung in einzelne anwendbare und nicht anwendbare Fälle) aufgelöst.

Es bietet sich die Erklärung an, dass von den Jüngern so viel verlangt wurde, weil sie Anteil an einer einzigartigen geschichtlichen Wende hatten. Sie hatten nie den Eindruck, dass sie mit dieser Entscheidung viel verlieren würden. Das zeigte Jesus auch mit dem Gleichnis vom "Schatz im Acker". "Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker." (Mt 13,44) Die Jünger lebten im Schauen, wenn auch das Reich des Messias noch nicht aufgerichtet worden war. Alle bekamen von Jesus Vollmacht, Kranke, ja selbst Tote zu erwecken (Mt 10,8). Dass dieses Reich kommen würde, war klar. Die Jünger hatten in Jesus den zukünftigen König Israels erkannt und stritten sich - etwas verfrüht - schon um die Ministerposten (Mt 20,20). Eben weil sie soviel von der Herrlichkeit Gottes gesehen hatten (Jo 1,14), schimpfte sie Jesus wiederholt wegen ihres Unglaubens aus (Mt 17,17 / Mk 16,14).

Auch Paulus bekam die Vollmacht geschenkt, Tote zu erwecken und Kranke zu heilen (Apg 20, 9 ff). Auch Paulus lebte in der Naherwartung, unter dem Eindruck, dass das Reich Gottes unmittelbar bevorstand (1.Thes 4,15). Dass Gott ihn in seinem Dienst soviel leiden ließ, betrachtete er als fairen Ausgleich für die Verfolgung, die die Gemeinde durch ihn einst erleiden musste (Kol 1,24).

Aus Gründen, die wir nicht verstehen, hat Jesus die Naherwartung seiner Gemeinde nicht erfüllt. Es folgten die Jahrhunderte der Kirchengeschichte, eine lange Zeit, in der sie im Glauben und nicht im Schauen leben musste. Zwar bot der Heiligen Geist jedem Gläubigen die Möglichkeit, zur Erkenntnis der Wahrheit zu gelangen (Jo 16,13), doch blieb es immer ein großes Problem, seine Stimme von eigenen und allzumenschlichen Sichtweisen zu unterscheiden, die sehr bald den christlichen Glauben prägten.

Wie immer man auch geprägt worden ist, so erkennen doch viele Gläubige, dass sie sich über das Erlernte, über die Prägung durch die Tradition hinaus, ehrliche Gedanken über die Qualität ihres Glaubens machen müssen.

Zur Qualität des Glaubens gehört es unbedingt, dass "das Gesetz Gottes ins Herz geschrieben" wird (Hebr 10,26). Das "Gesetz", die Ordnungen Gottes befinden sich dann im Innersten der Persönlichkeit. Sie gehören quasi zur Person und werden nicht mehr als Fremdkörper empfunden.

Gehorsam, der mit Strafe, erzwungen werden muss, ist ein Fremdkörper. Erpressung durch das Gewissen bringt keine Heiligung hervor, kein innerliches Wachstum, keine Glaubensfreude, sondern nur kurzfristige Aktionen, mit denen sich der Egoismus vom weltlichen auf den frommen Bereich verlagert. Langfristig nistet sich das Bild eines Gottes ein, der argwöhnisch und kleinlich jeden Schritt überwacht und ggf. bestraft, den man aber auch durch konsequentes Wohlverhalten in nützlicher Weise beeinflussen kann. Dieses Zerrbild kann die Quelle einer chronischen Depression werden.

Die Heiligung, die der heilige Geist schenkt, ist eine langfristige Verhaltensänderung. Sie kommt in völliger Freiheit zustande, indem der Gläubige immer mehr von der kostbaren Persönlichkeit seines Meisters Jesus Christus und vom Wert seiner Maßstäbe „Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Verlässlichkeit“ (Mt 23,23) erkennt. Er wünscht sich wie Jesus zu handeln, nicht weil sich damit Vorteile verschaffen oder Nachteile vermeiden will, sondern weil er vom objektiven Wert dieses Handelns restlos überzeugt ist.

Die Freiheit des Gläubigen ist dadurch garantiert, dass ihn Gott als "tot für das Gesetz" betrachtet: "Denn ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe" (Gal 2,19). Im neuen Dienst, den er leistet, ist er dem Buchstaben nicht unterworfen (2.Kor 3,6).

In Gemeinden, in denen viel indoktriniert und bevormundet wird, hat man schwerlich eine hohe Meinung vom Wert der eigenen selbstverantworteten Überzeugung (vgl.Authentizität ). Das vergrößert die Gefahr erheblich, dass Gläubige auch keine Vorstellung von christlicher Freiheit haben und die Forderungen Jesu dann doch wieder in werkgerechter und destruktiver Weise missverstehen.

Die großen Forderungen Jesu werden aber nicht aufgelöst. Es sind keine theoretischen Ideale, die man genausogut vergessen könnte, sondern geistliche Chancen. Es sind große Schuhe, in die der Gläubige ein gutes Stück weit hineinwachsen kann, wenn er sich vom heiligen Geist leiten und erfüllen lässt.

Manche Gläubige passen sogar eines Tages ganz in diese Schuhe, wenn sie Gott an einer geschichtlichen Wende teilhaben lässt oder wenn sie in Verfolgungszeiten treu bei Jesus bleiben.

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Fünf-Farben-Buch

Alle Heilstatsachen lassen sich mit Hilfe eines kleinen Buches ohne Worte erläutern, das nur fünf farbige Seiten enthält. Mit Hilfe dieses Buches kann auch ein Analphabet einem anderen Menschen soviel über den christlichen Glauben mitteilen, dass dieser sich bekehren und Christ werden kann.

Fünffarbenbuch

Die schwarze Farbe: der Mensch ist verderbt und böse und kann sein Herz selbst nicht vom Bosheit und Eigennutz befreien: er ist "unter die Sünde verkauft" (Rö 7,14). Er sehnt sich nach Gott, aber ist durch die Sündenschuld von ihm getrennt, sodass es in seinem Leben finster bleibt (Jes 59,2).

Die rote Farbe: Der Lohn der Sünde ist der Tod. Aber Gott schickte seinen Sohn Jesus Christus in die Welt, der durch sein freiwilliges Opfer diese Sündenschuld bezahlte (Hebr 5,3).

Die weiße Farbe: Alle, die an Jesus glauben, sieht Gott so an, als hätten sie nie gesündigt (Hebr 10,22). Sein Sieg über Sünde, Tod und Teufel (1.Kor 15,55 / Hebr 2,15) wurde beglaubigt durch die Auferstehung (1.Kor 15,17). Die Trennung zwischen dem heiligen Gott und dem sündigen Menschen ist aufgehoben (Mt 27,51). Der Gläubige darf Gott "Vater" nennen (Gal 4,6), Jesus nennt seine Jünger "Brüder" und "Freunde" (Hebr 2,11 / Jo 15,14).

Die grüne Farbe: Als "Vorschuss" der Erlösung hat jeder Gläubige das Geschenk des Heiligen Geistes bekommen (Eph 1,14). Dieser schenkt die Sehnsucht und auch zunehmend die Fähigkeit, Gottes Führung ganz zu vertrauen und nach seinem Willen zu fragen. Der Heilige Geist bewirkt geistliches Wachstum (Eph 4,14-15): der Gläubige wird seinem Meister Jesus zunehmend ähnlicher (Rö 8,29). Ausbleibendes geistliches Wachstum oder gar Rückschritt ist ein Warnsignal (Hebr 12,14), dass der Gläubige sich auf einen falschen Weg begeben hat.

Die goldene Farbe: Nach dem Tod kommt der Gläubige nach Hause, ins Vaterhaus seines Gottes. Dort wird es kein Leid mehr, keine Sünde, sondern nur noch Freude geben (Offb 7,17). Auf ihn wartet dort auch eine Belohnung, der seinem geistlichen Wachstum entspricht (1.Kor 3,8). Und Jesus wird am Ende der Geschichte auf die Erde kommen, den Gläubigen entgegen, um auch dort seine Herrschaft aufzurichten (Mt 25).

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Gesetz der 50-jährigen

Ein Mechanismus, der von Noll und Bachmann beschrieben wurde (Peter Noll, Hans Rudolf Bachmann, Der kleine Machiavell. Handbuch der Macht für den alltäglichen Gebrauch, Zürich, München, 1999, S.23.) Es ist schwierig für eine Führungskraft in diesem Alter, sich zu einer dringend notwendigen Refom, die das Unternehmen zunächst einmal in die Talsohle bringt, zu entschließen. Zwar wird die nächste Führungsgeneration die Früchte dieser Reform ernten, aber er selbst hat nichts davon. Die Mehrzahl handelt deshalb ganz nach wirtschaftlicher Vernunft: sie werden „jeden Vorschlag unterstützen, der Zeitgewinn bringt. Möglichst wenig Änderungen und vor allem keine radikale Operation, selbst wenn sie die einzige Rettungsmöglichkeit für das Unternehmen wäre. Natürlich wird man nicht einfach gar nichts tun, schon um sich nicht den Vorwürfen auszusetzen, man hätte den Zug der Zeit verschlafen. In der Tat haben sie ... wirklich nicht geschlafen, sondern sehenden Auges das Schiff auf eine Sandbank gesteuert“

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Gesetzliche llusionen

Das gesamte jüdische Kultgesetz ließ die Selbsttäuschung blühen, denn es ließ überhaupt nicht erkennen, dass es eine nur vorläufige Frömmigkeit vermittelte. Im Gegenteil! Begünstigte es nicht damit ein fürchterliches Missverständnis? Paulus war vor seiner Bekehrung darauf hereingefallen. Er hielt die Christen für Irrlehrer und verfolgte sie. Es war niederschmetternd, als ihm plötzlich die Augen aufgingen.

Durch dreierlei kam dieser falsche Eindruck zustande. Erstens war es nicht das Liebesgebot, sondern das symbolische Gesetz, das Israel von den übrigen Völkern unterschied und seine Erwählung bezeugte. Zweitens war das symbolische Gesetz weit ausführlicher in die Einzelheiten hinein ausgebildet als die Liebe betreffende Gebote. Wenn der Verfasser des Gesetzes sich mit dem symbolischen Gesetz so viel Mühe gemacht hatte, dann schien es ihm ja besonders wichtig zu sein. Drittens ist aus dem symbolischen Gesetz selbst heraus nicht erkennbar, das es später zugunsten des Liebesgebots aufgelöst werden wird. Es erweckt den täuschenden Eindruck, als ob es in Ewigkeit gilt ("Ewigkeitsillusion"). Dabei handelt es sich hier - wie auch andernorts - nur um biblischen Pauschalstil.

Die Betonung des symbolischen Gesetzes vermittelte also den Eindruck, dass die wahre Frömmigkeit im wesentlichen in der fehlerlosen Beobachtung eines umfassenden Rituals bestand. Dem Liebesgebot blieb nur die Nebenrolle eines weniger praktizierbaren Ideals.

In der Folge kommt es zu weiteren Illusionen. Da das Liebesgebot unterbelichtet war, entstand der Eindruck, dass es möglich sei, das Gesetz zu halten (“Erfüllungsillusion”). Das mosaische Gesetz wehrt diesem falschen Eindruck nicht. Die Anforderungen werden als leicht bezeichnet (5.Mo 30,11), was ja - bei oberflächlicher Beachtung des Liebesgebotes - auch zutrifft. Wer Gewissensbisse hatte, konnte sich damit beruhigen, dass das Tieropfer, das der Hohepriester einmal im Jahr darbrachte, sämtliche Schuld des Jahres (!) sühnte (3.Mo 16, 30+34) 34. So verheißt es das Gesetz. Kam das Gewissen wegen der Schwere der Schuld dennoch nicht zur Ruhe, so gab es die Möglichkeit, zusätzlich noch ein eigenes Tieropfer darzubringen (3.Mo 4,1ff). David hat nach der Ermordung Urias zum ersten Mal an der Wirksamkeit dieser Opfer gezweifelt (Ps 51,18-19 / vgl Heb 10,4). Für andere Gläubige, die das Recht mit Füßen traten, diente dagegen der Opferkult als billige Gewissensentlastung (Am 5,22-24).

Weiter lässt das Gesetz den falschen Eindruck entstehen, dass sein Fluch, mit dem es den Ungehorsamen bedroht, durch Eifer und zufriedenstellenden Gehorsam abgewendet werden könne. "Befolgt meine ... Gebote; denn sie werden dem Menschen, der sich nach ihnen richtet, das Leben bringen" (3.Mo 18,5). Dieser Satz hatte im mosaischen Gesetz eine positive Bedeutung und wurde auch immer als Verheißung verstanden. Erst Paulus entdeckte, dass die Verheißung des Gesetzes tatsächlich ein Todesurteil war: weil niemand all das in zufriedenstellendem Maße tun könne, was das Gesetz fordert (Rö 3,11+19+20), könne auch niemand am Leben bleiben!

Dessen ungeachtet hat Gott immer wieder gesegnet, obwohl die Bedingung, die das Gesetz stellte, eigentlich nicht erfüllt worden war. Die Gnade, die nicht aufgrund von Werken verliehen wird (Eph 2,8+9), wird somit schon im alten Bund gewährt. Sie ist jedoch dort nur aus der Geschichte zu erkennen und nicht aus dem Gesetz heraus. Wer nun über den äußerlichen Gehorsam nicht hinauskam, verfiel einer weiteren Selbsttäuschung: Er musste aus den Segnungen gerade den verkehrten Schluss ziehen, dass das Gesetz erfüllbar und der Segen verdienbar sei. Er musste annehmen, dass die äußerliche Gesetzeserfüllung Gott gefällt (“Qualitätsillusion” oder “Freiheitsillusion”). Das missverstandene mosaische Kultgesetz hängt wie eine undurchdringliche „Decke“ vor den Augen der Gläubigen (2.Kor 3,15) Und zwar für Jahrhunderte!

Die mit dem Gesetz verbundenen Illusionen sind ein Beweis für das Phänomen der Selbstverstärkung

Zur Zeit des Paulus waren etliche Christen tatsächlich der Meinung, dass sie besser und gläubiger waren als die Vertreter jüdischer Gesetzlichkeit (vgl. Rö 3,9ff). Doch damit irrten sie sich gewaltig (Rö 11,20-21). Auch in der christlichen Gemeinde wird äußerliche, erlernte Frömmigkeit ständig gerne mit echtem Glauben verwechselt (Mt 7,21 / Jak 2,14 / Off 3, 1+17). Auch dort hat man große Mühe, sich sektiererischer Tendenzen und Methoden zu erwehren!

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Gewissen

Die Aufgabe des Gewissens in der Seele ist, für die Übereinstimmung von Denken und Handeln zu sorgen. Dabei fordert es immer Gehorsam entsprechend dem augenblicklichen Erkenntnisstand ein. Für die Richtigkeit oder Gültigkeit der eingeforderten Normen kann das Gewissen nicht garantieren. Es ist keine Erkenntnisquelle. Bildlich gesprochen: Das Gewissen übt eine exekutive ("polizeiliche") Funktion in der Seele aus, keine legislative ("gesetzgebende, Recht schaffende") Funktion.

Leider geistert die These, dass das Gewissen die „Stimme Gottes“ oder gar des heiligen Geistes repräsentiere und „objektiver Maßstab“ sei, immer noch in etlichen Köpfen herum. Manche begründen sie mit Römer 9,1 "Ich lüge nicht, wie mir mein Gewissen im heiligen Geist bezeugt."

Diese These ist sehr gefährlich, da das Gewissen erkranken und entweder unempfindlich-verstockt oder unerträglich perfektionistisch werden kann. Manche Gläubige, die einem perfektionistischen Gewissen widersprechen, befürchten, sie hätten damit "ein Wort gegen den heiligen Geist gesagt", was nach Mt 12,36 eine unvergebbare Sünde ist.

Die These, dass das Gewissen "die Stimme des heiligen Geistes" sei, lässt sich sowohl durch die Bibel selbst als auch durch einfachste Erfahrung widerlegen.

Zunächst der biblische Beweis. Gott befahl Petrus, unreines, d.h. nach dem mosischen Gesetz verbotenes Fleisch zu essen. Petrus weigerte sich, wie sich jeder fromme Jude aus Gewissensgründen geweigert hätte. Aber Gott antwortete ihm: „Was Gott gereinigt hat, das nenne du nicht verboten.“ (Apg 10,15) Das Gewissen des Petrus hat also nach Gottes ausdrücklichem Befehl falsch reagiert. Obwohl er den Heiligen Geist hatte.

Ein zweites Beispiel: manchen Gläubige verbot das Gewissen, Götzenopferfleisch zu essen. weil sie unrein ist, Wer aber etwas für unrein hält, für den ist es tatsächlich unrein.“ (Röm 14,14) Das Gewissen meldet also keinen objektiven Zustand „Vorsicht! Unrein!“, sondern das Handeln gegen das Gewissen macht immer unrein, egal ob es richtig oder falsch anzeigt. Das Gewissen aber kann durchaus durch überzeugende Argumente „umgeprägt“, neu orientiert werden. Überzeugende Argumente liefern sowohl Gott in der Vision, die er Petrus schenkte, als auch Paulus in seinem Brief.

Welche Funktionen hat das Gewissen? Das Gewissen ist ein vom Schöpfer der Seele eingepflanzter Mechnismus, der gewöhnlich durch Erziehung, d.h. durch die Vermittlung der elterlichen Normen „programmiert“ wird. Diese elterlichen Normen befinden sich auch i.d.R. im Einklang mit den Normen des sozialen Umfeldes, in dem die Familie lebt. Verstoß gegen die Normen löst Unwohlsein und Stress aus und den Wunsch, das Verhalten wieder den Normen anzunähern.

Solche Orientierungen brauchen oft nur den Bruchteil einer Sekunde. Indem der Mensch in moralischen Fragen instinktiv handeln kann, kann er sich zeitraubende Analysen sparen. Zu bedenken ist hier auch, dass Kinder solche Analysen z.T. noch gar nicht leisten können. Das ist also die erste Funktion des Gewissens: die Entlastung des Denkens.

Die andere Funktion ist die der Alarmsirene. Das Gewissen macht sehr starken Druck, wenn der Mensch ein Verhalten erwägt, das für die soziale Gemeinschaft, in die er eingebunden ist, völlig inakzeptabel ist: ein Tabubruch, eine Schändlichkeit oder gar ein Verbrechen.

Auch hier ist zu differenzieren. Es gibt Taten, die in jeder Kultur Verbrechen sind: z.B. Mord oder Diebstahl (innerhalb der eigenen Gruppe wenigstens). Bei Schändlichkeiten sieht es schon ganz anders aus. Das, was in einer Kultur schändlich ist, kann in einer anderen ganz harmlos sein. Dazu wieder ein Beispiel aus der Bibel: ein Mann in Israel, der sich weigerte, die Frau seines verstorbenen Bruders zu heiraten, handelte höchst ehrlos. Ihm durfte ins Gesicht gespuckt werden (5.Mo 25,5-10). Zweifelsohne hat das Gewissen hier auch entsprechend reagiert. Heute ist das überhaupt keine Gewissensfrage mehr!

Warum nun ist das Handeln gegen das Gewissen schädlich? Das Gewissen wird gebildet durch einen Überzeugungsprozess, den in erster Linie die Eltern aber auch das soziale Umfeld mitverantworten zum Zwecke automatischer Orientierung. Gegen das Gewissen handeln, heißt daher gegen seine Überzeugung handeln, und das ist selbstzerstörerisch. Dafür ist der Mensch nicht geschaffen. Er soll ehrlich, konsequent und seiner Überzeugung treu bleiben.

Der frühere Überzeugungsprozess kann jedoch de facto auf schlechten Argumenten beruhen, also Irrtümer enthalten. Deswegen ist es legitim, mit besseren Argumenten eine stärkere Überzeugung zu bilden, die die frühere ablöst. Dann handelt der Mensch zwar anders, im Widerspruch zu dem, was er früher glaubte, aber wieder im Einklang mit seiner Überzeugung. „Ein jeder sei seiner Meinung gewiss!“ (Röm 14,5) Beispiele sind - wie gesagt - Petrus und Paulus!

Also ist das Gewissen ein von Gott geschaffenes Instrument der Seele, mehr nicht. Die Frage, wann dieses Instrument sinnvoll angewendet wird bzw. wie es bei Kindern zu „programmieren“ ist, muss jeder Mensch selber glaubwürdig - in Übereinstimmung mit seinem aktuellen Wissensstand - beantworten.

Man braucht wirklich keine besondere Wissenschaft, um festzustellen, dass das Gewissen fast in beliebiger Weise programmiert werden kann. Zeugen Jehovas werden ein sehr schlechtes Gewissen haben, wenn sie sich gegen das Bluttransfusionsverbot aussprechen - ein Beispiel für eine besonders absurde Verformung des Gewissens. Obwohl dieses Gebot biblisch nicht zuverlässig begründet werden kann, - ja im Gegenteil fundamentalen biblischen Prinzipien widerspricht (siehe Bluttransfusionsverbot) und vermeidbare familiäre Tragodien heraufbeschwört, hat der soziale Druck diese nur sehr schwer zu korrigierende Prägung des Gewissens hervorgebracht.

Ein weiteres Beispiel für die beliebige Programmierbarkeit des Gewissens sind rigorose Verbote von Musik in gewissen frommen Gruppen, die von einer Art "Infektionshysterie" begleitet werden. Wenn die Musik zu rhythmisch wird, vermutet man den Einfuss afrikanischer Götzenkulte, und warnt den Gläubigen, dass er sich mit dem Anhören und Genießen dieser Musik "Besessenheit" einfangen könnte.

Unter dem Einfluss solcher Lehren ist es kein Wunder, wenn das Gewissen heftig Alarm schlägt, obwohl objektiv keine Gefahr besteht. Das Thema "Götzenopferfleisch" (1.Kor 8,1ff) erscheint hier noch einmal in ganz anderer Form.

In einer rigoristischen Ethik hat eine „Infektionstheologie“ die zwangsläufige Tendenz zum Totalverbot. Gewissensnöte werden schließlich auch bei nicht-afrikanischer Musik entstehen, da sich die Musikstile vielfältig beeinflussen und ihre Herkunft oft nicht einfach festzustellen ist. Eine 'Reinheitsprüfung' kann hier niemals mit absoluter Genauigkeit durchgeführt werden.

Eine ähnliche Infektionshysterie hat das Buch von Vance Packard, "Die geheimen Verführer" (Düsseldorf 1967) ausgelöst. Er zitiert dort (Seiten 33-34) einen Zeitungsbericht, in dem behauptet wurde, dass eine Eiskremfirma Werbedias in Kinofilme einfügen ließ, die vom Zuschauer nicht bewusst wahrgenommen wurden. Auf diese Weise habe sie ihren Umsatz deutlich steigern können.

Obwohl Packard durchblicken ließ, dass man an diesem Bericht auch seine Zweifel haben könne, waren etliche „Strenggläubige“ ihrer Sache desto sicherer und befürchteten, dass in Filmstreifen einzelne Bilder mit gottlosem Inhalt eingefügt seien, die der Betrachter nicht sehen könne, die sich aber in seinem Unbewusstsein festsetzen würden. In der Folge wurden auch die harmlosesten Filme von den entsprechend indoktrinierten Gläubigen als gefährlich betrachtet. Jedoch war die Sensation nur ein Hirngespinst. Die Wirkungslosigkeit solcher Bildeinfügungen war schon früher auf verschiedene Weise nachgewiesen worden. (R.A.Bauer, "The Limits of Persuasion", Harvard Business Review, Sep-Okt 1958, Seiten 105-110 / J.T.Klapper,"The Effects of Mass Communication", New York, Free Press, 1960 / Bauer, "The Initiative of the Audience", Journal of Advertising Research, Juni 1963, Seiten 2-7)

Diese zwei Beispiele sollten genügen, um aufzuzeigen, dass das Gewissen durchaus auch mit kindischen Albernheiten geprägt werden kann.

Was nimmt man den Menschen alles weg, wenn man alle Musik als giftig verbietet, die nicht von “Strenggläubigen“ produziert wurde! Wie wohltuend kann Musik auf die Seele wirken, die von begabten "weltlichen" Komponisten komponiert wurde!

Zugegeben: es gibt manches, was nicht jedem guttut. Der Seele tut es aber erst recht nicht gut, wenn man jedes Hören von Musik zu einer Angelegenheit von Himmel und Hölle macht! Man treibt die Menschen dadurch nur in eine ständige Ängstlichkeit hinein. Für die seelische Gesundheit ist das schädlich!

Dem Zusammenhalt der Sekte nützt es natürlich. Sekten sind typischerweise bemüht, bei ihren Mitgliedern eine phobische Weltsicht zu erzeugen, in der alles, was von außen kommt, als böse und bedrohlich empfunden wird. Um so ängstlicher drängt sich dann die Herde um den unberufenen "Hirten" und frisst ihm quasi aus der Hand. Der "Hirte" mag sich selber weiden und rücksichtslos gegen seine Schäfchen sein - man bleibt trotzdem bei ihm, denn anderswo soll es ja angeblich noch schlimmer sein.

Diese Tatsache ist auffällig genug: Jede Diktatur versucht, sich der Kultur völlig zu bemächtigen, und gerade dort alles zu verbieten, was auch nur der Keim eines Zweifels am Monopol der eigenen Denkweise sein könnte.

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Gottesbeweise

Es gibt nur einen wirklichen Beweis, der wirklich zu Gewissheit und Glaubensfreude führt: und das ist die tagtägliche Erneuerung der Persönlichkeit durch den Geist Gottes (2.Kor 4,16). Dann erfährt der Gläubige: "Ich lebe, aber nicht nicht ich, sondern Jesus Christus lebt in mir" (Gal 2,20). Diese Erfahrung ist der tiefste Grund der christlichen Gewissheit: das Zeugnis des heiligen Geistes (Rö 8,16). Die Bibel nennt diese Erfahrung Heiligung.

Ohne sie werden die Bemühungen um Geborgenheit vielleicht zu einer stabilen religiösen Weltanschauung, aber nicht zur inneren Schau führen, die die Bibel mit Glaubensgewissheit bezeichnet.

Wenn einem nun beigebracht worden ist, die Existenz Gottes zu bezweifeln, dann kann dieser Zweifel mit Hilfe gewisser Indizien erschüttert werden. Diese Indizien spielen aber nur eine vorbereitende Rolle. Gewissheit, wie sie die Heiligung vermittelt, können sie nicht vermitteln.

So haben Berechnungen von Astrophysikern ergeben, dass bereits die Entstehung des Universums ein außerordentlich unwahrscheinliches Ereignis ist. Ebenso unwahrscheinlich sind die vielen Bedingungen, die zusammen eintreten müssen, damit ein Planet wie die Erde von Pflanzen Tiere und Menschen bewohnt werden kann.

Ebenfalls ist die zufällige Entstehung dieser Lebewesen so extrem unwahrscheinlich, dass es vielen leichter fällt, an einen intelligenten "Designer" (Schöpfer) zu glauben.

Allerdings lässt sich aus diesen Beaobachtungen nicht schließen, wie Gott ist, ob er sich für seine Geschöpfe noch interessiert, ob er über - aus menschlichen Sicht - über einen guten oder einen wankelmütigen oder gar bösartigen Charakter verfügt. Die Schöpfung zeigt jedenfalls viel genial konstrierte Tötungstechnik und ein ein unablässiges Quälen und Sterben, das offenbar auch notwendig ist, da Raum und Nahrung begrenzt sind.

Die Frage, wie Gott ist, ist genauso wichtig - ja sicherlich noch viel wichtiger - als die Frage, ob es ihn überhaupt gibt.

Wenn es keinen Gott gibt, wenn es nur Materie gibt und alles Zufall ist, dann mag das sehr frustierend sein, aber die Frustration ist ja spätestens mit dem Tode überstanden, wenn ich als Person aufhöre zu existieren und in Atome zerfallen bin.

Wenn es aber einen Gott gibt und dieser mir nicht freundlich gesinnt ist, sondern mit mir herumspielt und mich ggf. opfert, wie eine Schachfigur, dann droht sehr wahrscheinlich Frust und Not ohne Ende. Ich bin ihm wehrlos ausgeliefert. Was soll mich dann die Antwort trösten, dass es Gott gibt? Dann wäre es besser, es gäbe keinen.

Deswegen ist es der entscheidende und wichtigste Beweis, dass der Geist Gottes Wohnung in der Seele des Gläubigen nimmt. Der Geist Gottes redet von Jesus (Jo 16,13-14), und wenn wir Jesus sehen, dann sehen wir auch, wie der Vater im Himmel ist (Jo 14,7). Mit dem Erkennen des göttlichen Charakters ist auch die Frage nach seiner Existenz automatisch beantwortet.

Das Erkennen des göttlichen Charakters ermöglicht die Wahrnehmung der Bibel als göttlich inspiriertes Gotteswort und das Vertrauen in seine Zusagen. Es bewahrt vor dem wörtlichen Missverstehen und ermöglicht die ausreichend sichere Identifizierung von Bibeltexten, die uns zum Üben geistlichen Urteilsvermögens gegeben sind (Übungstexte).

Die Irrtumslosigkeitsdoktrin, die die Fehlerlosigkeit jedes einzelnen Bibelwortes zu Voraussetzung des Glaubens erklärt, impliziert, dass der Beweis durch das innewohnende Zeugnis des heiligen Geistes nicht ausreicht.

Offenbar fällt den Vertretern dieser Doktrin nicht auf, dass bei dieser Doktrin die Frage nach dem göttlichen Charakter genauso wie bei den bereits erwähnten Gottesbeweisen unbeantwortet bleibt. Es bedarf der Verdrängung aller ethisch problematischen Textstellen und eines unbegründbaren, willkürlichen Optimismus, um diese Frage wenigstens für sich selbst positiv zu beantworten. Ist das aber wirklich der Glaube, den die Bibel meint, wenn sie von der "Frucht des heiligen Geistes" spricht (Gal 5,22)?

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Heiligung

Auch wenn Gott will, dass alle Menschen die Wahrheit erkennen und dass allen geholfen wird (1.Tim 2,4), so beruft er doch bestimmte Menschen besonders, Wegweiser zu ihm zu sein. Im Alten Testment bekamen die Erzväter Abraham, Isaak und Jakob und durch sie das Volk Israel diesen Auftrag. Im Neuen Testament ging dieser Auftrag an alle, die Jünger Jesu Christi wurden, an die christliche Gemeinde. Die Gemeinde bezeichnete sich selbst als "ecclesia", als die "Herausgerufene". Der an sie ergangene Auftrag entspricht der Verheißung, die einst Abraham verkündet worden war: "Durch dich sollen gesegnet werden alle Völker der Erde." (1.Mo 22,18) Dieser Auftrag gilt aber auch weiter für das Volk Israel, sodass Paulus hier eine fruchtbare Konkurrenz entstehen sah (Rö 10,19).

Um Wegweiser zu Gott, um Licht für Menschen zu sein, die fern von Gott sind, muss der Gläubige Gott würdig vertreten. Dazu nennt die Bibel Gebote, deren Einhaltung die Persönlichkeit formen und Gottes Persönlichkeit ähnlicher machen sollen, getreu dem ursprünglichen Schöpfungsplan: "Gott schuf den Menschen zu seinem Ebenbild, sowohl den Mann als auch die Frau." (1.Mo 1,27)

Durch Beachtung der Gebote unterscheidet sich der Gläubige von Menschen, die nicht an Gott glauben. Im Alten Testament wird diese Unterscheidung hauptsächlich durch äußerliche Verhaltensweisen bewirkt, die aber zu einer inneren Haltung der Ehrfurcht und Liebe gegenüber Gott führen sollen.

Die Erfahrung zeigte leider, dass äußerlicher Gehorsam in vielen Fällen gar nicht zu einer inneren Erneuerung führte, sondern im Gegenteil als Entschuldigung für innere Verhärtung diente (Mt 12,10 / 23,25 / Rö 2). Viele Gläubigen bildeten mit Hilfe des Gesetzes eine werkgerechte und scheinheilige Frömmigkeit aus, die Gott, der Geber des Gesetzes, nie gewollt hatte (Rö 10,3).

Dass Maleachi den Gläubigen vorwarf, dass sie die im Gesetz erlaubte Möglichkeit des Scheidebriefes genutzt hatten (Mal 2,13-16), beweist, dass das Gesetz auch mit der Absicht gegeben wurde, dass Gläubige selbständig - ohne Aufforderung durch das Gesetz - erkennen, was der Persönlichkeit Gottes, den sie vertreten sollen, am besten entspricht.

Die Möglichkeit des Missbrauchs der Gebote lässt die Frage nach dem wichtigsten Gebot entstehen (Mk 12,28), dessen Beachtung vor dem Missverstehen der übrigen Gebote bewahrt.

Das wichtigste Gebot, Gott und den Nächsten zu lieben wie sich selbst, konkretisierte Jesus durch seine Qualitätsmaßstäbe, die ebenfalls ausdrücklich als die Gebote mit höchster Priorität bezeichnet werden: Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Treue (Mt 23,23).

Im Gesetz des AT ist der Gerechtigkeitsgedanke am stärksten betont: insbesondere vor Gericht darf es kein Ansehen der Person geben (3.Mo 23,3+6). Es gibt einige Gebote, die in sehr weitgehender Weise und zartfühlender Weise barmherziges Verhalten fordern, z.B. in 2.Mose 23,4-5 "Wenn du dem Rind oder Esel deines Feindes begegnest, die sich verirrt haben, so sollst du sie ihm wieder zuführen. Wenn du den Esel deines Widersachers unter seiner Last liegen siehst, so laß ihn ja nicht im Stich, sondern hilf mit ihm zusammen dem Tiere auf." Oder: 5.Mose 25,4: "Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden."

Andererseits enthält das Gesetz auch einige unbarmherzige, ethisch problematische Gebote, insbesondere wird eine hartherzige Ehescheidungspraxis zugelassen, die sowohl Maleachi als auch Jesus später scharf kritisierten (Mal 2,13-16 / Mt 18,8-9).

Es ist deutlich, dass die Barmherzigkeit nicht als übergeordneter Maßstab im Gesetz selbst erscheint. Erst die Propheten weisen auf die überragende Bedeutung der Barmherzigkeit hin: "Ich habe Gefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer, an der Erkenntnis Gottes und nicht am Brandopfer" (Hos 6,6).

Wie die Propheten hat auch Jesus diesen Mangel im Gesetz kompensiert, wie Johannes schreibt: "Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden" (Joh 1,17).

Und genauso wie Jesus wurden die Propheten angegriffen und verfolgt. Genaus wie Jesus hatten sie wenig Ansehen, und sahen sich mit einer Schriftgelehrtenkaste konfrontiert, die sich auf das geschriebene Gesetz (den "Buchstaben") berief, die die Menschen damit unter ihre Auslegungstradition zwingen wollte, und die deshalb das mündliche Wort der Propheten verachtete (Laien-Bote).

Solange der Qualitätsmaßstab der Barmherzigkeit im Gesetz und in der Schriftgelehrtentradition unterbelichtet bleibt, wird auch das, was Gott mit Gerechtigkeit meint, zu einem guten Teil unklar bleiben. Paulus stellt das jedenfalls fest (Phil 3,8-9).

Der Qualitätsmaßstab der Treue und Verlässlichkeit wird im Gesetz durch die Duldung der Ehescheidung völlig untergraben. Die Treue zwischen Mann und Frau soll ein Sinnbild der Treue Gottes zu seinen Gläubigen sein. Auch das stellt nicht das Gesetz, sondern die Propheten, sowie die Jünger Jesu fest (Hos 1,2 / 2,4 ff / 2.Kor 11,2 / Eph 5,23).

Bei diesen Mängeln ist ein Missverstehen des Gesetzes eigentlich unvermeidlich. Zum richtigen Verstehen benötigt der Gläubige "prophetische Einsicht", Urteilsvermögen, "Weisheit", die Gott dem, der bittet, gerne gibt (Jak 1,5).

Ohne diese Einsicht kann der Eifer für das Gesetz zum Fallstrick werden. Man eifert für die Gebote, versucht andere zur Unterwerfung zu zwingen, aber hat selber gar nicht erkannt, dass es Gott immer um die Formung der Persönlichkeit entsprechend seiner Qualitätsmaßstäbe geht. Die Seele des Saulus, der für das Gesetz eiferte (Apg 22,3), war mit Hass und Mord erfüllt (Apg 9,1). Den wahren Gott kannte er gar nicht. Er bildete es sich nur ein. Die Persönlichkeit Gottes und den Sinn des Gesetzes erkannte er ebenfalls nicht (Gesetzliche Illusionen). Sein Gott war sein religiöses Ego, sein frommes Programm, dem sich alle unterwerfen sollten. So wurde er zum Verfolger der Jünger Jesu. Hätte Gott nicht eingegriffen, er hätte seinen furchtbaren Irrtum gar nicht erkannt.

Die Formung der eigenen Persönlichkeit durch den Geist Gottes heißt "Heiligung". Der gläubige Christ soll Gottes Persönlichkeit würdig representieren (Eph 4,1), ihr ähnlicher werden (Rö 8,29, 2.Kor 3,18), sodass andere Menschen ermutigt werden, Gott ebenfalls ihr Vertrauen zu schenken. Durch Heiligung wirkt der Heilige Geist im Innersten der Seele, sodass auf diese Weise beim Glaubigen selbst Glaubensgewissheit und Gotteserkenntnis verstärkt werden: "Gott schenke euch aus seinem unerschöpflichen Reichtum Kraft, damit ihr durch seinen Geist innerlich stark werdet, und Christus durch den Glauben in euren Herzen wohnt und ihr in der Liebe eingewurzelt und fest gegründet seid. Denn nur so könnt ihr mit allen Christen das Ausmaß seiner Liebe erkennen, die wir doch mit unserem Verstand niemals fassen können, damit ihr erfüllt werdet mit der ganzen Gottesfülle. " (Eph 3,16-19).

Der Gläubige, der durch Gottes Geist motiviert wird, handelt völlig freiwillig (Freiheit des Christen), weil er vom Wert seines Tuns restlos überzeugt ist. Sowie Jesus völlig freiwillig handelte - selbst beim Opfern seines Leibes (Jo 10,18). Nur positive Motive können auch andere überzeugen (Überzeugungskraft), schlechte nicht.

Der Antrieb durch das schlechte Gewissen bezeugt dagegen weder Gotteserkenntnis noch innerliche Erneuerung. Handeln - um schlechtes Gewissen zu vermeiden - ist ein Motiv, das mit dem Geist der Liebe unvereinbar ist. Man ist hauptsächlich um das eigene seelische Wohl besorgt. Auch wenn man dieses egozentrische Motiv nach außen hin verbirgt, so bleibt doch das Tun deshalb wertlos. Es ist nur eine scheinbare Heiligung, die den Gläubigen nicht weiterbringt, sondern schädigt, und die Gott nicht ehrt, da sie ihn als jemanden hinstellt, der Menschen mit seelischer Erpressung Leistungen aufzwingt, die sie ohne diese Drohungen niemals geben würden.

Auch für den neutestamentlichen Gläubigen können äußerliche Regeln, die er dem Neuen oder Alten Testament entnimmt, eine Glaubenshilfe sein und ihm ermöglichen, sich an die Notwendigkeiten der unsichtbaren Wirklichkeit zu erinnern. Es gibt Gemeinden, die mehr äußerliche Regeln beachten als andere, wobei dieser äußerliche Unterschied nicht zu Qualitätsunterschieden in der Liebe und Treue führen muss. Für manche Gläubigen sind viele äußerliche Regeln eher störend, für andere eher hilfreich (Buchstabentreue).

Genauso wie es einst bei den mosaischen Schriftgelehrten geschah, können auch in der christlichen Gemeinde äußerliche Regeln und Traditionen mehr Bedeutung als die Qualitätsmaßstäbe Christi erlangen. Infolge der Missachtung der biblischen Priorität wird die Persönlichkeit Gottes nur noch verzerrt wahrgenommen.

Parallel entstehen die typischen Zerrbilder der Heiligung:

a) Man befolgt den Wortlaut der Gebote in sklavischer Weise, auch wenn man damit einem anderen Menschen Schaden zufügt (Wörtliches Missverstehen)

b) Man glaubt, Gott durch sklavischen Gehorsam gegenüber dem Wortlaut der Bibel in Dienst nehmen, verpflichten, manipulieren zu können (Werkgerechtigkeit),

c) das ständig schlechte Gewissen ist der Motor des Handelns, der Gläubige fühlt sich erniedrigt und terrorisiert,

c) Die biblischen Begriffe der Freiheit und Mündigkeit des Gläubigen sind nur noch inhaltsleere Propaganda,

d) die Leitung erwartet von Gläubigen kritiklosen Gehorsam auch dort, wo sie selbst sich nicht an biblisches Recht hält,

e) Weisheit und Urteilen nach bestem Wissen und Gewissen werden als sündige Anmaßung, als gottlose Autonomie diffamiert,

f) Gebote werden missbraucht, um über den Glauben anderer zu herrschen, statt zur Freude zu helfen (2.Kor 1,24),

g) man ist hochmütig (Lk 18,9 ff) und lieblos gegenüber allen Gläubigen, die sich an die eigene Glaubenstradition nicht anpassen, sogar dann, wenn sie es aus Gewissensgründen gar nicht können,

h) Gläubige verletzen und verdächtigen einander unnötig (Gal 5,15), Feindschaften, Rivalitäten, Spaltungen und Parteiungen entstehen (Gal 5,20), der Umgangston und das Klima in der Gemeinde ist durch Unfreundlichkeit geprägt.

Die Zerrbilder der Heiligung führen bei Nichtgläubigen zum Fehlschluss, dass der ganze Glaube unglaubwürdig ist. Sie sind für ihn ein objektives Glaubenshindernis, ein Fallstrick. "Denn »euretwegen wird Gottes Name gelästert unter den Heiden«, wie geschrieben steht" (Jesaja 52,5).

Gotteserkenntnis ist nicht durch philosophische "Gottesbeweise" herzustellen. Der einzige Weg dorthin ist echte Heiligung. Sie ist der "sechste Sinn", mit dem jeder, der will, die unsichtbare Wirklichkeit wahrnehmen kann. Deswegen sind Glaubensvorbilder so wichtig.

Die Bibel warnt uns: Wenn Gott Menschen gläubig werden lässt und sie herausruft aus der Masse in seine Gemeinde, so besteht das Privileg in der Chance, das Geschenk echter Heiligung zu erhalten. Ein Privileg, weniger streng von Gott beurteilt zu werden, wird damit nicht erworben.

Weil eben diese Chance so groß ist, hat ihre Ablehnung strengere Bestrafung (!) zur Folge.

"Aus allen Geschlechtern auf Erden habe ich allein euch erkannt, darum will ich auch an euch heimsuchen all eure Sünde" (Amos 3,2). "Seht zu, daß ihr den nicht abweist, der da redet. Denn wenn jene nicht entronnen sind, die den abwiesen, der auf Erden redete, wieviel weniger werden wir entrinnen, wenn wir den abweisen, der vom Himmel redet" (Hebr 12,25).

Manche Gemeindelehrer lehren das leider überhaupt nicht, bestreiten es u.U. sogar. Dabei ist es sehr wichtig, dass der Gläubige, der Heiligung überhaupt ablehnt, oder an einem Zerrbild der Heiligung festhält, über die mit seinem Verhalten verbundene Gefahr klar und deutlich informiert wird.

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Heilstatsachen

"Unaufgebbare" , nicht diskutable, mit der Person Jesu verknüpfte historische Tatsachen, die Fundament des christlichen Glaubens sind: Gottessohnschaft Christi, Sühnetod, Auferstehung, Heiligung der Gemeinde, Wiederkunft Christi. Sie können anhand des sogenannten "Fünf-Farben-Buchs" erläutert werden. Wer sie ablehnt, wird von den Aposteln Paulus, Petrus und Johannes als Irrlehrer und Verführer bezeichnet (2.Jo 7 / 1.Kor 15,12 ff / 2.Pe 2 / 3,4). Ohne diese Fakten ist christlicher Glauben nicht möglich und ohne sie kann ein Mensch auch nicht Christ werden.

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Heimlicher Lehrplan

An etlichen bibeltreuen Hochschulen gibt es Fächer, die gar nicht im offiziellen Lehrplan stehen. Sie sind manchmal viel wichtiger als die offiziellen Fächer.

Das wichtigste Fach scheint oft "Nirgends anecken" zu sein. Studenten ist möglichst frühzeitig deutlich zu machen, dass sie mit allzu auffälligen Abweichungen nur ihrem beruflichen Fortkommen schaden. Theologiegeschichte und Kirchengeschichte helfen die nötige Sensibilität zu entwickeln, um rechtzeitig zu erkennen, wohin die theologischen Schienen laufen, auf denen man denken darf. Daneben hat es sich als sehr hilfreich erwiesen, unerwünschte Abweichungen mit Unfreundlichkeit zu betrafen, sodass der sachliche Dissens schnell zu einer persönlichen Auseinandersetzung wird. (vgl. Überzeugungskraft )

Dazu bedarf es noch nicht einmal einer lehrmäßigen Neuerung. Allein der Versuch, Autoritätsstrukturen in einer "bibeltreuen" (!) Gemeinde nach der Bibel (!) auszurichten, damit Entscheidungen besser gegen fleischliche Motive geschützt sind, führt sehr leicht und sehr schnell zu diesem Ergebnis. (Authoritätsbluff)

Das zweite heimliche Fach heißt "Beherrschen lernen nach Gutsherrenart". Man selbst "hat studiert", und fühlt sich daher berechtigt, zu allem in der Gemeinde das letzte Wort zu haben, selbst dann, wenn man sich mit einem Thema gar nicht ernsthaft befasst hat, mit dem die "Laien" schon jahrelang gearbeitet haben. Laien sind definitionsgemäß minderbemittelte "Schäfchen", die dankbar verzehren dürfen, was ihnen vorgesetzt wird, man selbst ist definitionsgemäß "Hirte", der letztlich fast alles besser weiß.

Dies ist keine Satire. Die Unmündigkeit der Gläubigen ist traurige Realität in vielen Gemeinden. Falls ihr Pastor im Widerspruch zur Heiligen Schrift handeln sollte, so sind sie weder willens noch in der Lage, ihn zur Ordnung zu rufen, sondern betrachten auch berechtigte Kritik als persönlichen Angriff. Falls die Kritik gar von außen kommt, wird sie automatisch als böswilliger Angriff auf die Gemeinde betrachtet.

Wer Menschen unangenehme Wahrheit erspart, wer sich hochmütig über seine Brüder stellt, hat unreine Motive und schadet seiner Gemeinde, ob er nun viele Bewunderer an sich binden kann oder nicht.

 

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Hölle

Die Hölle ist ein Ort in der unsichtbaren Welt, der für die Aufbewahrung des unverbesserlich Bösen vorgesehen ist. Denn in der Nähe Gottes kann nichts Böses geduldet werden: "Ich hörte eine laute Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Wohnung Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das, was vorher war, ist vergangen." (Offb 21,3-4)

Im Alten Testament ist die Hölle unbekannt, obwohl es bei dem Propheten Jesaja eine Andeutung in dieser Richtung gibt (Jes 66,24).

Doch hat man sich dort sicher auch schon Gedanken gemacht, was denn mit Menschen nach dem Tode geschieht. Denn das Alte Testament lehrt keinesfalls, dass mit dem Tode alles aus ist. Wer starb, wurde zu seinem Volk (5.Mo 32,50) oder "zu seinen Vätern versammelt". Dieser Ausdruck wurde auch für ganz gottlose Menschen gebraucht (1.Kö 14,31 / 15,8). Dass es zu einer entgültigen Trennung vom Volk Gottes kommen könnte, wurde hier noch nicht gesehen. Auch wird berichtet, das Henoch und Elia in die unsichtbare Welt aufgenommen wurden, ohne zu sterben (1.Mo 5,24 / 2.Kö 2,11). Wohin sind beide wohl gekommen? Wohin kommen dann die, die zeit ihres Lebens schädliche Menschen und Verächter Gottes gewesen sind?

Es erstaunt ziemlich, dass diese Fragen, die sich doch zwangsläufig stellen, im alten Testament nirgends ausgeführt werden.

Besonders die Propheten haben von der Auferstehung berichtet (Jes 26,19). Es geht also irgendwie weiter mit einem neuen Körper und nicht etwa als Geistwesen oder gar als unpesönlicher Bestandteil einer Weltseele. Der Prophet Daniel empfängt die Verheißung, dass er nach seiner Auferstehung sein Erbteil, eine Belohnung empfängt (Dan 12,13). Erben kann man nur als Person.

Mehr sagt das Alte Testament nicht.

Jesus erst hat den Gläubigen die Nachricht gebracht, dass es einen Ort gibt, an dem sich der Mensch, der sich gegen Gott entschieden hat, eines Tages wiederfindet, ein Ort, an dem er unwiderruflich von Gott getrennt bleibt.

Dieser Zustand, in dem man Gott zu spät als den eigentlichen Urheber all dessen, was wir als Liebe, Freude, Schönheit und Würde wahrnehmen, erkennt und zugleich erkennt, dass man für immer von dieser Quelle abgeschnitten ist, ist so schrecklich, dass ihn Jesus und die Apostel mit dem Schmerz des Verbrennens verglichen haben (Mt 25,41 / Lk 16,24 / Jo 15,6 / Hebr 10,27).

Da wir nur an Jesus erkennen, wie Gott wirklich ist (Jo 8,19), entscheidet sich das ewige Schicksal des Menschen an der Frage, ob der Mensch den Charakter Jesu richtig erkannt und ob er sich ihm im Licht dieser Erkenntnis als Herrn und Retter anvertraut oder ob er ihn hartnäckig abgelehnt hat.

Jesus ist derjenige, der die "Schlüssel der Hölle" (Offb 1,18) besitzt und dem der Gott, der Vater, alles Gericht übertragen hat (Jo 5,22). Es gibt also weder Erlösung, noch Verurteilung ohne Einbeziehung der Person Jesu Christi. Er ist das "A und das Z, der Erste und der Letzte, der Anfang und die Vollendung" (Offb 22,13) der Heilsgeschichte. Deswegen sind seine Worte auch der Schlüssel für das Verständnis der ganzen Heiligen Schrift. Die absolute Priorität seiner Qualitätsmaßstäbe kann durch niemanden - weder durch Bibelworte, noch durch Propheten und schon gar nicht durch Theologen - relativiert werden.

Die Existenz der Hölle macht deutlich, dass Gott die Entscheidung des Menschen für oder gegen seinen Sohn, der seinen Charakter offenbart hat, mit letztem Ernst anerkennt.

Die Warnung vor der Hölle hatte in der Theologie des Paulus eine völlig unerwartete BEFREIENDE (!) Wirkung.

Paulus war von fanatischem Eifer für das mosaische Gesetz erfüllt. Das mosaische Gesetz verhieß Segen für ausnahmslose Erfüllung seiner Gebote und Fluch für den Fall der Nichterfüllung. Der Pharisäer Paulus glaubte sich gesegnet und war mit dem Niveau seiner Gesetzeserfüllung zufrieden.

Nun war ihm Jesus in einer strahlenden Erscheinung begegnet. Er traf die Entscheidung, sich diesem Jesus, den er nun als den verheißenen Retter erkannte, zu unterwerfen. Was lag da näher, als sich nunmehr zu bemühen, auch die Gebote des Neuen Testamentes vollständig zu erfüllen.

Da gab es nur ein kleines Problem: Jesus forderte von seinen Jüngern Vollkommenheit (Mt 5,48), die Bereitschaft zum totalen Selbstopfer: "wer sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es gewinnen" (Mt 10,39 / 16,25). Das Vorbild Jesu schuf eine unendliche Sensibilität für das Leid des Mitmenschen (Mt 9,36 / 14,14 / 15,32), von denen nach Möglichkeit niemand im Stich gelassen wurde (Mk 3,10 / Lk 6,19). Den Stolz des Pharisäers auf treue Gesetzeserfüllung zerbrach Jesus, indem er ihn mit dem Verlust der Vergebung bedrohte (Lk 18,14). Er erwartete völlige Sebstlosigkeit.

Zugleich verkündete Jesus, dass er den Jünger, der seine Gebote missachtete, nicht ins Himmelreich aufnehmen könne. "Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen böse Geister ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Wunder getan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie gekannt; weicht von mir, ihr Übeltäter!" (Mt 7,21-23)

Auch wenn die zwölf Jünger sich gelegentlich über die Strenge Jesu sehr erschrocken haben (Mt 19,25), so verzweifelten sie dennoch nicht. Sie sahen Jesus jeden Tag und kannten ihn sehr gut. Es war für sie gar keine Frage, dass ihr Meister ihnen die Treue halten würde.

Da sie mit Jesus durchs Land wanderten, hatten sie alles aufgeben müssen (Mt 19,27). Deshalb kam es kaum zu Interessenkollisionen mit eigenen Bedürfnissen, zumal sie darauf brannten, die herrlichen Taten ihres Meisters zu sehen. Auch sahen sie ihre eigenen Interessen gewahrt, da sie fest mit der Aufrichtung des Königreichs Israel zu ihren Lebzeiten rechneten und die Zeit der Wanderschaft und der Armut als notwendige Vorphase sahen. Jesus ließ sie offenbar ganz bewusst in diesem Glauben. Jakobus und Johannes wollten sich z.B. schon Ministerposten in der zukünftigen Regierung des Messias sichern und schickten ihre Mutter vor, um ihre Ansprüche anzumelden (Mt 20,21). Auch unter den anderen Jüngern gab es solche Rangstreitigkeiten (Lk 9,46).

Paulus war der erste Apostel, der nicht an der Seite Jesu wanderte. Er glaubte zwar an die baldige Wiederkunft Jesu, aber mochte sich selbst nicht hoch einschätzen, weil er die Gemeinde Christi verfolgt hatte (1.Kor 15,9). Erst gegen Ende seines Lebens sah er, dass doch ein hoher Lohn auf ihn wartete (2.Tim 4,8). Vorher hat er sich darüber nicht so optimistisch geäußert. Da er nicht an der Seite des sichtbaren Jesus leben konnte, blieb der Blick zunächst stark auf sich selbst gerichtet. Es lag allzu nahe, zunächst die Gebote Jesu zu halten, so wie er die mosaischen Gebote gehalten hatte, um sich des göttlichen Segens zu versichern (Werkgerechtigkeit). Die strengen Drohungen Jesu ließen ihm gar keine andere Wahl. Er erkannte aber allmählich, dass dieses Motiv unrein war, und das Gegenteil von dem, was Jesus wollte. Jesus wollte aufrichtige Liebe bei seinen Jüngern, echte Liebe, die freiwillig das Gute um seiner selbst willen tat. Eben das war Paulus nicht möglich und schon deshalb musste er am Gesetz verzweifeln (Rö 7).

In den Jahren der Stille, die auf seine Bekehrung folgten, wurde ihm aber klar, dass Jesus für ihn einen Ausweg aus dem Dilemma hatte und dass dieser Ausweg auch die Not mit dem Gesetz für die ganze Gemeinde ein für allemal vermeidbar machte.

Nun wird von manchen Theologen sehr viel Unsinn über Paulus geschrieben. Manche sind ja der Ansicht, dass der Gläubige grundsätzlich erst einmal am Gesetz verzweifeln muss, "um zur Gnade durchzudringen". Das ist Unsinn! Paulus war diese Not zuzumuten. Es war für ihn nicht ungerecht, denn er war für viel Leid und Not verantwortlich, die er durch Verfolgung über die Gemeinde gebracht hatte.

Wenn Gläubige am Gesetz verzweifeln, so ist dies unfair und ungerecht! Denn man hat sie zum christlichen Glauben eingeladen mit der Zusage, dass Jesus das Schuldproblem zuverlässig lösen würde. Wenn sie dann Christen werden, Christus nachfolgen wollen, aber sich ständig überfordert und unter Druck gesetzt sehen und in dieser Verzweiflung ihre Nerven verschleißen, dann werden sie sich zu Recht als betrogen betrachten. Die Verzweiflung am Gesetz ist schon deshalb ungerecht, weil sie fast immer die Falschen trifft (Sorgfaltsparadox).

Kein Christ muss dank der Erkenntnisse des Paulus mehr am Gesetz verzweifeln. Verzweifelt er doch, dann ist ihm durch unberufene Theologen falsche Lehre vermittelt worden.

Jesus machte Paulus klar, dass die Verdienstlogik nicht funktioniert und auch noch nie funktioniert hat, d.h. auch zu Zeiten des mosaischen Gesetzes nur eine fromme Illusion gewesen ist. Es ist eine Sünde, auch nur ein einziges Gesetz aus falschen Motiven zu erfüllen, beispielsweise um sich selbst vor der Strafe Gottes zu retten. Liebe ist das höchste Gebot und wer wirklich liebt, tut nichts aus Eigennutz (1.Kor 13,5). Wer das bei einem einzigen Gebot versucht, muss alle Gebote zufriedenstellend halten (Gal 5,3). Ausdrücklich spricht das mosaische Gesetz davon, dass "alle Gebote" ausnahmslos zu erfüllen sind (5.Mo 27,26). Nur dann wird die Verheißung wirksam. Paulus erkannte: schon die quantitative Erfüllung ist unmöglich, da Jesus Vollkommenheit fordert. Deshalb ist die Verheißung, die das Gesetz in Aussicht stellt, ein Bluff. Sie ist im Grunde genommen ein Todesurteil für jeden Menschen, da keiner es schafft, das Gesetz zufriedenstellend zu erfüllen. Wenn Gott dennoch im Alten Testament gesegnet hat, so war es reine Gnade. Gnade, die sehr oft als eigenes Verdienst missverstanden wurde.

Ein einziger hat das Gesetz erfüllt, das ist Jesus Christus (Jo 8,46). Und der Gläubige, der sich mit Jesus Christus verbindet, sich ihm anvertraut, dem wird all das, was Christus tat, zugerechnet (Rö 4,11 / Gal 3,6). Die Rechnung ist bezahlt: für gestern, heute und morgen.

Mit Christus verbunden sein, heißt aber, dem heiligen Geist, der jedem Gläubigen geschenkt wurde, Raum geben, die eigene Persönlichkeit durch Jesus Christus prägen zu lassen, bereit sein, sich von ihm zeigen zu lassen, wo man den Willen Gottes freiwillig, aus Überzeugung und aus uneigennütziger Liebe tun kann (Heiligung).

Diese Haltung stärkt die Glaubensgewissheit, die Gotteserkenntnis und die Glaubensfreude und die Verbundenheit mit anderen Christen.

Ohne die Worte Jesu von der Hölle hätte Paulus dieses neue Konzept niemals erkannt, sondern das neue Testament einfach im alttestamentlichen Sinne missverstanden.

Auch heute noch werden solche Missverständnisse in der Theologie gepflegt.

Manche Christen sind deshalb völlig unnötigerweise in die grauenhafte Angst hineingeraten, sie hätten die unvergebbare Sünde begangen. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass man aus dieser Angst durch einen "exakten Schriftbeweis" herausfindet, was so mancher Seelsorger aus eigener Erfahrung wissen dürfte. Solche Beweise - die unwiderlegbar sein müssen - sind angesichts der antinomischen Struktur der Bibel sehr problematisch.

Ein zuverlässiger Ausweg aber bietet die Erkenntnis der Persönlichkeit Jesu Christi, die das Vertrauen ermöglicht, dass es unmöglich ist, durch unüberlegte Worte versehentlich verlorenzugehen, weil diese Befürchtung einfach nicht zur Persönlichkeit Jesu Christi passt. Durch neues Vertrauen wird die kleine Flamme des heiligen Geistes, die man schon erstickt glaubte, wieder zu alter Stärke entfacht. (Über Details berichtet ausführlich der Aufsatz Der Sturz ins schwarze Loch)

Die undifferenzierte Irrtumslosigkeitsdoktrin der herkömmlichen bibeltreuen Theologie versperrt diesen einzigen Ausweg, da sie die kritische Distanz Jesu zu ethisch problematischen Textstellen ignoriert und damit eine widersprüchliche Persönlichkeit Gottes vermittelt, die nicht mehr als Maßstab dienen kann.

Im Mittelalter gar hat die Kirche die Menschen mit der Hölle ganz ungeniert eingeschüchtert und geängstigt, und ihnen damit ein gesetzliches Missverständnis der Worte Jesu aufgezwungen.

Vielen Menschen ist auf diese Weise das Vertrauen in einen liebevollen Gott restlos kaputt gemacht worden. Sie haben ihn nur noch als Zerrbild sehen können.

Es ist allzu billig, Kindern mit der Hölle zu drohen und sie durch Einschüchterung fromm zu machen. Die Hölle erinnert uns zwar daran, dass wir nicht unverbesserlich bleiben sollten, und dass es wichtig ist, noch zu Lebzeiten an das, was nach dem Tode kommen könnte, zu denken. Aber die Angst vor der Hölle ist kein erlaubtes Motiv, Jesus Christus nachzufolgen.

Jesus Christus hat seine Jünger befreit zur "herrlichen Freiheit der Kinder Gottes" (Jes 61,1 / 2.Kor 3,17). Diese Freiheit sollen sie sich nicht kaputtmachen lassen (Gal 2,4-5 / 5,1). Gott verabscheut sklavische Gesinnung und will keinen feigen Kadavergehorsam von Menschen, die ihn mit ihrer frommen Feigheit zum Tyrannen stempeln. Jesus hat Menschen "erlöst, die durch Furcht vor dem Tod im ganzen Leben Knechte sein mußten." (Hebr 2,15). Seine Ehre besteht in Menschen, die ihm freiwillig und gerne dienen, weil sie von der Qualität seiner Führung restlos überzeugt sind (Jo 6,67).

Statt diese Lösung zu ergreifen, hat die - unbiblische! - Angst vor der Hölle immer wieder Christen zu unbiblischen Scheinlösungen verführt.

Unter Evangelikalen kursiert z.B. immer noch die Lehre, dass ein Mensch, der sich einmal bekehrt habe, unmöglich verlorengehen könne. Sicher haben die Verheißungen Jesu ein gewaltiges Gewicht und werden sehr oft unterschätzt.

Doch die Lehre der Unverlierbarkeit des Heils ist Irrlehre - wenn auch allgemein akzeptiert und beliebt. Das Neue Testament warnt klar und deutlich davor, dass Gläubige unverbesserlich böse werden und damit ihr Heil gefährden. „Wenn ein Knecht im Stillen denkt: Ach was, mein Herr kommt noch lange nicht, und er fängt an, seine Mitarbeiter zu schlagen und Trinkgelage zu veranstalten, dann wird die Rückkehr des Herrn diesen Knecht völlig überraschen. Der Herr wird ihn in Stücke hauen lassen und ihm den Lohn geben, den die Heuchler verdienen. Er wird ihn hinausstoßen, dorthin, wo es nur Weinen und ohnmächtiges Jammern gibt“ (Mt 24, 49-51). Hier ist ein Christ gemeint, denn Ungläubige warten nicht auf den Herrn.

Auch der Gläubige, der keine Geduld mit seinem Schuldner hat, der die geschuldete Leistung zwar erbringen will, aber um Aufschub bittet, büßt am Ende die Vergebung seiner eigenen, großen Schuld ein. (Mt 18,23)

Wer seines Heils gewiss sein will, der sollte also beides tun, mit erbarmungslosem Verhalten unverzüglich aufhören und sich ansonsten ganz auf die Heilsverheißungen Jesu verlassen.

Es ist schon erstaunlich, wenn sich Christen "bibeltreu" nennen, und zugleich diese eindeutigen Bibeltexte nicht wahrhaben wollen.

Die wesentliche Aufgabe der Warnung vor der Hölle ist also, Gläubigen die Erkenntnis zu vermitteln, dass Heiligung, dass Leben in der Kraft Jesu nichts mit frommem Verdienst und frommem Eigennutz zu tun hat und von dieser Verfälschung rein gehalten werden muss. Nichtgläubigen ist die Warnung vor der Hölle ein Hinweis, dass mit dem Tode möglicherweise nicht alles aus ist, ein Impuls, der die übliche Gleichgültigkeit durchbrechen kann.

Nun entstehen im Zusammenhang mit dem Thema "Hölle" zahlreiche Fragen, die die Bibel nicht beantwortet, da sie sich oft auf nur einen wichtigen Punkt konzentriert (Fokussierungsstil). Was ist mit Menschen, die gar nichts vom Glauben wussten, oder nur sein Zerrbild kennengelernt haben? Was ist mit Menschen, die atheistisch oder einer anderen Religion erzogen wurden, und sich deshalb nie über Jesus Christus Gedanken gemacht haben? Was ist mit Menschen, die kein Gottvertrauen bilden konnten infolge schrecklicher Schicksalschläge?

Die Bibel sagt darüber nichts. Sie beschränkt sich auf Andeutungen. So hat Christus "gepredigt den Geistern im Gefängnis, die einst ungehorsam waren, als Gott wartete und Geduld hatte zur Zeit Noahs, als man die Arche baute" (1.Petr 3,19-20). Hier konnte offensichtlich auch eine Entscheidung für Christus nach dem Tode getroffen werden.

Wenn die Bibel andererseits sagt, dass "den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach komme aber das Gericht" (Hebr 9,27), so sagt sie hier wie andernorts, dass der Mensch diese wichtige Entscheidung nicht aufschieben und auf spätere Chancen spekulieren soll (Mt 5,25-26 / Mt 25,1 ff / Hebr 4,1 ff / 12,17)

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Inspirationsmodell

Kinder und geistig behinderte Menschen, die gläubig geworden sind, werden nur wenige zentrale hilfreiche Aussagen der Bibel berücksichtigen können. Man wird sie mit Problemstellen nicht behelligen. Auch gibt es viele Glaubensgeschwister, die dank einer ermutigenden Biographie ein starkes Urvertrauen haben und diese Stellen ignorieren können, ohne deshalb mulmige Gefühle zu bekommen. Der Schluss vom destruktiven Inhalt einer Textstelle auf einen möglicherweise destruktiven Verfasser kommt bei ihnen nicht zustande - ein großes Glück! Leider meinen sie nicht selten, dass sie ihre Biographie und Seele zum Maßstab für alle anderen machen können.

Es ist legitim, sich die Bibel zu vereinfachen und Problemstellen zu ignorieren - wenn man es kann. Es ist ja der direkte Weg zum Glauben, der Kindern und geistig Behinderten, sowie jedem Glaubensanfänger zur Verfügung steht. Menschen aber, die dank dieser Textstellen Angst vor Gott haben und kein Vertrauen bilden können, können diesen Weg nicht gehen. Sie brauchen eine glaubwürdige Antwort, den Beweis, dass bösartig erscheinende Textstellen nichts über den Charakter Gottes aussagen.

Somit braucht die Gemeinde zwei bibeltreue Inspirationsmodelle, ein schlichtes, das - wie eine Kinderbibel - ethische Problemstellen ignoriert (und deshalb zur Aussage kommt: „es gibt keine Fehler in der Bibel“) und eines, das diese Problemstellen im Sinne Jesu bearbeitet. Wenn jedem Gläubigen das Recht zugestanden wird, das Schriftverständnis zu wählen, das seinen Glauben optimal stärkt, dann ist jedem geholfen.

Leider sind viele Vertreter der Irrtumslosigkeitsdoktrin der Ansicht, dasses eine Alternative zu ihrem Schriftverständnis nicht geben darf. Es sei wichtiger, die pauschale Parole der „Fehlerfreiheit“ zur Verfügung zu haben, um liberale Bibelkritik besser abwehren zu können. Dass Gläubige deshalb zeitlebens in Depression und Glaubensverzweiflung leben müssen, nimmt man in Kauf.

Dabei ist die Beweislage für die Irrtumslosigkeitsdoktrin denkbar schlecht. Die bibeltreue "Übungstext"-Theologie entspricht dem biblischen und seelsorgerlichen Befund deutlich besser (Authentizität) und vermeidet Widersprüche in den sensiblen Bereichen Ethik und Pädagogik, d.h. gerade dort, wo sie besonders schädlich sind. Gleichwohl gibt es auch für die Übungstext-Theologie keinen exakten Beweis. Auch dieses Konzept hat Schwächen und unbeantwortete Fragen, sodass es nicht als Dogma taugt. Die Entscheidung für ein bestimmtes Modell bleibt eine Behauptung und ist damit eine Sache der persönlichen Gewissenentscheidung und Einschätzung. Möglich ist es allerdings, Vor- und Nachteile verschiedener Modelle zu vergleichen. Gemeinden, die ihre Gläubigen nicht manipulieren und bevormunden, werden erlauben, dass jeder sich ungehindert über beide Modelle in der Gemeinde informieren kann.

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Irrtumslosigkeit (inerrancy) der Bibel

Theologisches Dogma, das die Glaubwürdigkeit der Bibel von der Annahme abhängig macht, dass sie in jedem Satz vollständig fehlerfrei und irrtumslos ist. Im Detail wird sie in den sogenannten Chikago-Erklärungen zur Irrtumslosigkeit und zur Hermeneutik erläutert. Die zur Begründung angeführten "Schriftbeweise" zeigen, dass man das Phänomen des biblischen "Pauschal-Stils" sowie des "No-Comment-Stils" nicht versteht oder nicht anerkennt.

Die Irrtumslosigkeitsdoktrin ist aber ein erlaubtes Inspirationsmodell, wenn sie keinen Monopolanspruch erhebt und damit das Gewissen sorgfältig denkender Christen überfährt. Für kindlich denkende Gläubige ist es sehr wohl sinnvoll und erlaubt, sich auf die Informationen einer Kinderbibel zu beschränken (Kindlicher Zugang).

Doch kindlich denkende Gläubige gehören eigentlich nicht in die Gemeindeleitung, wenn unerlässliche Aufgaben der Gemeinde nicht unter den Tisch fallen sollen. In der Gemeindeleitung sollten deshalb immer einige Gläubige sein, die dem Aufruf des Paulus folgen und erwachsen denken können.

Wird dieser Aufruf von der Gemeindeleitung missachtet, dann ist sie der Verführung zum Amtsmissbrauch und Ungehorsam sehr stark ausgesetzt. Sehr häufig wird dann die Autorität der Heiligen Schrift gerade dort, wo sie besonders nötig ist, nämlich auf der Leitungsebene, geschwächt (Autoritätsbluff)

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Kanon

Unter "Kanon" verstehen Christen alle Schriften des Alten und Neuen Testaments, die Grundlage des christlichen Glaubens sind. Gott hat ihn als "Regisseur" auf eine für uns nicht immer nachvollziehbare Weise zusammengestellt und verantwortet ihn. Die ganze Heilge Schrift ist dem Menschen zum Zweck der "Besserung und zur Erziehung in der Gerechtigkeit gegeben." (2.Tim 3,16). Der Heilige Geist wirkt durch sie (Jo 6,63) und in ihnen ("Inspiration"). Dieser Auftrag verleiht der Schrift göttliche Autorität. Der Gläubige soll ihr vorbehaltlos vertrauen (Apg 24,14) und erfährt in diesem Vertrauen die Kraft Gottes (Joh 7,38). Der Sinn ihrer Aussagen darf nicht eigenmächtig verdreht oder verfälscht werden (2.Pe 3,16). Gott stellt sich zu den in ihr verkündeten Verheißungen und wird sie erfüllen (Hebr 6,17).

Die traditionell-bibeltreue Theologie hat hieraus den Schluss gezogen, dass jeder einzelne Satz des Kanons fehlerlos ist. Sie hat dabei die Tatsache vernachlässigt, dass Gott befugt ist, auch Meinung (1.Kor 7,12), Illusionen und Missverständnisse (Hes 43,18!) als Instrumente einzusetzen. Neben der reichlichen "Nahrung" hat er in seinem Wort auch kleine Mengen "Impfstoffe" mitgeliefert. Das ist durch den biblischen Befund bestens bezeugt.

Dass biblische Texte nicht gleichwertig sind, ist eine ebenfalls bestens bezeugte Tatsache (Polarität der Bibel)

Der Aufforderung "allem in der Schrift zu glauben" (Lk 24,25 / Apg 24,14) steht dem Befund nicht entgegen, da sie biblischem Pauschalstil entspricht.

Auch der Verweis Jesu auf die "Schrift, die nicht gebrochen werden kann" (Jo 10,35), entspricht diesem Stil, da offensichtlich Teile des Kanons verloren gegangen sind ( "Offenbarungslücke").

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Kindlicher Glaube

Obwohl der christliche Glaube aus der unbegrenzten Weisheit Gottes schöpft, können seine wichtigsten Gedanken von Kindern und von geistig Behinderten, die auf dem Niveaus eines Kindes geblieben sind, verstanden werden. Sie können deshalb vollwertige Mitglieder der christlichen Gemeinde werden. Um ein Leben mit Jesus zu beginnen, muss der Mensch unter sein früheres Leben einen Schlussstrich ziehen (2.Kor 5,17 / Phil 3,13): er darf sich weder durch seine religiöse und philosophische Prägung, noch durch Vorlieben und Befürchtungen am Hören auf das Wort Gottes hindern lassen.

Das gelingt Kindern am besten. Deswegen sagt Jesus auch: "wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen" (Lk 18,17). Jeder Mensch, auch der kluge und gebildete, empfängt bei seiner Bekehrung das Geschenk des kindlichen Vertrauens zu Gott, seinem Vater im Himmel (Rö 8,15). Neben dem Vertrauen wird er auch andere liebenswerte Eigenschaften entwickeln und vertiefen, in denen die Kinder uns Vorbild und Meister sind: im Heute leben und Vater für morgen sorgen lassen. Sich an kleinen Dingen freuen. Wieder lieb sein wollen. Sich nicht für wichtig halten. Sich etwas sagen lassen. Dem Mitmenschen Vertrauen schenken. Ein Problem nicht auf die lange Bank schieben ...

Wer zu diesem kindlich vertrauenden Verhalten gegenüber seinem Vater im Himmel gefunden hat, der braucht weiter nichts mehr für sich selbst und sollte sich nicht einreden lassen, dass diese kindliche Haltung nur ein Durchgangsstadium sei und die fromme Intellektualität etwas Höheres und Wertvolleres.

Das geistlich erwachsene Denken und Urteilen wird immer Distanz zum intellektuellen Hochmut und Dünkel halten, der auf schlichte Christen herabsieht. Gott gebraucht gerne kleine Leute zu großen Dingen (Laien-Bote). Wenn man geistliches Urteilsvermögen verbessern will, dann darf man über diese Boten Gottes keinesfalls hinwegsehen.

Wohl kaum eine Gemeinde kommt ohne das geistlich erwachsene Denken aus. Denn die befreiende Botschaft Jesu wird auch ohne bösen Willen ständig mit allzumenschlichen Fehleinschätzungen vermischt. Daneben verunreinigen auch unerkannt unreine Motive und Eigennutz, Aberglauben, Selbstüberschätzung und Trägheit das ursprünglich klare Evangelium.

Glaubensfreude und Vertrauen nehmen allmählich Schaden und so mancher Gläubige sieht wehmütig auf die schöne Zeit der Bekehrung zurück und kann sich gar nicht erklären, warum das kindliche Vertrauen ausgeblutet, die Liebe zu Jesus erkaltet und der Glaube zu einer langweiligen Gewohnheit geworden ist.

Wenn Fehleinschätzungen zu einer Glaubensdepression geführt haben, dann können sie nur durch ehrliche Beabachtung in Seelsorge und Bibelstudium (Authentizität) korrigiert werden.

Dann ist geistlich erwachsenes Denken und Urteilen gefordert, dass Paulus sich eigentlich von jedem Gläubigen erhofft. (Aufruf des Paulus).

Die Befürchtung, das kindliche Vertrauen könne durch ehrliches Fragen und Beobachten und widerspruchsfreies Denken verlorengehen, ist bereits eine gravierende Fehleinschätzung, die auch Unkennnis darüber verrät, worauf sich Glaubensgewissheit gründet (Gottesbeweise).

Christen, die ihr Urteilsvermögen mit Hilfe der Bibel üben, haben die Erfahrung gemacht: das anfangs blinde Vertrauen bleibt nicht immer blind. Plötzlich entsteht unerwartetes Verstehen, bessere Orientierung, größere Nähe zu Jesus Christus und damit auch neue Sicherheit (vgl. Wie entsteht Glaubensgewissheit?).

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Kindlicher Zugang

An sich gehört es zur Authentizität, dass der Gläubige sich Beobachtungen und Fakten nicht verschließt. Doch manche Erkenntnisse können sehr stark verunsichern, solange sie nicht richtig eingeordnet werden können. Die Bibel selbst hat den Zweck des Bibellesens klar beschrieben: "Das wesentliche Ziel aller Unterweisung ist Liebe aus reinem Herzen mit einem gutem Gewissen und ungeheucheltem Gottvertrauen." (1.Tim 1,5) Wenn Gläubige meinen, dass bibelkundliche Probleme sich hier eher störend auswirken, dann darf man es als legitim betrachten, wenn sie sich auf einfache Glaubenswahrheiten konzentrieren. Es muss einen kindlichen Zugang zum Glauben auch für Menschen geben, die durch bibelkundliche Probleme überfordert sind, ebenso wie für Kinder und geistig behinderte Christen.

Paulus hat zwar dazu aufgefordert, erwachsen zu denken, aber diesem Aufruf muss der Gläubige nicht folgen, wenn er darin keinen geistlichen Gewinn erkennen kann.

Anders ist es indes bei Gläubigen, die Verantwortung in Leitung und Lehre tragen. Sie tragen Verantwortung dafür, dass Gefahrenquellen in der Gemeinde unschädlich gemacht werden. Dazu gehört gerade auch das Missverstehen der Bibel aufgrund mangelhafter Information oder Manipulation. Gläubige mit dieser Verantwortung müssen dem Aufruf des Paulus gehorsam sein und erwachsen denken. Eine kindlich denkende Leitung ist nach der Bibel nicht akzeptabel: "Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, habe ich mein kindliches Verhalten abgelegt." (1.Kor 13,11). Der Gläubige hat die Verheißung, das Gott ihm die Weisheit geben will, die braucht (1.Kor 2,15 / Jak 1,5)

Ein wirkliches Problem ist hier die Tatsache, dass kindliche denkende Gläubige gerne eine kindliche denkende Leitung wählen und gar nicht bemerken, dass damit die Gefahr für einzelne Mitglieder, in der Gemeinde Schaden zu nehmen, größer wird.

Man erweist Gläubigen eine wahrhaft schlechten Dienst, wenn man ihnen weismacht, dass Gott von ihnen nur wenig Urteilsvermögen erwartet und desto mehr Vertrauen in die Theologenzunft. Es ist unweise, orientierungslos “mit Vollgas” zu fahren und wer weiß wo zu landen – bisweilen sogar in der Katastrophe. Wieviele Beispiele dafür gibt es in der Theologie- und Religionsgeschichte! Wieviele Christen haben dank einer frommen Propaganda, die über Widersprüche und Halbwahrheiten in der Gemeindelehre großzügig hinwegsah und sich das offene, ehrliche Wort verbat, die anfängliche Wertschätzung ihres Glaubens verloren.

Deshalb ist es sinnvoll, in der Gemeinde grundsätzlich zwei Inspirationsmodelle nebeneinander bekanntzumachen, eines das kindlichem Denken, und eines, das erwachsenem Denken entspricht.

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Kultur des Selbstbetrugs

Wenn Gläubige das Gebot, authentisch zu sein, nicht einsehen und nicht respektieren, dann blüht in der christlichen Gemeinde die Kultur des Selbstbetrugs.

Mangels Überzeugungskraft bemüht man sich dann, mit manipulativen Methoden Einfluss zu mehren oder neue Mitglieder zu werben.

Schwächen der eigenen Glaubensvorbilder oder der eigenen Theologie werden heruntergespielt oder abgestritten (siehe Volkskirche). Gläubige, die sich dem ungeschriebenen Gesetz der selektiven Wahrnehmung nicht anpassen, fallen unangenehm auf und sind nicht erwünscht.

Weil die ganze Wahrheit tabu ist, ist auch Selbsterkenntnis nur in eingeschränktem Maße möglich.

Deshalb bleiben falsche Motive unentdeckt und in ihrem Gefolge erscheinen auch wieder die typischen Illusionen der Werkgerechtigkeit.

Verletzt ein Bruder den anderen, so zeigt sich eine in dieser Weise geprägte Gemeinde eher gleichgültig, so dass eine Wiederherstellung des Geschädigten unterbleibt. Eine schiedsgerichtliche Klärung sollte wegen möglicher Interessenkollisionen nicht durch Gläubige geschehen, die Einkommen aus der Gemeinde beziehen. Da ihre Autorität dann neben die Autorität des gewählten Pfarrers treten würde, kommt es gar nicht selten vor, dass sich bibeltreue Pfarrer einer schiedsgerichtlichen Klärung entgegenstellen.

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Laien-Bote

Der heilige Geist wirkt, wo, wann, wie lange und in wem er will (Jo 3,8). Er beauftragt manchmal Menschen, die kein geistliches Amt haben und stattet sie mit geistlicher Autorität aus, um den theologischen "Profis" ins Gewissen zu reden.

Das Buch Amos bringt ein Beispiel für diese Autorität und für die Folgen ihrer Missachtung.

Amazja, der Priester in Bethel, ... sprach zu Amos: "Du Seher, hau ab und flieh ins Land Juda. Verdiene dir da dein Brot und weissage dort, was su willst. Aber in Bethel darfst du nicht mehr weissagen, denn es ist des Königs Heiligtum und der Tempel des Königreichs." Amos antwortete darauf: "Ich bin kein Prophet noch ein Prophetenjünger, sondern ich bin ein Hirte, der Maulbeeren züchtet. Aber der HERR rief mich fort von der Herde mit dem Auftrag: Geh hin und weissage meinem Volk Israel! So höre nun des HERRN Wort! Du hast gesagt: Hör auf, gegen Israel zu weissagen und dich zu ereifern! Der HERR sagt dir nun folgendes: Deine Frau wird in der Stadt zur Hure werden, und deine Söhne und Töchter sollen durchs Schwert fallen, und dein Acker soll mit der Meßschnur ausgeteilt werden. Du aber sollst in einem unreinen Lande sterben, und Israel soll aus seinem Lande vertrieben werden." (Amos 7,10-17)

Jesus erkennt theologische "Professionalität" grundsätzlich nicht an. Er verbot seinen Jüngern, sich "Lehrer" oder "Meister" nennen zu lassen. "Ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn einer ist euer Meister; ihr aber seid alle Brüder. Und ihr sollt niemanden unter euch Vater nennen auf Erden; denn einer ist euer Vater, der im Himmel ist. Und ihr sollt euch nicht Lehrer nennen lassen; denn einer ist euer Lehrer: Christus. Der größte unter euch soll euer Diener sein." (Mt 23,8-11).

In herkömmlich-bibeltreuen Institutionen hat dieses deutliche Gebot sehr oft nicht die geringste Bedeutung (Authoritätsbluff).

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Liberale Theologie

"liber" = "frei". Die liberale Theologie sieht sich an die wichtigten christlichen Lehrinhalte (imbesondere an die Heilstatsachen) nur noch teilweise oder gar nicht mehr gebunden. Jesus wird nicht als Gottessohn, Erlöser und Weltenrichter, sondern allenfalls als Lehrer gesehen, der moralische Anregungen vermittelt. Der biblische Text wird als Steinbruch für eine individualistische, sich an humanistischen Idealen orientierende Lebensphilosophie genutzt. Sie geht oft mit Wissenschaftsgläubigkeit einher.

Für Theologen wie Ernst Troeltsch war das "Mittel, das Kritik überhaupt erst möglich macht, die Anwendung der Analogie." (zit. in Armin Sierszyn, Die Bibel im Griff, Brockhaus 1987, S.23). Die eigenen Erlebnisse und Erfahrungen wurden in die Bibel "hineinprojiziert". Sie legten fest, was man überhaupt für möglich halten durfte. Damit wurde der Zweifel an allem Übernatürlichen, an Wundern und an der Erschaffung der Welt zu einer theologischen Mode, die mit wissenschaftlichem "Niveau" aufs engste verbunden schien. Typisch für die liberale Theologie ist auch der Versuch, echte und unechte Jesusworte zu unterscheiden. Typisch für Jesus war jedoch nicht das Traditionelle, sondern das Unerwartete, mit dem er die Theologen seiner Zeit zu provozieren pflegte. Wie soll dann vorhersehbar sein, wie Jesus hätte reden müssen? Die Behauptung, ein bestimmtes Jesuswort wäre unecht, ist von dem unzulässigen Wunsch, ein selbstkonstruiertes Jesus-Bild in das Neue Testament "hineinzuprojizieren" nicht zuverlässig zu unterscheiden.

Soll dieser Ansatz gelten, dann kann die heilige Schrift, in der Gott dem menschlichen Eigenwilen seinen heiligen Willen engegenstellt, keine große Autorität haben. Deshalb hat man sich der historisch-kritischen Methode bedient, um die Bibel als ein von Irrtümern strotzendes, zufällig zustandegekommenes Sammelsurium menschlicher Religiosität darzustellen. Soweit man aber sich auch Verlässlichkeit biblischer Zusagen wünscht, wird man sich bemühen, verlässliches Gotteswort in viel menschlichem Irrtum zu finden. Was Gottes Wort ist, bleibt aber spekulativ, solange kein zuverlässiges Abgrenzungskriterium von Gottes- und Menschenwort vorhanden ist.

Die traditionell-bibeltreue Theologie hat versucht, die Autorität der Schrift wiederherzustellen, indem sie die völlige Irrtumslosigkeit des biblischen Textes postuliert.

Ihre theologische Arbeit hat zwar ergeben, dass die Bibel weitaus zuverlässiger ist, als viele liberale Kritiker denken (vgl. unechte Antinomien. Insbesondere hat die Arbeit christlicher Naturwissenschaftler ergeben, dass der Glaube an einen intelligenten Schöpfer viele Beobachtungen weitaus besser erklärt als die Evolutionstheorie (Details siehe Studiengemeinschaft Wort und Wissen). Dennoch wird mit der Behauptung, die Bibel sei völlig irrtumslos, das Selbstzeugnis der Schrift ignoriert, dessen Ehescheidungserlaubnis sowohl von Maleachi als auch von Jesus korrigiert wurde. Da Maleachi diese selbständige Korrektur von jedem Gläubigen erwartete (Mal 2,16), ist der mosaische Text offensichtlich für jeden erkennbar mangelhaft und verbesserungsbedürftig - wie auch viele andere ethisch problematische Textstellen. Dass Jesus aufforderte, "den Propheten in allem zu glauben" (Lk 24,25) steht diesem Faktum nicht entgegen, da es sich hier um biblischen Pauschalstil handelt.

Auch diese Sicht der Bibel muss das Anliegen der Irrtumslosigkeitsdoktrin aufnehmen, dass eigenmächtige Kritik am Gotteswort und das "Ausbluten" der biblischen Autorität vermieden wird. Dies geschieht in der Tat, aber nicht durch die (leicht widerlegbare!) Behauptung völliger Fehlerlosigkeit, sondern indem Jesus Menschen, die in seiner Nachfolge stehen ("Jünger") zu Freunden und Brüdern erhebt, die alles an seinen Maßstäben (Mt 23,23) prüfen dürfen (vgl. Anker). Die Prüfung ist möglich, weil der vom Geist erfüllte Gläubige verstehen kann, was gerecht ist (1.Kor 2,15). Eben das sagt die Schrift auch an anderer Stelle, wenn sie ausdrücklich feststellt, dass jedes ihrer Worte "zur Gerechtigkeit erziehen" soll (2.Tim.3,16). Die mangelhaften Aussagen sind also Übungstexte, die der göttliche Regisseur der Bibel vorgegeben hat, damit der Gläubige, der sich einer geistlichen Disziplin befleißigt, an ihnen seine geistliche Urteilskraft bewähren und üben soll. Mit diesem Ansatz ist auch der kanonische Zusammenhang der Schrift gewahrt. Diese bibeltreue Übungstext-Theologie ist eng an die Weisung Christi und an die Nachfolge gebunden und keinesfalls "liberal", auch wenn sie manchmal von wenig informierten Gläubigen mit "liberaler Theologie" verwechselt wird.

Die Irrtumslosigkeitsdoktrin erscheint vielen als strengere, kompromisslosere, sichere Lösung. Das aber ist ein Irrtum. Es lässt sich leicht zeigen, dass die Irrtumslosigkeitsdoktrin die Missachtung göttlicher Autorität auf die Leitungsebene verlagert. Über den Ungehorsam der Leitung zu sprechen, wird dann zum Tabu. (Vermeintliche Bibeltreue). Die Irrtumslosigkeitsdoktrin ist in ihrer monopolistischen Form ein konservativer und fleischlicher-ideologischer, aber kein geistlicher Denkansatz.

Dennoch wird die Irrtumslosigkeitsdoktrin von vielen Gläubigen vorgezogen, die durch ungeklärte Fragen stark verunsichert worden sind. Die angelernten Ängste können so groß sein, dass man auch über sinnvolle Alternativen nicht mehr nachdenkt. Umso verlockender erscheint das Angebot, solchen Fragen durch Ignoranz und Denkverbote von vornherein ausweichen zu können.

Trotz Denkverboten und Unwissenheit kann der persönliche Glaube lebendig und kräftig sein. Die Bibel hält den Zugang zum Glauben für kindlich wie für erwachsen denkende Gläubige offen.

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Mündigkeit des Gläubigen

Die Mündigkeit des Gläubigen ist nicht zu verwechseln mit einer intellektuellen Mündigkeit im Sinne Immanuel Kants und seiner Epigonen, die ihren Verstand und Denkmöglichkeiten als letzte Autorität installieren (Autonomie).

Sie ist eine geistliche Tugend, die den Glauben an die Heilstatsachen voraussetzt, sich auf die Berufung zum Jünger und Freund Christi berufen darf und eng an die absoluten Maßstäbe Christi "Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Verlässlichkeit" (Mt 23,23) gebunden ist. Auf dieser Basis soll der Gläubige die ihm geschenkte Freiheit zum ehrlichen Beobachten (Authentizität) und Urteilen nutzen und ideologische Einflüsse sowie unredliche, manipulative Methoden abwehren.

Der geistliche gesinnte Gläubige hat das Recht, ausnahmslos ALLES zu prüfen (1.Kor 2,15 / 1.Thess 5,21), insbesondere auch, ob die Leitung sich bibelgemäß verhält (Gal 2,11 / 1.Tim 5,19) (Unreine Motive).

Geistlich gesinnt sein heißt, dass jedes Urteilen ausnahmslos in Dankbarkeit gegen Gott, in demütiger Erkenntnis der Anfälligkeit für eigenen Irrtum und im festen Vertrauen auf Gott, der die nötige Weisheit schenken will, geschieht (siehe ausführlicher unter Urteilsvermögen).

Wenn dem Gläubigen das Recht verwehrt wird, biblische Texte an den Maßstäben Jesu zu prüfen, so bleibt ihm ein tieferes Verstehen des Textes verschlossen, da diese Maßstäbe der Schlüssel der Schrift sind. Der Text verliert dadurch erheblich an Überzeugungskraft. Der Gläubige wird in die Rolle des unmündigen Zuhörers gedrängt, der die theologische Prägung und Meinung anderer blindgläubig zu übernehmen hat.

Dies begünstigt eine Kultur des Selbstbetrugs in der Gemeinde sowie Autoritätsanmaßung bzw. Amtsmissbrauch von Gläubigen, , die über den Glauben ihrer Mitchristen herrschen (2.Kor 1,24) und sie selbstherrlich nach ihrem eigenen religiösen Bilde formen wollen. Um solchen Tendenzen schon im Vorfeld entgegenzutreten, ist es sinnvoll, für die Gemeinde, sich über biblisches Recht zu informieren sowie eine bibelgemäße Gewissens- und Gefahrenordnung einzurichten.

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No-Comment-Stil der Bibel

Die Traditionell-bibeltreue Theologie setzt die Annahme voraus, dass Gott sich verpflichtet gesehen hat, minderwertige oder irrige Informationen eindeutig zu kennzeichnen.

Diese Annahme trifft nicht zu. Sie wird auch von entschiedenen Vertretern der Verbalinspiration im Detail gelegentlich ignoriert. Die Bibel enthält eine ganze Reihe von Textpassagen - ob als Bericht oder in direkter Rede, die keine derartige Kennzeichnung haben. Der Gläubige ist aufgerufen, sich dazu vom Evangelium her die nötigen Gedanken zu machen. Im Für und wieder der Argumente bildet sich dann erst eine angemessene Beurteilung heraus.

In der bekannten Studienbibel von C.I.Scofield, einem entschiedenen Vertreter der Verbalinspirationslehre (siehe seine Anmerkung zu 2.Tim. 3,16) wird das Buch Prediger unter das Thema "Das Denken des Menschen" gestellt. Scofield ist offensichtlich aufgefallen, dass hier der Blick über das eigene Geschick hinaus auf die unsichtbare Wirklichkeit, die den Glauben auszeichnet, fehlt, und dass deshalb Depression und Resignation die Stimmung des Textes bestimmen. Auch bei dem dünnen Resultat: "Fürchte Gott und danke ihn beim Essen und Trinken" (Pred 12,13) bleibt dieser Blick ganz auf sich selbst und die Gegenwart gerichtet.

Nichts könnte den Kontrast zu einer geistlichen Perspektive eindrücklicher aufzeigen als die Briefe Bonhoeffers aus dem Gefängnis (veröffentlicht unter dem Titel "Widerstand und Ergebung), in denen trotz der Todesgefahr, in der er sich befand, seine Gedanken und seine Liebe stets ganz bei seiner Familie, bei dem Volk Gottes und bei der Zukunft seines Vaterlandes sind. Das ist wirklich wunderbares Zeugnis dafür, wieviel Weisheit und Weitblick und wieviel Freude der Heilige Geist schenken kann.

Wenn auch Bonhoeffers Zeugnis auf neutestamentlichem Grunde steht, so ist es doch derselbe Heilige Geist, der damals auch Solomo Ähnliches im alttestamentlichen Rahmen gegeben hätte. Im Alter jedoch ist bei ihm von der Sehnsucht nach Weisheit nur noch wenig zu spüren. Es verdrießt ihn, dass das Bemühen um Weisheit ihm möglicherweise zuwenig Ehre einbringt (Pred.1,16). Die Freude darüber , damit anderen aus der Not zu helfen, taucht bei ihm nicht auf.

Für einen Menschen, den Gott einst mit dem Höchstmaß an Weisheit beschenkt hat (1.Kö 5,9 / 10,23), ist das sehr wenig. Hier drängt sich hier der Gedanke geradezu auf, dass hier große Gaben durch ein Leben im Ungehorsam verschleudert wurden. Salomo ließ sich von sexueller Gier bestimmen. Auch andere bibeltreue Ausleger wie August Daechsel haben sich von der mulmigen Frage bedrängt gesehen, inwieweit ein charakterlich so versumpfter Mensch, der nicht nur Frauen am laufenden Bande verbrauchte, sondern auch den Götzen seiner Favoritinnen opferte (1.Kö 11), überhaupt imstande sein konnte, unverfälschte Offenbarung weiterzugeben. Als das Hohelied verfasst wurde, hatte Salomo bereits 140 Frauen. Sulamith war Nummer 141. (siehe auch den Kommentar Dachsels zu Hohel.6,8-9; K. August Dächsel, Das Alte und Neue Testament mit in den Text geschalteter Auslegung, Band 3, 1.Chronik bis Hohelied Salomo, A.Deichertsche Verlagsbuchhandlung Nachf., Leipzig, 1898(4).)

Immerhin hat Paulus sehr deutlich auf den Zusammenhang zwischen sexueller Zügellosigkeit und der Unempfänglichkeit für geistliche Wahrheiten hingewiesen (Rö 1,21/ Eph 4,18)

In der Vorrede von Scofield findet sich der bemerkenswerte Satz: "Die Philosophie, die hier dargestellt wird, macht keinen Anspruch auf Offenbarung, aber die göttliche Inspiration gibt uns diesen Bericht zu unserer Belehrung über menschliches Denken." (C.I. Scofield (Hg.), Die Neue Scofield Bibel mit Erklärungen. Die Heilige Schrift nach der deutschen Übersetzung D. Martin Luthers. Mit Einleitungen, Erklärungen und Kettenangaben, New York 1967, Scofield, Fußnote zu 2.Tim 3,16.)

Somit sehen wir auch schon bei bedeutenden bibeltreuen Auslegern der "alten Schule", dass sie bei manchen biblischen Texten eher eine pädagogische Absicht Gottes, vermuten, die ihn einen mangelhaften Text an uns übermitteln ließ, als an die untadelige Qualität dieser Texte. Obwohl sie immerhin von einem Autor stammen, der drei biblische Bücher selbst verfasst hat!

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Offenbarungslücke

Wie manche biologischen Systeme auch bei Ausfall einzelner Komponenten weiter funktionieren können ("Redundanz"), so verkraftet die biblische Botschaft offensichtlich auch den Verlust oder die Beschädigung einzelner Textteile.

(a) Nicht auffindbare messianische Prophezeiungen.

Der biblische Befund zeigt, dass im Neuen Testament Prophezeiungen auf den Messias genannt werden, die im Alten Testament nirgends zu finden sind: so z.B. die Prophezeihung "er soll Nazarener heißen" (Mt 2,23). Manche Theologen behaupten, dass die in Jes.11,1 verwendete hebräische Vokabel "nezer" (="Spross") ein Hinweis auf die Stadt "Nazareth" sein soll. Das ist allerdings nicht anderes als staunenswerte theologische Akrobatik, die überhaupt nichts beweist. Soll man das wirklich im Ernst annehmen, dass der Evangelist Matthäus so argumentieren würde, um schriftkundige andersdenkende Juden von der messianischen Sendung Jesu zu überzeugen? Für die Verheißung "Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen" (Mt 2,15) findet sich ebenfalls kein brauchbarer alttestamentlicher Beleg. Es gibt zwar einen ähnlichen Satz in Hos 11,1, der sich aber eindeutig auf das sündigende (!) Volk Israel bezieht.

Dass solche Aussagen heute von manchen Christen immer noch als "Beweis" gesehen werden, ist eher ein Indiz für ihre Leichtgläubigkeit.

So gibt es in der Bibel ein seltsames Nebeneinander: genaueste Zitierung, wobei sogar zwischen Einzahl und Mehrzahl unterschieden wird (Gal 3,16), aber auch Zitierung von Stellen, die im Kanon gar nicht mehr vorhanden sind und offensichtlich verloren gegangen sein müssen.

(b) Die Bibel selber nennt verlorengegangene Texte

So erwähnt Paulus z.B. einen Brief, den er noch vor dem uns erhaltenen "ersten" Brief des Paulus an die Korinther schrieb (1.Kor 5,9) sowie auch den sogenannte "Tränenbrief" (2.Kor 2,4 / 7,8.9.12), der ebenfalls verlorengegangen ist. Auch das Alte Testament bezieht sich auf verlorengegangene Bücher, deren Bezug zur Inspiration allerdings in manchen Fällen unklar bleibt: das "Buch des Redlichen" (Jos 10,13 / 2.Sam 1,18 ). Nur auszugsweise wurde vermutlich berichtet aus der "Geschichte des Propheten Nathan", aus der "Geschichte des Sehers Gad" (1.Chr 29,29), aus der "Geschichte Schemajas und des Sehers von Iddo" (2.Chr.12,15). Der Seher von Iddo wusste noch mehr zu erzählen, aber wir erfahren davon nichts (2.Chr.13,22). Die Geschichten Jehus indes wurden vollständig in das Buch der Könige aufgenommen (2.Chr. 20,34). Über die Umkehr des Manasse berichtet ausführlich "die Geschichte der Seher" (2.Chr 33,19). Auch auf nichtjüdische Schriften wird verwiesen: über den Aufstieg des Mordechai berichten die "Chroniken der Könige von Medien und Persien" (Est 10,2).

(c) Die Bibel selber weist darauf hin, dass viele Informationen fehlen: "Es sind noch viele andere Dinge, die Jesus getan hat. Wenn aber eins nach dem andern aufgeschrieben werden sollte, so würde, meine ich, die Welt die Bücher nicht fassen, die zu schreiben wären." (Joh 21,25). Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass das, was Jesus sonst noch gesagt oder getan hat, weniger wichtig und weniger hilfreich gewesen wäre. Dennoch hat man die Berichte nicht uferlos werden lassen im Vertrauen darauf, dass der heilige Geist "in alle Wahrheit" leitet (Jo 16,13). Da wichtigte Fakten möglicherweise weggelassen worden sind, ist der theologische "Beweis aus dem Schweigen" (argumentum e silentio) äußerst problematisch.

(d) Abgeschlossene Offenbarung bei Paulus: Ergänzung durch persönliche Meinung

Mit Paulus stößt zu den Jüngern Jesu erstmals ein biblischer Autor hinzu, der Theologe ist. Aus gutem Grund hat Jesus keine Theologen unter seinen zwölf Aposteln berufen: Während Theologen ihre Tradition und überlieferten Denkmuster mitbringen, und damit die Gefahr, dass sich Zeugnis und menschliche Interpretation vermischen, wählte Jesus Menschen ohne theologische Bildung, die "unbeschriebene Blätter" waren.

Paulus hat nicht an der Seite Jesu die Jüngerschaftsschule durchlaufen wie die Zwölf, ist aber dem auferstandenen Jesus begegnet und hat später noch einmal eine Offenbarung durch Jesus empfangen (Gal 1,11-12). Es mag sein, dass diese Offenbarung stattfand, als er unversehens "in den dritten Himmel" versetzt wurde (2.Kor 12,2), aus dem er dann aber zurückkehrte. Diese Offenbarung war irgendwann abgeschlossen und es war Paulus auch nicht möglich, sich weitere Fragen, die er hatte, durch Jesus beantworten zu lassen, sodaß er die Lücken mit seiner Meinung schließen musste (1.Kor 7,12 / Phil 3,15). Auch in der sehr wichtigen Frage, ob man sich vom ungläubigen Partner scheiden lassen soll, kann er nur seine Meinung äußern, die er nicht allgemein verbindlich machen kann (1.Kor 7,12). Zugegeben: Begegnungen der "übernatürlichen Art" hatte Paulus wohl sein ganzes Leben lang. Noch auf der letzten Missionsreise erschien ihm ein Engel, der ihm aber keine theologische Offenbarung, sondern nur Trost in seiner augenblicklichen Lage übermittelte (Apg 27,23-24).

Paulus hat ebenfalls wie die Jünger seine Verpflichtung gesehen, keinen anderen Christus und kein anderes Evangelium (Gal 6,1) zu verkündigen, womit er sich der Strafe Gottes ausgesetzt hätte. Dennoch muss er die Lücken, die die empfangene Offenbarung gelassen hat, mit seiner theologischen Einschätzung (Meinung) schließen. Eine Meinung ist ein Standpunkt, der nicht allgemein verbindlich gemacht werden kann, sondern in Konkurrenz mit anderen Meinungen und Begründungen tritt. Es ist sehr gut möglich, dass Paulus seine Meinung gar nicht überall als solche gekennzeichnet hat, entweder weil die Briefempfänger bereits wussten, dass es seine Meinung war, oder weil für ihn in seiner Sicht "die Sache so sonnenklar" war, er es schlicht und einfach für überflüssig hielt, zwischen Meinung und Offenbarung zu differenzieren.

Dabei kommt er auch zu kulturell bedingten Einschätzungen, die er in der gegeben Situation als das einzig Richtige erkannt hat. Manche Gläubige können aber heute manchmal aus Gewissengründen (!) nicht zustimmen. Sie müssen es auch nicht, wenn sie ihre abweichende Meinung, mit Hilfe der Maßstäbe Christi gut begründen können. Dieses Abwägen ist vom göttlichen Regisseur der Bibel zur Stärkung des Urteilsvermögens erwünscht und nicht etwa ein Qualitätsmangel der Bibel.

Paulus hat die sklavische Bindung an den Buchstaben des mosaischen Gesetzes abgelehnt und war weit entfernt davon, diese Sklaverei durch eine neue Sklaverei gegenüber dem Buchstaben seiner Briefe zu ersetzen. Auch hier gilt die Erkenntnis, die ihm Gott schenkte: "der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig!" (2.Kor 3,16)

Sehen wir uns deshalb einige problematische Äußerungen des Paulus im Detail an:

So ist Paulus der Ansicht, dass junge Witwen, die ein Keuschheitsgelübde abgelegt und doch wieder geheiratet haben, unter dem "Gericht" (grie: krima) stehen, mit dem, was er andernorts über die Freiheit vom Buchstaben (2.Kor 3,6) und vom Gesetz (Rö 7,6) gesagt hat, unvereinbar. Das Gelübde ist nach Erkenntnis der Paulus höchst unvernünftig und überflüssig, genauso das im Alten Testament erwähnten tragische Gelübde des Jephtha (Ri 11,31 ff.) und darf doch nicht aufgelöst werden? Das widerspricht deutlich dem Maßstab Christi, der Barmherzigkeit. Die erzwungene Erfüllung dient keinem anderen Zweck als der Unterwerfung unter den Buchstaben, eine Unterwerfung, die an der Liebe Gottes zweifeln lässt und leicht vermeidbar wäre. Evangelikale Theologen sind hier sicherlich in größerer Übereinstimmung mit dem Evangelium, wenn sie feststellen, dass der Gläubige Eigentum seines Herrn geworden ist (Rö 8,9) und daher "das, was dem Herrn gehört, nicht noch einmal geloben kann" (s.Rienecker, Fritz (Hg), Lexikon zur Bibel, 1976, Stichwort "Gelübde"). Hier leistet Paulus wenig, obwohl die Frage des Gelübdes lebenswichtig sein kann. Wie sehr sich Menschen damit herumquälen können, die in jugendlichem Überschwang gelobt haben, unverheiratet zu bleiben oder als Missionar hinauszuziehen und damit völlig überfordert sind, ist so manchem Seelsorger bekannt.

Warum hat Paulus das nicht erkannt? Oder hat er es erkannt, aber hat sich hier - wie auch andernorts - wieder sehr missverständlich und ungeschickt ausdrückt?

Weiter fallen bei Paulus große Mängel in der Darstellung auf. Petrus weist darauf hin, dass Paulus seine Zuhörer schnell einmal "abgehängt" hat und deshalb nicht leicht zu verstehen war (2.Pe 3,16). Wie könnte er sonst sagen: „Die Kreter sind IMMER Lügner, böse Tiere und faule Bäuche. Dieses Zeugnis ist wahr“ (Tit 1,12-13).

Wie soll man das verstehen? Ist es deswegen grundsätzlich ratsam, keine Verträge mit Menschen zu schließen, die aus Kreta kommen? Sollte man das sicherheitshalber auf Reiseprospekte für Kreta drucken, damit die ahnungslosen Touristen gewarnt sind? Wenn die Berichte über den griechischen Philosophen Epimenides (600 VOR Christus!) verloren gegangen wären, dann wüsste niemand, dass Paulus hier auf ein logisches Paradoxon anspielt. Er hat sich wohl darüber mit Timotheus schon vor Abfassung des Briefes unterhalten. Die Leser aber, die den Inhalt dieses Gesprächs nicht kennen, können aus dem sprunghaften Gedankengang völlig falsche Schlüsse ziehen.

Auch sind manche Sätze, in denen er cholerisch "lospoltert" noch nicht einmal Meinung, sondern überflüssig und wenig hilfreich: so seine Empfehlung, Frauen, die ihr Haupt nicht bedecken, einfach kahl zu scheren (1.Kor 11,6). Hierin nehmen Moslems, die die Ehre der Frau schützen wollen, zu Recht Anstoß. Ähnlich hilfreich ist auch die Bemerkung, Vertreter der Beschneidung sollten sich doch endlich kastrieren lassen (Gal 5,12). Solche Sätze lassen sich leicht als Aufforderung zu religiöser Gewalt missverstehen, sind aber so nicht gemeint! Jesus gebraucht gegenüber den Pharisäern zwar starke Worte wie "Schlangen, getünchte Gräber, Heuchler" (Mt 23). Solche ironischen Ausbrüche kann man sich indes bei ihm schwerlich vorstellen.

"Sonnenklar" war für Paulus auch, dass die Frau in der Gemeinde zu schweigen hatte und den Mann nicht belehren durfte. Er hat damit damals ganz der jüdischen Kultur entsprochen, die ihn und die Urgemeinde geprägt hatte. Er hat diese Kultur für etwas ewig dauerndes, für eine gottgegebene Ordnung gehalten, obwohl die Schweigepflicht der Frau ihm sehr wahrscheinlich nicht offenbart worden war. Diese Einschätzung hat er durch die Bibel gestätigt gesehen: "Denn Adam wurde zuerst gemacht, danach Eva. Und Adam wurde nicht verführt, sondern seine Frau hat sich zur Sünde verführen lassen." (1.Tim 2,13-14). In der Tat so war es: der Satan verführte zuerst die Frau.

Doch Jesus hätte ihm diese dünne Begründung niemals angeboten. Es stimmt einfach nicht, dass die Frau für Sünde und Verführung anfälliger als der Mann ist. Tatsache ist: Fast alle großen Verführer, Irrlehrer und Begründer von Ideologien sind nachweislich Männer gewesen. Frauen haben sich hier vergleichsweise selten betätigt. Der fromme Jude sah sich allerdings durch die Attaktivität von Frauen immer wieder zu sündligem Begehren verführt. Daran muss aber nicht die Frau schuld sein.

Die Frau ist auch nicht dümmer als der Mann, dass sie nur Fragen stellen (1.Kor 14,35) und sich belehren lassen müsste. In der jüdischen Kultur hat ihr Wort einfach wenig gegolten und sie war vor Gericht auch nicht als Zeuge zugelassen (Quelle: Henri Daniel-Roops, Die Umwelt Jesu. Der Alltag in Palästina vor 2000 Jahren, o.O., 1963, S.169).

Ganz anders Jesus: er hatte Frauen zu Zeugen des wichtigsten geschichtlichen Ereignisses gemacht. Sie ließ sie die Auferstehung bezeugen, während die Männer es noch bezweifelten (Mt 28,1). Auch dürften vielen Gläubigen Frauen aufgefallen sein, die viel sachlichkundiger und verständiger über biblische Texte urteilten als viele ihrer ideologisch verbohrten männlichen Kollegen.

Es gibt einen nachvollziehbaren Grund dafür, dass sich Satan zuerst an die Frau richtete. Er wusste, dass der Mann nicht auf seine Frau verzichten möchte und deshalb für sie Partei ergreifen wird und dass er auf diese Weise den Mann viel leichter bekommt, als wenn er mit ihm eine theologische Diskussion beginnt.

Diese Zusammenhänge lassen sich immer wieder beobachten und Paulus selbst weist zur Bekräftigung seiner Ansicht auf eine beobachtbare Tatsache hin: "ist das Wort Gottes von euch ausgegangen? Oder ist's allein zu euch gekommen?" (1.Kor 14,36). Wenn das ein Argument ist, dann dürfen auch andere Beobachtungen genannt werden.

Dass Paulus nun seine Meinung zum Schweigen der Frau ein "Gebot des Herrn" (1.Kor 14,37) nennt, muss nicht darauf zurückzuführen sein, dass er es in seiner speziellen Offenbarung gezeigt bekommen hat. Er kann es auch deshalb ein "Gebot des Herrn" genannt haben, weil er im biblischen Text einen Hinweis darauf sah. Er erkannte hier wohl nicht, dass er ganz von der jüdischen Tradition her dachte, die ihn geprägt hatte und in der die Frau weit hinter den Mann zurückgesetzt wurde. Vielleicht hat es in der Gemeinde auch Vorkommnisse gegeben, die sein Gefühl für Anstand und Ordnung verletzt hatten, sodass er sich hier einer gewissen Schärfe bedient.

Einen sicheren Beweis gibt es für diese Einschätzung natürlich nicht, weshalb manche Gläubige befürchten werden, sich mit der Zulassung der Frauenordination doch gegen ein göttliches Gebot zu versündigen. Das ist zu akzeptieren, denn das engere Gewissen ist ebenso zu schützen wie das weniger enge (1.Kor 8,12). Folglich werden sich bibelgläubige Christen ihrem Gewissen entsprechend zu unabhängigen Gemeinden zusammenfinden.

Etliche traditionell-bibeltreue Theologen betrachten die Ablehnung der Frauenordination als "Seismograph", ob eine Gemeinde es mit der Bibeltreue wirklich ernstmeint. Dabei haben sie überhaupt keine Probleme damit, klare Anweisungen des Neuen Testamentes, die die Leitungsebene betreffen, zu ignorieren: so fällt die Einrichtung bibelgemäßer Autoritätsstrukturen und eines gemeindeinternen Schiedsgerichts stillschweigend unter den Tisch. Warum nimmt man es dann mit der Frauenordination so genau? Man hält sich damit 50% der Berufskonkurrenz vom Leib, was den Arbeitsmarktchancen der männlichen Kollegen zugute kommt!

Warum aber hat Gott theologische Meinung in der Bibel zugelassen und nicht alles absolut verbindlich offenbart? Die notwendige Folge ist, dass sich eher kleine Gemeinden als Gewissensgemeinschaft bilden. Ein ähnlich intensiver Konsens ist für eine Großgemeinde oder gar Mega-Gemeinde utopisch. Hier darf man eher mit einem Konsens in der Meinung rechnen, dass der theologische Konsens weitgehend überflüssig ist. Regelmäßig wird in Großgemeinden der Blick für den einzelnen, verbindliche Seelsorge und Gemeidezucht sehr schwierig, mannigfaltige finanzielle Abhängigkeiten entstehen und die Predigt neigt dazu, sich dem religiösen Massengeschmack anzupassen. Somit erscheint die Strategie, kleinere Glaubensgemeinschaften zu bilden, die miteinander kooperieren können, als sehr sinnvoll.

(e) Abgeschlossene Offenbarung bei Paulus: begrenzter Weitblick

Die Anweisungen des Paulus zur Sklaverei wurden nach der Krönung des ersten christlichen Kaisers eine Prüfung für die christliche Gemeinde, an der sie kläglich gescheitert ist. Erst 14 Jahrhunderte später (!) haben Christen die Abschaffung der Sklaverei gegen den Willen ihrer buchstabenhörigen Mitgläubigen (!) erkämpft, die sich immer darauf beriefen, dass Paulus von den Sklaven Gehorsam gefordert hatte.

Der Grund für den Rat des Paulus war aber einzig die Tatsache, dass das Evangelium nicht in blutige Sklavenaufstände verwickelt wurde und deshalb auch in höchsten Kreisen Menschen überzeugen konnte. Dieser Grund entfiel, als mit Kaiser Konstantin der erste christliche Regent an die Macht kam.

Leider enthalten die Paulusbriefe keinen Ausblick auf dieses in naher Zukunft liegende Ereignis (schon ca. 300 nach Chr.!). Hier wäre die Möglichkeit gewesen, die Sklaverei abzuschaffen. Kaiser Konstantin ließ sich ja häufig von gläubigen Christen beraten.

Hätte in den Briefen des Paulus der Satz gestanden: "Liebe Sklaven, es wird einmal christlicher Kaiser über das römische Weltreich herrschen und dann soll eure Sklaverei zu Ende sein", dann hätte sich die gesamte Christenheit an diese Worte gebunden gefühlt. Und welchen Trost hätte dieser Ausblick den Sklaven gegeben! (Auch die in Ägypten versklavten Israeliten mussten 400 Jahre auf die Befreiung warten...)

Hier sieht man also eine sehr tragische Auslassung bzw. eine deutliche Begrenzung der Schau. Paulus wusste nicht, dass seine Briefe einst für alle Gemeinden auf der ganzen Welt in einer 2000-jährigen Geschichte Glaubensgrundlage sein würden. Genauso wie die zwölf Apostel (Lk 9,27) rechnete er mit dem baldigen Kommen Christi, das unmittelbar bevorstand. Man darf deshalb sicher sein, dass die Schreiber der Bibel apologetische Bedürfnisse, die im Zusammenhang mit der Aufklärung und der historisch-kritischen Methode entstanden, weder gekannt noch berücksichtigt haben.

Sowohl aus Meinungen als auch aus der begrenzten Gültigkeit von Empfehlungen in der Bibel kann der Gläubige geistlich nützliche und den Glauben stärkende Lehren ziehen, wenn ihm nicht verwehrt wird, "alles zu prüfen" (1.Thes 5,21) - mit Hilfe der Autorität der Maßstäbe Jesu.

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Qualitätsmaßstäbe Christi

Die Qualitätsmaßtäbe Jesu Christi sind "Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Verlässlichkeit" (Mt 23,23). Ebenso wie das Liebesgebot haben sie höchste Priorität (Mt 23,23). Alle anderen Aussagen zur Ethik müssen deshalb in ihrem Sinn gedeutet werden. "Jeder Gedanke ist gefangenzunehmen unter den Gehorsam Christi" (2.Kor 10,5). Bei Übungstexten gibt es aber keinen Deutungsspielraum, sondern nur die Möglichkeit des Widerspruchs. Dieser ist beabsichtigt und erwünscht: der Gläubige soll eine Relativierung der Maßstäbe Christi nicht zulassen, sondern geistliche Mündigkeit gegenüber dem Buchstaben beweisen und derartige Bibelstellen durch eine Lösung im Sinne Jesu ersetzen. Die traditionell-bibeltreue Theologie schränkt die absolute Priorität dieser Maßstäbe leider wieder teilweise ein. Dies hat erhebliche Gefahren für den einzelnen Gläubigen und für die Gemeinde zur Folge.

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Pauschalstil

Betonung einer Aussage, indem sie so entschieden formuliert wird, als ob es keine Ausnahme gäbe. Ausnahmen werden dann andernorts genannt oder sind offensichtlich.

Wer den "Pauschal-Stil" der Bibel nicht kennt, der wird immer wieder einmal falsche Schlüsse ziehen bzw. Widersprüche sehen, wo keine vorhanden sind. Die traditionell bibeltreue Theologie begründet z.B. ihre Behauptung einer ausnahmslos fehlerlosen Bibel damit, dass Jesus seine Jünger aufgefordert hatte, "ALLES zu glauben, was die Propheten geredet haben," (Lk 24,25).

Wenn Jesus Pauschal-Stil gebraucht, überzeugt dieses Argument nicht. Man darf durchaus annehmen, dass Jesus bei seiner Rede die möglichen Fehlinterpretationen liberaler Kritiker im 19.-21.Jht. nicht berücksichtigt hat. Auch wenn Worte wie NIEMAND, ALLE, JEDER verwendet werden, können dennoch einzelne Ausnahmen möglich sein (1.Kor 12,3 - aber Mt 7,21 / Mt 5,34 - aber 1.Thess 2,5 / 1.Kor 2,15 - aber Rö 11,33. Ein ähnlicher Irrtum war nach dem Apostelkonvent (Apg 15, 5 ff) die Argumentation mit der „ewigen“ Gültigkeit bestimmter mosaischer Gesetze 2.Mo 27,21 / 29,9 / 31,16 / 3.Mo 6,6). Mam kann das direkt sehen. Obwohl Jesus gesagt hatte, dass in Jerusalem KEIN Stein auf dem anderen bleiben sollte (Lk 19,41-44), ist eine komplette Tempelmauer, die heute als Denkmal dient, erhalten geblieben: die Klagemauer: 48Meter lang und 19 Meter hoch.

Ebenso lässt sich zeigen, dass die strengen Verbote des Schwörens und des negativen Redens über einen Mitmenschen in der Bergpredigt (Mt 5,21 ff) zum Zweck der Vorbeugung überspitzt formuliert sind, als ob Ausnahmen undenkbar wären. Andernorts in der Schrift finden wir aber durchaus Ausnahmen. Wenn der Anlass wichtig genug war, hat Paulus selbstverständlich Eidesformeln verwendet ( „Gott ist mein Zeuge“: Rö 1,9 / 2.Kor 1,23, Phil 1,8 / 1.Thess 2,5). Sowohl Jesus wie Paulus haben Verfälscher des Evangeliums beschimpft: (Mt 23, 13 "Heuchler, V.33: "Giftschlangen und Otternbrut", Mt 23,27: "getünchte Gräber", Apg 23,3: "getünchte Wand", Phil 3,2: "böse Arbeiter", "Hunde"). Wer den "Pauschal-Stil" nicht kennt, sieht leider sehr oft Widersprüche dort, wo gar keine vorhanden sind.

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Polarität der Bibel (Prioritäten-Logik)

Biblische Aussagen sind nicht gleichwertig. a) Es gibt eine historisch-zeitliche Rangfolge: was später gesagt wurde, wiegt mehr als das, was früher galt.
b) Der Inhalt ist grundsätzlich wichtiger als die Form (Rö 2).
c) Was mit den Qualitätsmaßstäben Christi und dem Liebesgebot übereinstimmt, gilt unmittelbar. Was nicht mit ihnen übereinstimmt, muss im Sinne dieser Maßstäbe selbständig korrigiert werden (Mündigkeit des Christen).
d) Dann macht die Bibel noch eine Unterscheidung zwischen Milch und fester Speise: man kann Gläubigen, die im geistlichen Wachstum fortgeschritten sind, nicht nur mit Milch, d.h. einfachen, grundlegenden Glaubenswahrheiten versorgen, wenn man Stagnation im Wachstum vermeiden will (1.Kor 3,6 / Hebr 5,12+14). Zur festen Speise gehören auch Übungstexte, mit deren Hilfe der Gläubige Urteilsvermögen trainieren soll.

Der unterschiedliche Rang biblischer Texte wird auch dadurch deutlich, dass die Bibel nicht so übersetzt wird, wie man üblicherweise ein Buch übersetzt, vom Anfang bis zum Ende. Ich möchte behaupten: es gibt keinen einzigen Bibelübersetzer, der mit der Genesis anfangen und mit der Offenbarung abschließen würde. Alle Bibelübersetzer, die einer bisher unerschlossenen Sprache die Bibel bringen, werden zuerst ein Evangelium übersetzen. Denn es ist völlig klar, wo der Kern der Botschaft (Anker)zu finden ist. Nicht ohne Grund verwendet man die Bezeichnung "Evangelium" (= gute Nachricht) auch für die gesamte Bibel. Später wird Stück für Stück das ganze NT übersetzt, wobei man sicherlich nicht der Reihenfolge Inhaltsverzeichnisses einer Vollbibel folgen wird. Für diese Arbeit braucht man sehr viel Zeit. Unter ungünstigen Umständen kann es länger als ein Jahrzehnt dauern. Hat man dann noch Zeit und Kraft, und ist nicht die Arbeit an einer neuen Sprache oder einem benachbarten Dialekt dringender geworden, wird man mit dem AT beginnen und auch dort muss man wieder Prioritäten setzen. Eine vergleichsweise geringe Priorität werden sicherlich das Buch Esther, die Sprüche Salomos oder das Hohelied haben.

Es gibt also eine ziemlich klare Rangfolge biblischer Bücher und innerhalb der einzelnen Bücher eine nachvollziehbare Rangfolge der Aussagen..

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Projektion

Allgemein: Übertragung von Idealen in einen Bereich, in dem sie nur beschränkt oder gar nicht Gültigkeit haben, was häufig zu gravierenden Irrtümern und Zerrbildern führt. Sowohl die liberale Theologie als auch die traditionell-bibeltreue Theologie kränkeln an den für sie typischen Projektionen.

In der liberalen Theologie wird zum einen häufig der allgemein-menschliche Erfahrungshorizont in die Bibel hineinprojiziert (Ernst Troeltsch: "Analogie"). Da die meisten Menschen keine Wunder erleben, keine Engelerscheinungen und Offenbarungen haben und bei der Erschaffung der Welt nicht dabei waren, werden all diese Ereignisse für schlichtweg unmöglich gehalten und nur als Sinnbild für Ereignisse gedeutet, die innerhalb des allgemein-menschlichen Erfahrungshorizontes bekannt sind. Eine Banalisierung der biblischen Botschaft ist dann unvermeidlich.

Als eigentlich Außerordentliches bleibt das religiöse Gefühlserlebnis, dass durch die Kunst des religiös Beamteten, fromme Illusionen zu erzeugen, ausgelöst werden kann und das für die Dauer dieses Erlebnisses Menschen zu einer "Gemeinschaft" verbindet, sowie das Rezitieren und Beschwören von wichtigen Werten wie Mitmenschlichkeit, Frieden, Toleranz, die aber nur als Bedürfnis artikuliert und nicht mit der göttlichen Autorität Jesu begründet werden können.

Eine weitere typische Eigenschaft liberaler Theologie ist die Projektion eines Jesus-Bildes, das den eigenen Wunschvorstellungen entspricht, in das neue Testament. Jesus-Worte, die diesem Bild nicht entsprechen, werden als "unecht" abqualifiziert.

Eine solche Unterscheidung ist aber niemals zuverlässig, da die Provokation, das Unerwartete für die Auseinandersetzung Jesu mit der Theologie seiner Zeit typisch war.

Wer sich Jesus als seinem auferstandenen Herrn und Gott anvertraut hat, kann den Versuch, sich einem selbstgeschaffenes Gottesbild (vgl. 2.Mo 20,3-4) zu unterwerfen, nur als grobe Sünde ansehen. Deswegen wird er auch bei Jesus-Worten, die schwerverdaulich und missverständlich sind, eher Gottes Wirken unterstellen und nach dem konstruktiven Sinn suchen, der sich an die höchsten Maßstäbe Christi anlehnen wird.

In der traditionell-bibeltreuen Theologie werden philosophische Vollkommenheitsideale auf Personen oder Schriften übertragen, deren göttliche Autorität erkannt oder anerkannt wird. Hier handelt es sich um eine Vereinfachung, die durch genaueres Bibellesen korrigiert werden sollte. Auch wenn davon die Rede ist, dass Gott allwissend ist und nichts vor ihm verborgen ist (Ps 139!), so heißt es doch von Jesus, dass er die Stunde der Wiederkunft und des Endgerichts selbst nicht kannte, sondern "nur der Vater" (Mt 24,36). Auch heißt es in Hebr 5,8: "So hat er, obwohl er Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt." (Hebr 5,8) Dies bedeutete nicht, dass der Sohn Gottes sündigte (Jo 8,46), sondern es bedeutet sehr wahrscheinlich, dass er die Notwendigkeit seines Leidenswegs erst in einem bestimmten Alter erkannte. Diese Details zeigen uns, dass die einfache Projektion der Eigenschaften Gottes auf die Eigenschaften seines Sohnes Jesus von der Bibel nicht unterstützt wird. Auch wenn Gott, der Vater, allwissend ist, muss es Jesus sein Sohn, solange er auf Erden lebte, nicht sein.

Die Ehrfurcht vor dem Wort Gottes gebietet, dass wir philosophisch-logische Schlüsse nicht über das Zeugnis der Schrift stellen. Wir verstehen es nicht, aber brauchen es auch nicht verstehen. Es genügt, dass wir verstehen, dass unser Denken im göttlichen Verantwortungsbereich mangelhaft ist.

Die traditionell-bibeltreue Theologie macht den Fehler, dass sie die vollkommenen Eigenschaften Gottes ("sündlos", "fehlerlos" ) unbesehen auf sein göttliches Wort bezieht und daraus die Irrtumslosigkeit der Bibel folgert. Irrtumslosigkeit ist aber genauso wie Allwissenheit ein göttliches Konzept, das zum göttlichen Verantwortungsbereich gehört, d.h. zu einem Bereich, in dem der Mensch nur Dilettant ist. Die Möglichkeit ist daher sehr groß, dass der Mensch sich hier in wichtigen Punkten irrt und sich ein schiefes Bild macht. Um so wichtiger ist es, den ganzen biblischen Befund (siehe besonders die biblischen Eigenschaften der Polarität der Bibel, des Pauschalstils und der Authorisierung ) einschließlich des seelsorgerlichen Befundes zu würdigen, anstatt ihn zu ignorieren, um sich allein auf eine naive philosophisch-logische Projektion zu verlassen.

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Propaganda

Die Propaganda liefert der Öffentlichkeit Denkmuster und Sprachregelungen, die die Wahrnehmung der Wirklichkeit behindern oder unmöglich machen sollen.

Sehr bekanntes Beipiel: Zu Zeiten der DDR wurde die Mauer als "antifaschistischer Schutzwall" deklariert, der das "Arbeiter und Bauernparadies" vor der "imperialistischen Agression" schützten sollte.

Auch gute und wahre Worte können zur Propaganda werden, wenn sie dazu dienen, zu verschleiern, dass die Wirklichkeit anders ist.

Wer von Liebe redet, aber lieblos handelt, wer auf seine Autorität pocht, aber sich selber der Autorität Gottes entzieht, betreibt private Propaganda, die ebenfalls eine gestörte Wahrnehmung zur Folge hat. Man weiß zu guter Letzt wirklich nicht mehr, was Liebe oder was Autorität ist. Die Unart, maßlos zu übertreiben und Kleinigkeiten mit Superlativen aufzublasen, führt zur Abnutzung der Sprache. Wenn wirklich etwas einmal Besonderes geschieht, stehen dafür keine Worte mehr zur Verfügung.

Weiteres Beispiel: "Gemeinschaft der Heiligen" ist ein Begriff aus dem Glaubensbekenntnis. Wenn eine Gemeinde Unrecht duldet, sich aber dennoch immer wieder als "Gemeinschaft der Heiligen" bekennt, dann zerstört sie ihre Wahrnehmung. Zu guter Letzt weiß man gar nicht mehr, was "heilig" ist und fragt auch nicht mehr danach. In der Volkskirche ist das ja erwünscht. Deswegen gewinnt das Glaubensbekenntnis sehr, wenn der Hörer wenigstens angedeutet bekommt, was damit gemeint sein könnte.

Unredliche Propaganda wird auch der Ruf nach einem christlichen Schiedsgericht genannt werden müssen, wenn man sich darum praktisch nicht ernsthaft bemüht.

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Schizophrener Glaube

In der unsichtbaren Wirklichkeit Gottes gibt es Dinge, die den Verstand des Menschen übersteigen und widersprüchlich erscheinen, aber dennoch untadelig sind (Antinomien)

Im menschlichen Verantwortungsbereich, insbesondere in der Ethik und Pädagogik, ist widersprüchliches und inkonsequentes Verhalten nicht erlaubt. Es ist ein Indiz für die Verfälschung des Evangeliums (Gal 2,14+18), für krankhafte und wahnhafte Glaubensvorstellungen und für unreine Motive.

Bei Gläubigen allerdings, die überhaupt nicht nachdenken oder sich nur wenig merken, sodass ihnen Widersprüche nicht mehr auffallen, kann man nicht von Schizophrenie sprechen, sondern eher von kindlicher Unreife und Naivität (Kindlicher Zugang).

Schizophrener Glaube ist nur bei Gläubigen möglich, die nachdenken und sich erinnern können, und denen es daher auffallen sollte, wenn sie sich im menschlichen Verantwortungsbereich widersprüchlich verhalten.

Insbesondere aufmerksame jugendliche Gläubige können diese Schizophronie, diese Diskrepanz zwischen Wort und Tat, die die Vertrauenswürdigkeit der Bibel aushöhlt, manchmal nicht ertragen und werden dann seelisch krank. Wirkliche Hilfe gibt es für sie nicht, da ein schizophrenes Denksystem das Urteilsvermögen lähmt und die Authorisierung des Gläubigen, alles an der Bibel zu prüfen (1.Thess 5,21), bezweifelt bzw. stark einschränkt, folglich der einzige Ausweg eben das Ertragenlernen dieser Diskrepanz ist.

Die auf ihrer Monopolstellung beharrende traditionell-bibeltreue Theologie (Chikago-Erklärung) vermittelt Glaubensschizophrenie ...

a) indem sie ethisch problematische Textstellen als heilig, richtig und irrtumslos etikettiert, die Jesus Christus ebenso wie das mosische Ehescheidungsrecht sofort kritisiert und außer Kraft gesetzt haben würde.

b) indem sie durch die Aufwertung mangelhafter Ethik die Vorstellung eines Gottes vermittelt, der einen wankelmütigen unzuverlässigen Charakter hat, meist liebevoll ist, aber gelegentlich auch erschreckend bösartig sein kann, und damit den Kern der biblischen Botschaft missachtet, dass man nur an Jesus erkennen kann, wie der Vater ist (Jo 12,45).

c) indem sie sich selbst zum Maßstab erhebt und die Bedeutung der biblischen Maßstäbe betont, aber mit der Entschuldigung ethisch problematischer Textstellen zeigt, dass sie die uneingeschränkte Autorität der höchsten Maßstäbe Christi nicht anerkennt, sondern stattdessen blindgläubige Unterwerfung unter den Buchstaben und unter ihre Theologen als höchstes Gebot betrachtet.

d) indem sie behauptet, Menschen für das Reich Gottes gewinnen zu wollen, und stattdessen denkenden Menschen massenhaft den Eindruck vermittelt, dass Glaubensschizophrenie und wahrer Glaube identisch sind und ihnen dadurch Zugang zum christlichen Glauben verbaut (Mt 23,23).

e) indem sie mit der "Wissenschaftlichkeit" ihrer Ausbildung Werbung macht, aber zugleich Gläubige zu einer selektiven Wahrnehmung der seelsorgerlichen und biblischen Fakten zwingt, und damit ständig nicht nur gegen selbstverständliches Wissenschaftsethos, sondern auch gegen das biblische Gebot der Authentizität verstößt.

f) indem sie Gläubige auffordert, ehrlich Zeugnis abzulegen und zugleich ihre Theologiestudenten, denen hier Zweifel gekommen sind, nötigt und verführt, sich wider besseres Wissen zur Irrtumslosigkeitsdoktrin zu bekennen, um ihre Karriere nicht zu gefährden.

g) indem sie sich als einzig legitimen Vertreter der Wahrheit des Evangeliums präsentiert, aber es zugleich zulässt, dass eine evangelikale Hochschule die Behörden vorsätzlich täuscht, um die staatliche Genehmigung zur Prüfung der Examenskandidaten zu erhalten. So wird behauptet dass theologische Alternativen zur Irrtumslosigkeitsdoktrin in ihrer Institution angeblich möglich sind, dass solche Alternativen fair und redlich präsentiert und diskutiert werden können. Genau das Gegenteil ist der Fall! (Nachweis: Auszug aus dem Bericht des Wissenschaftsrates [pdf] vom 8.5.2008 über die angebliche "Sinnesänderung").

Wie tatsächlich mit Leuten umgegangen wird, die auf die Risiken der Chikago-Theologie aufmerksam machen wollen, zeigt dieser Antwortbrief [pdf], der als typisch gelten kann.

Das Argument, sich mit Gefahrenhinweisen erst dann - vielleicht! - befassen zu können, wenn sie in den Buchdruck gegangen und veröffentlicht worden sind, erregt wirklich Heiterkeit. Nach diesem Maßstab hätte man sich mit den Schriften Jesu und der Apostel sehr lange Zeit gar nicht befassen dürfen, da sie ja nur als Manusskript und erst seit der Erfindung Gutenbergs um 1450 in gedruckter Form vorlagen. Diesem Wissenschaftler ist offenbar nicht bekannt, dass es einen grauen Büchermarkt, Eigenverlage und auch Notizzettel gibt, die höchst wertvolle Erkenntnisse enthalten können.

Hinweise auf mögliche Gefahren sind immer ernstzunehmen und zu prüfen, doch darauf wird hier erst gar nicht eingegangen. Der leitende Theologie sieht nur die Gefahr für den eigenen Einfluss, gegen die er er sich selbstverständlich wehren wird.

P.S.: Falls es eine theologische Institution geben sollte, die die Irrtumslosigkeitsdoktrin (Chikago-Erklärung) vertritt und sich hier zu Unrecht beschuldigt sieht, bin ich gern bereit, sie hier namentlich als rühmliche Ausnahme zu erwähnen - sofern sie mit einem simplem Zugeständnis zeigt, dass der Vorwurf auf sie nicht zutrifft.

Als Nachweis genügt es uns völlig, wenn sie einem Mitarbeiter dieser Website jedes Jahr Gelegenheit einräumt, einen störungsfreien Kurzvortrag über bibeltreue Übungstext-Theologie vor den Erstsemestern zu halten.

Glaubensschizophren ist es auch, wenn man zu Buße und Bekehrung auffordert, selbst aber gegen den Ungehorsam der eigenen Leitung einer Gemeinde nicht vorgeht.

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Sektentypische Methoden

Indoktrinierung: Man braucht es nicht zuzugeben, wenn auf die Bibel gegründete Gegenargumente besser sind. Stattdessen wiederholt man mehrfach die Propagandaphrasen, die für diesen Fall vorgesehen sind, um seinen unerschütterlichen Glauben zu bezeugen.

Abschirmung: wenn die Gegenargumente zu gut sind, bemüht man sich, ihre Verbreitung zu erschweren oder zu verhindern. Deswegen ist es dem Sektierer grundsätzlich unmöglich, über Schwächen des eigenen Denkansatzes offen und ehrlich zu sprechen. (Überzeugungskraft)

Bevormundung: Die theologische Meinung der Amtsinhaber gilt automatisch als die einzig richtige und mögliche. Sie gilt als so unantastbar, dass sie nicht mit der Bibel gerechtfertigt werden muss.

Ausgrenzung: Gläubige, die auf Fehler hinweisen, lässt man fühlen, dass sie den Frieden stören und nicht richtig dazugehören

Einschüchterung: Man belehrt die Gläubigen, dass jeder Zweifel am eigenen Denkmodell als Angriff auf den Glauben zu sehen ist, den Gott bestrafen muss.

Diffamierung: Wenn die Gegenargumente unangreifbar sind, dann versucht man "unter die Gürtellinie zu treten". Man wird persönlich und beleidigend, informiert über Fehlschläge oder Mängel in der Karriere, oder - noch schlimmer - streut Verleumdungen über charakterliche Mängel aus: "wirf mit Schmutz - dann wird schon etwas hängenbleiben..." Man hofft darauf, dass sich viele, denen die Gegenargumente unsympathisch sind, hier anschließen.

Filterung: biblische oder seelsorgerliche Befunde, die die verkündete Doktrin in Frage stellen, werden unterdrückt. Ein besonders krasses Beispiel dafür sind gewisse "Heilungszeugnisse" auf Veranstaltungen mancher Pfingstgemeinden. Die Zuschauer erkennen es nicht, wenn hier ein Kranker (!) seine Heilung öffentlich bezeugt, um Gott sein völliges Vertrauen zu beweisen, und damit Gott zu bewegen, ihn tatsächlich zu heilen. Bleibt die Heilung aus, so wird die Gemeinde natürlich nicht informiert. Das Ausbleiben der Heilung könnte ja ein Hinweis darauf sein, dass der Kranke infolge heimlicher Sünde nicht von Gott erhört wurde. Diese Blamage will man ihm ersparen und der Gemeinde die viel größere Blamage natürlich auch. So erhält man ein völlig falsches Bild. (vgl. Philipp Yancey, Von Gott enttäuscht, Metzingen/Württ., 2001, S.32 ff.) Solange man das Problem nicht offen in der Gemeinde anspricht, wird der Glaubwürdigkeit des Evangeliums mit diesem Selbstbetrug ein denkbar schlechter Dienst erwiesen.

Wer auf der Seite der Wahrheit steht, hat Jesus Christus auf seiner Seite und solche Methoden nicht nötig. Er vermeidet sie vielmehr nach Kräften, da sie dem Ansehen Jesu Christi erheblich schaden.

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Sektentypische Reaktion

Wer Sektierer brieflich auf Denkfehler hinweist, bekommt - falls überhaupt eine Antwort kommt - in der Regel ein Schreiben mit folgenden Merkmalen zurück:

- auf starke Argumente wird grundsätzlich nicht eingegangen, man stellt sich stur und taub und wiederholt den eigenen Standpunkt (der längst bekannt ist) noch einmal,
- der Abbruch des Briefkontaktes wird angekündigt, man verbittet sich, weiter belästigt zu werden,
- es wird unter die Gürtellinie getreten und persönlich angegriffen: entweder man macht geringschätzige Bemerkungen über die Persönlichkeit, berufliche Laufbahn, Krankheiten usw. oder man wertet sich sehr auf als jemand, der so bedeutend ist, dass er sich mit dem völlig unbedeutenden Kritiker nicht zu befassen braucht.

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Selbstverstärkung

Auch gläubige Menschen stehen immer in der Versuchung, sich geistlicher Disziplin zu entziehen. Entsprechend blüht die Kultur der Verharmlosung und Entschuldigung. Fromme Lippenbekenntnisse garantieren das Gefühl, es mit dem Glauben ernst zu meinen (Mt 15,8). Dabei hat man sich aus der Bibel das herausgesucht, was den eigenen Status quo bestätigt. Der Weg, den Gott eigentlich plante (Eph 2,10), interessiert nicht.

Um dieses Problem zu meistern, bedarf es mehr als einer Anhäufung lückenlos richtiger Informationen. Es bedarf dazu einer einzigartigen Eigenschaft der Heiligen Schrift. Die Bibel reagiert auf den Leser. Sie liefert keine standardisierte, allen gleichermaßen zugängliche Information, sondern sie verbirgt und enthüllt. Zuverlässige Information, die der Leser zur Gestaltung des christlichen Lebens braucht, erhält er nur durch starkes Interesse für die Wahrheit. Ist dieses Interesse nur halbherzig, ist ihm anderes gar wichtiger, so wird er das, was er liest, auch nur zum Teil oder gar gänzlich missverstehen:.

"Jesus sprach zu ihnen: „Euch lässt Gott die Geheimnisse seiner neuen Welt verstehen, anderen sind sie verborgen. Denn wer viel hat, der bekommt noch mehr dazu, ja, er wird mehr als genug haben. Wer aber nichts hat, dem wird auch noch das Wenige, das er hat, genommen.." (Mt 13,11-12). Das gilt genauso für das Alte Testament: "Gegenüber den Heiligen bist du heilig, und gegenüber den Treuen bist du treu, gegenüber den Reinen bist du rein, aber für die Falschen bist du falsch." (Ps 18,26-27)

Von den Vertretern der Irrtumslosigkeitsdoktrin wird die Befugnis Gottes zur Täuschung bestritten, da mit einem Gott, der manchmal irreführt, also fehlerhafte Aussagen produziert, nichts anfangen können.

Der biblische Befund ist aber eindeutig. Insbesondere die Illusionen, die mit dem Gesetz verbunden sind, sind ein klarer Beweis, der nicht wegerklärt werden kann.

Zugestanden: Wenn Gott Täuschung schickt, ist es etwas ganz und gar anderes, als wenn ein Mensch lügt. Eine unveränderliche Grundaussage der Bibel stellt ja fest, dass „Gott Licht ist und in ihm ist keine Finsternis“ (1.Jo 1,5). Dieses Axiom bleibt uneingeschränkt gültig. Doch wenn man Kritizismus und Verachtung des Gotteswortes erfolgreich abwehren will, dann darf man nicht Methoden verwerfen, die Gott in seiner Weisheit für sinnvoll hält. Wenn Gott irreführende Informationen schickt, so steht auch dahinter sein Interesse an der Wahrheit (1.Tim 2,4). Das unterscheidet ihn vom Menschen, der zur Täuschung greift. Anders als Gott hat der unwahrhaftige Mensch keine Interesse daran, dass die Wahrheit ans Tageslicht kommt (Jo 3,20).

Warum wählt Gott bisweilen gerade diese Methode, die uns auf den ersten Blick suspekt erscheint?

Der Glaube an Gott bietet viele Möglichkeiten der Selbsttäuschung. Die eigentliche Realität, die ewig Bestand hat, ist unsichtbar. Das innere Leben des Gläubigen und die Seele der Mitmenschen ist unsichtbar. Die Folgen des menschlichen Verhaltens sind oft ebenfalls nur schwer zu erkennen, soweit sie sich auf den seelischen Bereich auswirken und sich mit anderen Einflüssen überschneiden. Auch sind die Nebenwirkungen eines Frömmigkeitsstils möglicherweise erst nach Jahrzehnten erkennbar.

Die Bibel beschreibt nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben einiger Personen. Die Lücken lassen sich sehr oft nur durch Vermutungen schließen. Denn die in der Bibel geschilderten Persönlichkeiten kann man ja nicht mehr befragen. Wie sie im Detail gefühlt und gedacht haben, ist bei einer zeitlichen Distanz von zweitausend Jahren und mehr wohl kaum rekonstruierbar. Somit ist die Bibel eine Notlösung. Sie macht den Gläubigen nur mit dem Wichtigsten vertraut.

Das führt natürlich dazu, dass die emotionalen Bedürfnisse der Gläubigen sich in den Vordergrund drängen und die Interpretation sehr stark beeinflussen. Entsprechend groß ist die Neigung zum Selbstbetrug.

Da eine Aufzählung aller möglichen Missverständnisse und faulen Kompromisse unmöglich ist, hat Gottes Weisheit einen anderen Weg gefunden.

Er erzieht zu einer inneren Haltung, die zur Überwindung des Selbstbetrugs befähigt. Wer sich selbst betrügt, etikettiert Informationen, die ihn auf Fehlverhalten aufmerksam machen, wider besseres Wissen als unwichtig. Er akzeptiert nur noch Informationen, die ihm zusagen. Ein unangenehmer, aber notwendiger Entscheidungskonflikt wird vermieden. Somit erzeugt der Selbstbetrug Selbstberuhigung und Seelenfrieden. Zugleich entsteht damit ein Anreiz, sich noch mehr Seelenfrieden auf dieselbe Weise zu verschaffen.

Gott durchbricht diesen Teufelskreis durch die Ankündigung, nun seinerseits zu diesem Seelenfrieden beizutragen. Er sagt allerdings offen, dass es sich dabei um Täuschung handelt. Und siehe da: so mancher empfindet diese „Hilfe“ Gottes plötzlich alles andere als beruhigend. Er wird stattdessen unsicher. Aus dieser Unsicherheit heraus entsteht ein Bewusstsein für die Gefahr, in die er sich mit leichtfertigen und oberflächlichen Entschuldigungen hineinbegibt.

Auf diese Weise macht Gott es ihm leicht, sich ganz für die Liebe zur Wahrheit zu entscheiden. Insofern stimmt es doch, was die heilige Schrift sagt: „Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und die Wahrheit erkennen“ (1.Tim 2,4).

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"Sockel-Effekt"

Wer vielen Wichtiges zu verkünden hat, stellt sich praktischerweise auf einen etwas erhöhten Platz, um besser gesehen zu werden. Wenn aber der Sockel, auf dem er steht,über die Maßen hoch ist, dann hat er große Mühe, wieder herabzusteigen. Anstatt dem Publikum das demütigende Schauspiel eines langwierigen Herabkletterns zu bieten, bleibt er lieber oben und kann dort auch nicht schweigen, sondern muss reden und reden, auch wenn er besser geschwiegen hätte.

Je höher der Sockel ist, je höher der Anspruch auf Autorität, den man erhoben hat, desto
- schwieriger ist es, Fehler einzugestehen und zu verbessern
- eigene Schwächen und fragwürdige Motive zu sehen,
- anderen die Führung zu überlassen, die bessere Motive und bessere Fähigkeiten haben.

Jesus und Paulus haben hierzu das Nötige gesagt: In der Gemeinde gibt es zwar Gläubige, die erfahrener und "älter" im Glauben sind ("Ältere") und für ihre weniger erfahrenen Mitchristen Verantwortung übernehmen (Hirtenamt: Hebr.13,17). Dennoch ist es klar, dass auch Ältere bereit sein müssen, sich korrigieren zu lassen, wenn sie inkonsequent und falsch handeln (energische Korrektur des Petrus durch Paulus Gal.2. Dem alten Priester Eli wird durch den jungen "Lehrling" Samuel das Gericht Gottes angekündigt: 1.Sam 3,12 ff).

Wie ist das nun in großen Hierarchien mit vielen Posten und Pöstchen, die je nach Rangstufe finanzielle Vorteile gewähren? und einem gewerbsmäßigen Betrieb sehr nahe kommen? Paulus hat gewarnt, dass die Verwechslung des Glaubens mit einem Gewerbe das Urteilsvermögen beschädigt, wenn er von Menschen redet, "die zerrüttete Sinne haben und sich die Wahrheit haben wegnehmen lassen, weil sie meinen, Frömmigkeit sei ein Gewerbe." (1.Tim 6,5)

Insbesondere dann, wenn der Apparat zu einem erheblichen Teil von Spenden abhängig ist, dann ist vorauszusehen, dass man schwerlich zugeben kann, in wichtigen Fragen falsch gehandelt oder geirrt zu haben. Auch der einzelne, der um seinen Posten oder seine Funktion bangt, wird dazu neigen, der notwendigen Selbstkorrektur auszuweichen. Diese Neigung ist umso größer je höher man in der Hierarchie aufgestiegen ist ("Gesetz der 50-jährigen").

Der Wunsch nach Einfluss, die Furcht sich durch Verkünden unangenehmer Wahrheit in seinen Kreisen unbeliebt zu machen, disqualifiziert völlig: "würde ich Menschen gefallen wollen, würde ich nicht mehr im Auftrag Gottes handeln" (Gal 1,10)

Zur Vermeidung des "Sockel-Effekts" sollten Gläubige gegenüber ihren Mitchristen sich nicht auf ihre Titel oder ihre berufliche Position berufen. (Es mag ja sein, dass sie sie aus vertretbaren Gründen erworben haben.) Wenn es darum geht, Argumente gegeneinander abzuwägen, dann darf auch nur die Qualität der Argumente zählen. Weder Jesus, noch die zwölf Apostel noch die Propheten hatten Titel nötig. Ihnen genügte immer die Überzeugungskraft des Wortes und der christlichen Gemeinde sollte diese Kraft auch genügen. Wenn sich jeman auf seinen theologischen Titel berufen muss, dannzeigt er damit nur, dass er seiner geistlichen Autorität recht wenig zutraut.

Wer Ehre nimmt, hat objektiv wenig Glauben und versteht wenig davon, auch wenn er noch außen hin das große Glaubensvorbild vorgeben sollte: "Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehrungen von Menschen entgegennehmt." (Jo 5,44) Wer der größte sein will in der Gemeinde, soll sich nach dem Willen Jesu demütig wie ein Kind unter die anderen stellen: "Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dies Kind, der ist der Größte im Himmelreich." (Mt 18,4) Die Jünger sollen sich deshalb nicht Lehrer nennen und ehren lassen. Wie kann man sich "bibeltreu" nennen und genau das Gegenteil machen bzw. nur Argumente gelten lassen, die von einem Dr.theol. oder gar von einem "Master of Divinity" (wörtlich: "Meister der Göttlichkeit"!) kommen? (Wie gesagt, mag es sein, dass man auch diesen Titel aus vertretbaren, sinnvollen Gründen erworben hat, doch fällt er in der Auseinandersetzung um Glaubensfragen nicht ins Gewicht. Auch Martin Luther, der sich gewaltig irrte und für die Verfolgung von Juden und Baptisten war, war Prof.Dr.theol.!)

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Sorgfaltsparadox

Leichtsinnige und faule Gläubige beziehen vorrangig die ermutigenden Bibelstellen und Verheißungen auf sich, sorgfältige und vorsichtige Gläubige in erster Linie die drohenden und warnenden.

Dieses Phänomen ist ein Hinweis darauf, dass es in der Gemeinde an der Liebe zum Recht und an der Wertschätzung widerspruchsfreien Denkens mangelt, sodass es zu dieser absurden Fehleinschätzung kommt. Das Urteilsvermögen kann erheblich verbessert werden, wenn wieder die absolute Priorität der Qualitätsmaßstäbe Christi in der Gemeinde gelehrt und beachtet wird.

Die Kinder von Gläubigen, die sich als Erwachsene bekehrt haben, sind dem Risiko des Sorgfaltsparadoxes besonders ausgesetzt. Ihre ELtern, die sich in ihrer gottlosen Zeit grobe Sünden und viel Unrecht geleistet haben, empfinden die harten biblischen Warnungen, die sie aus diesem Leben herausgerissen haben, als wohltuend. Sie geben ihren Kindern dieselbe Strenge weiter - in der naiven Ansicht - was ihnen geholfen hat, würde auch den Kindern helfen. Sie bedenken dabei nicht, dass ihre Kinder durch diese Strenge wesentlich härteren Forderungen ausgesetzt sind, wenn sie gar keine gottlose Karriere hinter sich haben, sondern gutwillig und schon von klein auf an biblische Ordnungen gewöhnt worden sind.

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Sündenerkenntnis

Die Zehn Gebote sind der Text aus dem Alten Testament, der den nachhaltigsten Eindruck auf die Ethik christianisierter Völker gehabt hat: Verbot der Abgötterei und des falschen Zeugnisses, Respekt vor dem Namen Gottes, Gebot der Feiertagheiligung, Schutz des Lebens, der Ehe und des Eigentums.

Es gibt aber daneben noch bedeutendere Texte: das "Höre Israel" (5.Mo 6,4-5), die Aufforderung Gott "von ganzen Herzen, ganzem Gemüt und mit aller Kraft zu lieben". Jesus erkannte dieses Gebot als das wichtigste Gebot des Alten Testamentes überhaupt (Mt 22,37). Im 3.Buch Mose (Levitikus) sah er ein zweites Gebot aufleuchten, das er ebenso hoch einschätzte: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." (3.Mo 19,18)

Solange diese Gebote aber nicht als Maßstab der Auslegung aller anderen Gebote erkannt und auf konkrete Verhaltensweisen nicht angewendet wurden, blieben sie schwach und wurden deshalb auch leicht übersehen.

Auch im Alten Testament wurde der Zusammenhang zwischen beiden Geboten konkretisiert durch die Botschaft, dass Gott den Gottesdienst der Gläubigen verabscheute, die zuließen, dass die Schwächsten im Volk, die Witwen und Waisen, im Rechtsstreit übervorteilt wurden (Jes 1,11 ff / Amos 5,23). Immer wieder haben die Propheten diesen Missstand beklagt.

Jesus erst gab den wichtigsten Geboten den ihnen gebührenden Rang, präzisierte sie durch seine Qualitätsmaßstäbe und konkretisierte und illustrierte sie auf vielerlei Weise, am eindrücklichsten wohl durch die Bergpredigt und das darin enthaltene "Vaterunser".

Das Empfinden für Verhalten, das Gottes nicht gefällt (Sünde), wird dadurch erheblich geschärft. Insbesondere lenkten Jesus und später seine Apostel den Blick gerade auf Sünden, die nur den Gläubigen betreffen: auf Scheinheiligkeit und frommen Selbstbetrug.

Deshalb wurden die Schriftgelehrten, die damals das Auslegungsmonopol beanspruchten, zu ihren erbitterten Gegnern.

Der Apostel Paulus nimmt später das Anliegen der Propheten auf, die Gemeinde zu lehren, dass Unrecht, das zwischen Gläubigen steht, nicht geduldet werden darf, sondern bereinigt werden soll (1.Kor 6,1 ff).

Auch Jesus hatte ähnliches gefordert (Mt 5,25-26 / 18,15 ff).

Die neutestamentlichen Gebote sollen den Gläubigen zu einer bestimmten inneren Haltung bewegen, die die Bibel Heiligung nennt.

Wenn die vermittelte Lehre in der Gemeinde kein klares Bild der Persönlichkeit Jesu entstehen lässt und Gläubige in einem geistlich unmündigen Zustand festhält, dann besteht die Gefahr, dass Gläubige meinen, die Gebote Jesu aus eigener Kraft halten zu müssen, was unmöglich ist. Da es keine andere Alternative für sie gibt als der Optimismus, über den zwar viele in der Gemeinde, aber sie selbst nicht verfügen, hängen sie in der für ihre seelische Gesundheit äußerst schädlichen Werkgerechtigkeit fest.

Eine ungeistliche Alternative zur Werkgerechtigkeit ist die Irr-Lehre der Heilsgarantie, wo im Widerspruch zu den Worten Jesu gelehrt wird, dass ein Christ sein Heil auch durch unbarmherziges Verhalten gegenüber seinen Mitchristen nicht gefährden könne. Jesus dagegen hatte einen solchen Menschen gewarnt, "zu ungelegener Stunde zu kommen und ihm seinen Lohn mit den Heuchlern zu geben" (Lk 12,46). Dies betrifft eindeutig Gläubige, denn dieser Mensch bezeichnet Jesus als "Herrn", indem er sagt: "Mein Herr kommt noch lange nicht." Nichtchristen warten weder auf den Herrn noch auf seinen Lohn. Dass die falsche Lehre von der Heilsgarantie dennoch in bibeltreuen Gemeinden immer wieder anzutreffen ist, zeigt, dass Gläubige mit dem Munde bibeltreu und mit dem Herzen bibelkritisch sein können. Bei einer solchen Einstellung kann es wohl kaum zu großer Sorgfalt in der Sündenerkenntnis kommen.

 

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Traditionell-bibeltreue Theologie

Mit dem Begriff "konservative Theologie" oder "traditionelle" oder "herkömmliche bibeltreue Theologie" wird eine Theologie bezeichnet, die unter „Inspiration“ die Übertragung der vollkommenen Eigenschaften Gottes auf den gesamten biblischen Text versteht, sich also zur Vollkommenheit und Irrtumslosigkeit JEDES EINZELNEN biblischen Satzes bekennt (Einzige Ausnahme: wenn Satan oder die Meinung von Nicht-Aposteln oder Nicht-Propheten zitiert wird).

Mit diesem Ansatz wird vorausgesetzt, dass Gott sich verpflichtet gesehen hat, minderwertige oder irrige Informationen eindeutig zu kennzeichnen.

Diese Sicht wird aber selbst von traditionell-bibeltreuen Theologen nicht durchgehalten und ist leicht zu widerlegen. (No Comment - Stil der Bibel)

Besonders schwierig wird es bei ethisch problematischen Textstellen, die Aussagen beinhalten, die man - würden sie im Kontext einer anderen Religion auftauchen - schärfstens zurückweisen würde.

Die Irrtumslosigkeitsdoktrin zwingt den Gläubigen hier zur Schizophrenie, da auch diese Stellen definitionsgemäß das Qualitätsprädikat der Unfehlbarkeit bekommen müssen („undifferenzierte Irrtumslosigkeitsdoktrin“).

Damit stellt sich diese Theologie auf den Standpunkt, dass die Qualitätsmaßstäbe Jesu Christi nicht immer gegolten haben, sondern willkürliche Ideen Gottes und jederzeit relativierbar sind.

Damit wird nicht nur eine sehr oberflächliche Wahrnehmung des biblischen Befundes begünstigt, sondern es verflüchtet sich auch aus dem Inspirationsbegriff der überzeugende Sinnzusammenhang. Ein Zusammenhang der einzelnen Ethikphasen, die wie „Moden“ aufeinander folgen, wird vorrangig durch die Pflicht zu blindgläubiger Unterwerfung geschaffen.

In dieser Theologie ist für Christen, die problematischen Texten nur wider besseres Wissen zustimmen können und sie mit Hilfe der unfehlbaren Qualitätsmaßstäbe Jesu Christi untersuchen und beurteilen wollen, kein Platz. Das Recht auf Unverletzbarkeit des Gewissens (1.Kor 8, 12) und unparteiisches Urteilen (Hiob 13,7-11) mit Hilfe der Maßstäbe Jesu Christi hat entsprechend sehr wenig Gewicht.

Für die Gemeinde ergeben sich darau große Gefahren. [Zum Anfang dieser Seite]

Überzeugungskraft

Im Wettstreit der Argumente werden Aussagen, die den biblischen und seelsorgerlichen Befund sorgfältiger berücksichtigen, stärkere Überzeugungskraft haben.

Die Glaubwürdigkeit der eigenen Position gewinnt erheblich, wenn man Schwächen im eigenen Denken offen und ehrlich ansprechen kann. Sektierer können das grundsätzlich nicht.

Argumente, die wichtige Befunde ignorieren, haben keine Überzeugungskraft. Dieser Mangel kann ein Stück weit dadurch kompensiert werden, indem für das Wegschauen Gründe genannt wird. Ein sehr beliebter Grund, der häufig genannt wird, ist die Verderbtheit des Verstandes, die natürlich nur Kritiker betrifft. Eine andere Version ist die selbstsichere Behauptung, dass man selbst die doppelte Portion des heiligen Geistes empfangen hat und jeder der anderer Meinung ist, natürlich nur die Hälfte oder vielleicht sogar gar nichts. Man tut also die bessere Argumentation einfach als Wahngebilde ab. In größerem Maßstab machen das Diktaturen übrigens genauso, die Kritiker ganz selbstverständlich in Psychiatrien einliefern. Wenn die Traditionell-bibeltreue Theologie ihre Kritiker als "Unerleuchtete" abtut, so folgt daraus automatisch ein Alleinvertretungsanspruch: nur sie sind es, die "erleuchtet" sind, und das Recht haben, andere in Glaubensdingen zu belehren.

Merkwürdig ist nur, dass man dieser Theologie problemlos eine gravierende Missachtung der wichtigsten Gebote Jesu nachweisen kann (Vermeintliche Bibeltreue)

Auswirkung auf die Beziehungen:

Will man erreichen, dass die eigene Argumentation allgemein anerkannt wird, obwohl sie schwächer ist, dann muss man den Informationsfluß manipulieren.

Gleichzeitig muss man Druck ausüben auf die Mitglieder, die diese unredlichen Methoden nicht akzeptieren. Das geschieht gewöhnlich durch Liebesentzug: die Betreffenden kommen für eine freundschaftliche Beziehung nicht mehr in Frage. Oder die eigene Position wird immer und immer wieder stereotyp wiederholt, als ob der besser Argumentierende schwerhörig wäre. Da diese Beschallung am Ende unerträglich wird, hat der, der den Fehler sieht, zu guter Letzt weder Lust noch Kraft, noch irgendetwas Korrigierendes zu sagen.

In der Familie können die Beziehungen unter solchen Differenzen sehr stark leiden, da hier ja das harmonische Miteinander besonders wichtig ist. Hier kommen diffizilere Methoden zum Einsatz: etwa die deutlich zur Schau getragene Depression, verursacht durch den "Unglauben" dessen, der anderer Meinung ist. Man hofft also, dass nicht Liebesentzug, aber doch starke Schuldgefühle eine Änderung der Meinung erzwingen können. Oder man spricht das Thema immer wieder an, man "quengelt", bis der andere nicht mehr aushält und allem zustimmt, um seine Ruhe zu haben.

Es ist wichtig, über diese Fehlverhaltensweisen offen in der Gemeinde zu sprechen, damit jeder erkennt, wie ernst die Pflicht des Gläubigen zur Authentizität zu nehmen ist.

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Übungstexte

Texte, die das Widersprechen und eigenständige, geistlich mündige Urteilen des Jüngers herausfordern sollen.

Im Bild gesprochen: Der weitaus überwiegende Teil der Bibel ist reichlich vorhandene Nahrung, die so wie ist ist, aufgenommen und verdaut werden muss, um geistlich zu wachsen. In der Bibel aber werden neben der Nahrung auch kleine Mengen von "Impfstoffen" mitgeliefert, die das "geistliche Immunsystem" aktivieren sollen. So wie ein Arzt beim Impfen abgeschwächte Erreger verwendet, um die Gesundheit des Patienten nicht zu gefährden, so verwendet die Bibel "Übungstexte", deren destruktive Aussage durch viele konstruktive Aussagen mit höherer Prioität abgeschwächt wird. Diese "Übungstexte" sind daher für den Glauben des Christen ungefährlich. Wird das Impfen aber unterlassen, so ist der Glaube für die Konfrontation mit dem Atheismus schlecht gewappnet und kann Schaden nehmen. Doch für solche geistlichen Katastrophen führen der Irrtumslosigkeit verpflichtete Gemeinden natürlich keine Statistik. Würden sie es gewissenhaft tun, würden sie sehr bald die Gefährlichkeit ihres Standpunktes erkennen.

Am seltensten kommen "Übungstexte" in den Evangelien vor: "Da sprach er zu ihnen: Aber nun, wer einen Geldbeutel hat, der nehme ihn, desgleichen auch die Tasche, und wer's nicht hat, verkaufe seinen Mantel und kaufe ein Schwert." (Lk 22,36)

Die Kirche hat später diese Worte als Befehl verstanden und sich des Schwertes reichlich bedient - mit grauenhaften Folgen. Auch die Jünger meinten tatsächlich, das sei wörtlich zu nehmen, und zeigten ihm zwei Schwerter, die sie bereits hatten. Aber sie irrten sich. Petrus wurde kurz darauf getadelt, als er das Schwert gebrauchte: "Da sprach Jesus zu ihm: Stecke dein Schwert an seinen Ort! Denn wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen." (Mt 26,52) Warum soll man Geld für ein Schwert ausgeben, dass man nicht benutzen soll? Und auch gar nicht braucht! Eine besseren Schutz als die Gegenwart Jesu gab es doch gar nicht. Jesus ging mitten durch seine Angreifer hindurch, die ihn vom Berg stürzen wollten (Lk 4,30).

Manche Theologen meinen im Ernst, dass Jesus meinte, dass die Jünger Schwerter zur Selbstverteidigung mit sich führen sollten. Da fragt man sich allerdings, warum er sie "wie Schafe unter die Wölfe sendet" (Mt 10,16) und ihnen genaue Anweisungen gibt, was sie alles mitnehmen oder nicht mitnehmen sollten (VV.9 ff) und mit keinem Wort das Schwert erwähnt, das ja immerhin das Leben, der Güter höchstes schützen soll.

Wie merkwürdig hätte das gewirkt, wenn Jesus die Sanftmütigen und Friedfertigen selig preist (Mt 5,5+9), aber gleichzeitig gestattet, dass seine Jüngerschar die blanken Waffen zur Abschreckung präsentiert.

Hieraus ziehe ich den Schluss, dass Jesus seine Jünger mit dieser provozierenden unpassenden Aussage zum selbständigen Urteilen erziehen wollte und sich über ihren Widerspruch gefreut hätte. Kein guter Lehrer erzieht seine Schüler zum Nachplappern. Konsequent und geistlich mündig denken - das freut Jesus. Ob ihm seine Jünger tatsächlich widersprochen haben, darüber wird nicht berichtet.

Der bedeutendste Übungstext, dessen richtige Beurteilung und glaubwürdige Auflösung durch die Gemeinde Jesu 14.Jahrhunderte lang verschlafen worden ist, sind die Anweisungen des Paulus zur Sklaverei, die nur unter einer nicht-christlichen Regierung sinnvoll waren.

Sehr häufig sind Übungstexte im Buch Prediger zu finden, das Salomo zu einer Zeit schrieb, als er bereits - im Ungehorsam gegen das Königsgesetz (5.Mo 17,17) - viele Frauen genommen hatte (Pred 7,28 / Hl 6, 8-9) . Hier wird der Leser mit einer Gesetzesfrömmigkeit konfrontiert, die nicht mehr von Glaubensmut und -freude, sondern von Depressionen und Pessimismus geprägt ist.

Zu den Übungstexten gehört auch fragwürdige Berichte wie die Hofberichterstattung des Königs David, der die Ermordung seiner Konkurrenten aus dem Hause Sauls mit religiösen Gründen rechtfertigte (2.Sam.21). Der Gläubige kann an diesem Bericht lernen, eine "Allianz von Thron und Altar" im Lichte Gottes zu sehen. Weiter gehören zu den Übungstexten auch ethisch problematische Gesetze, die hauptsächlich im Pentateuch zu finden sind.

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Ungehorsam der Leitung

Schon ganz selbstverständliche biblische Ordnungen wie der schiedsgerichtliche Dienst werden fast ausnahmslos ignoriert, obwohl er sowohl von Paulus wie auch von Jesus gefordert wurde (1.Kor 6,1 ff,Mt 18,15 ff) und eine große seelsorgerliche Bedeutung hat. Evangelikale reagieren auf Straftaten von Gläubigen an Mitchristen meist ähnlich wie die katholische Kirche: man tut als wäre nichts gewesen, stellt sich taub gegenüber der Bitte um faire Schlichtung und hofft darauf, dass baldmöglichst Gras über die Sache wächst. Der Geschädigte bleibt in der Regel sich selbst überlassen bzw. wird dann auch noch "ermahnt", endlich zu vergeben. Vergessen kann er es aber nicht, denn den Schaden trägt er ganz allein, und eine in dieser Weise geprägte Gemeinde findet das auch völlig in Ordnung.

Es ist in vielen evangelikalen Gemeinden auch nicht möglich, einen Pastor, der immun gegen geistliche Weisung ist, zu verwarnen und bei Missachtung der Verwarnung zu entlassen, da die Frage tabu ist, ob die Weisungsbefugnis in der Gemeinde biblischer Ordnung entspricht. Diese Gleichgültigkeit ist die unselige Frucht der Volkskirche. Eigentlich ist es doch eine ganz entscheidende Frage, ob Gemeindelehrer, die zur Buße und Umkehr auffordern, selber Gott gehorsam sind. Eine bibelgemäße Gefahrenordnung könnte helfen, dem Autoritätsmissbrauch in einer Gemeinde vorzubeugen, doch der Leser möge sie selbst einmal vorschlagen, um herausfinden, wie groß das Interesse "bibeltreuer" Gemeinden an einer bibelgemäßen Autoritätsstruktur tatsächlich ist.

Das Verbot der Frauenordination wird dagegen in der Regel streng beachtet, aber es ist nicht glaubhaft, dass das Motiv dafür tatsächlich tiefe Ehrfurcht vor dem Buchstaben der heiligen Schrift ist. Dann nämlich würde man alle anderen Forderungen auch beachten, die weitaus wichtiger sind. Für den angeblichen "Gehorsam" an diesem Punkt gibt es handfeste materielle Gründe (was man natürlich nicht zugibt!): Auf diese Weise hält man sich nämlich die gesamte weibliche Konkurrenz um die Pastorenstellen vom Leib.

Diese Diskrepanz zeigt, dass man in Wahrheit nur wenig Ehrfurcht vor dem Wort Gottes hat. Gehorsam und Buße scheint etwas zu sein, was nur für die einfachen Gläubigen in Frage kommt, aber für die Leitung nicht so sehr. Wenn man wichtige Gebote aufgelöst hat, kann man nicht gleichzeitig verkünden, dass man an ihre Fehlerlosigkeit glaubt! Ist für den, der so handelt, wirklich die Liebe zu Wahrheit und Gerechtigkeit das treibende Motiv? Oder ist es Eigennutz (Unreine Motive) ?

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Unreine Motive

Taten, die äußerlich beeindruckend erscheinen, können dennoch vor Gott völlig wertlos sein, wenn dahinter das Motiv der Werkgerechtigkeit steht.

Sind die Motive der Gemeindelehrer nicht rein und lauter, dann ist es möglich, dass sie neben vielem Richtigen zugleich geistliche Blindheit vermitteln.

Die Evangelien berichten, dass hinter dem frommen Engagement der Schriftgelehrten als wesentliches Motiv der Eigennutz stand: das Streben nach Ehre, Einfluss und Geld. Diese unreinen Beweggründe machten es ihnen sehr schwer, auf Jesus zu hören:

(a) Ehre:

Sie sitzen gern auf den Ehrenplätzen bei Tisch und in den Synagogen und haben's gern, daß sie von den Leuten mit dem Titel "Meister" angeredet werden. Aber ihr sollt euch nicht "Meister" nennen lassen; denn einer ist euer Meister; ihr aber seid alle Brüder. (Mt 23,6-8)

Bibelgemäßer Kommentar: Theologische Titel werden von Jesus Christus nicht anerkannt und sollten deshalb unter Christen und in der Gemeinde keine Bedeutung haben! Es kann jemand einen theologischen Professorentitel haben und geistlich ganz unreif und uneinsichtig sein (Jo 3,10). Der Priester Amazja wollte die Botschaft, die ihm Gott durch den Landwirt Amos übermittelt hatte, nicht anerkennen. Dafür wurde er von Gott bestraft (Laien-Bote). Der Wunsch, geehrt zu werden, ist glaubenszerstörend: "Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander annehmt, und die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, sucht ihr nicht?" (Joh 5,44).

Obwohl Jesus klar und deutlich gesagt hat, dass der Doktortitel in der Gemeinde Jesu nichts gilt, lassen sich etliche bibeltreue Theologen von Mitchristen ohne Titel auch durch bessere biblische Argumente nicht mehr korrigieren. Sie reagieren mit Hochmut und Wichtigtuerei ("ein großer Mann wie ich ist zu beschäftigt, um wissenschaftlich ungebildeten Leuten zuzuhören"). Genau das wollte Jesus nicht! Wer so mit Geschwistern umgeht, der zeigt in der Tat, dass er vor dem Wort Jesu keine Ehrfurcht hat.

(b) Einfluss:

"Da versammelten die Hohenpriester und die Pharisäer den Hohen Rat und sprachen: Was tun wir? Dieser Mensch tut viele Zeichen. Lassen wir ihn so, dann werden sie alle an ihn glauben, und dann kommen die Römer und nehmen uns Land und Leute." (Joh 11,47-50).

Bibelgemäßer Kommentar: Das Motto vieler "entschieden bibeltreuer" Gemeindelehrer heißt: Die Wahrheit muss auf den Tisch. Aber über Wahrheit, mit der ich mich bei meiner frommen Klientel unbeliebt mache, schweige ich lieber. Die Bibel sagt aber: Wer Menschen gefallen will, ist Christi Diener nicht! (Gal 1,10). Als sich Jesus Jünger über seine Worte ärgerten, machte Jesus dennoch keine Abstriche: Von da an wandten sich viele seiner Jünger ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm. "Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt ihr auch weggehen?" (Joh 6,66-67) Wenn man mit der Wahrheit allein bleibt, dann ist das schmerzlich, aber man muss es aushalten: "Weh mir, meine Mutter, daß du mich geboren hast, auf den jeder wütend ist im ganzen Lande! Hab ich doch weder auf Wucherzinsen ausgeliehen, noch hat man mir geliehen, und doch flucht mir jedermann". (Jer 15,10)

(b) Geldgier:

"Das alles hörten die Pharisäer. Die waren geldgierig" (Lk 16,14 a)

Bibelgemäßer Kommentar: Diese Geldgier war bei den Pharisäern fromm getarnt. Wie die Evangelien berichten, nahmen sie Opfergaben entgegen, obwohl sie wussten, dass von diesem Geld eigentlich die Eltern versorgt werden mussten ("Korban": Mk 7,11). Auffällig ist, dass heutzutage auch in "entschieden bibeltreuen" Gemeinde über unerlaubte Spenden so gut wie nicht gepredigt wird. Insbesondere sind die Gemeinden schlecht darüber informiert, dass Spenden nicht angenommen werden dürfen, wenn der Spender einen Mitchristen mutwillig geschädigt hat und Schadensausgleich schuldig geblieben ist (siehe dazu im Detail die Broschüre Liebe ohne Fairness?, Kap 5).

Prüfen Sie Ihren Gemeindelehrer! (1.Thess 5,27)

Ist es jemand, der Wahrheit und Gerechtigkeit wirklich liebt, und dafür offen eintritt, auch wenn es ihn Ansehen und Einfluss bei den eigenen Leuten kostet?.

Oder ist es jemand, der Wahrheit und Gerechtigkeit dann betont, wenn ihm die Mehrheit in der Gemeinde zustimmt?

Der Aufsatz Liebe ohne Fairness? nennt - was die Liebe zur Gerechtigkeit und Wahrheit betrifft - zahlreiche Details, über die man in vielen "bibeltreuen" Gemeinden sehr ungern spricht!

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Urteilsvermögen

Auch wenn in manchen frommen Kreisen verkündet wird, dass der Verstand des Menschen nur sündig und in Glaubensdingen wenig wert sei, so sagt doch die Bibel, dass Gott gerne Weisheit und Verstand schenkt (2.Mo 36,1 / Jak 1,5). Geringschätzung der Gabe des Verstandes ist unbiblisch und gefährlich (Dummheit )

Gott gefiel es, dass König Salomo ihn um nichts anderes bat, als ihn mit Verstand zu begaben, um gerecht regieren zu können (1.Kö 3,11)

Verstand ist nötig, um Lebensentscheidungen richtig zu treffen. "Ich bete dafür, dass eure Liebe immer reicher und tiefer wird und dass ihr immer mehr Weisheit und Einsicht erlangt. So lernt ihr entscheiden, wie ihr leben sollt, damit ihr vor Christus an Gerichtstag ohne Tadel und ohne Schuld stehen könnt." (Phil 1,9-10)

Verstand ist nötig, um Gefahren und Risiken rechtzeitig zu erkennen umd um das Böse, das sich als gut oder harmlos tarnt, zu demaskieren. Urteils- und Unterscheidungsvermögen, die das selbständige Urteilen nach bestem Wissen und Gewissen ermöglicht, ist eine sehr wertvolle Fähigkeit!

Ohne Urteilsvermögen hat man wenig Überzeugungskraft und kann seine Mitmenschen dann nur noch mit manipulativen Methoden beeinflussen, d.h. auf eine Weise, die der Würde des Menschen nicht entspricht.

Der biblische Text in der vorliegenden vom göttlichen Regisseur der Bibel bestimmten Form hilft dem Gläubigen hervorragend, sein Urteilsvermögen zu üben. Er kann sich vor Missverständnissen nur schützen, indem er den "roten Faden" der Texte erkennt. Dazu muss er geistliche Prioritäten erkennen und respektieren (Polarität der Bibel), sorgfältig beobachten, auf Unstimmigkeiten achten und sie im Lichte dieser Prioritäten auswerten.

Dabei ist aber eines unbedingt zu beachten:

Wenn der Gläubige urteilt, dann darf er sich auf gar keinen Fall für klug halten (Rö 12,16), und auch nicht für klüger als das zu beurteilende Bibelwort. Dünkel und Selbstüberschätzung führen unweigerlich zu großen Irrtümern, zu Blindheit und Dummheit. "Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen schenkt er seine Gnade" (Jak 4,6) "Wenn du jemand siehst, der meint, weise zu sein, dann besteht für einen Dummkopf mehr Hoffnung als für ihn." (Spr 26,12)

Wenn der Gläubige urteilt, urteilt er niemals eigenmächtig, sondern ist Gott dankbar, zum einen dafür, dass Jesus Christus ihm seine unfehlbaren Qualitätsmaßstäbe geschenkt hat, die ihm helfen, den Segen der göttlichen Wortes aufzuschließen. Zum anderen ist er dankbar dafür, dass Gott ihm mit der Freiheit zum selbständigen unbeinflussten Urteilen ( Mündigkeit) einen großen Vertrauensvorschuss geschenkt hat, dass er diese Freiheit nicht in fleischlicher Weise missbrauchen wird. Er urteilt demütig, wenn er daran denkt, wie oft es geschehen ist, dass auch große Persönlichkeiten des christlichen Glaubens die Bibel trotz all ihrer Begabungen zum Schaden ihrer Mitgläubigen missverstanden haben. Er urteilt immer betend, weil er auf Gottes Weisheit angewiesen bleibt, die Gott dem Glaubenden verheißen hat (Jak 1,5). Ohne diese Weisheit würde er auch die Maßstäbe Jesu sehr bald falsch anwenden.

Leider ist die traditionell-bibeltreue Theologie der Ansicht, dass Gott dem Gläubigen diesen Vertrauensvorschuss nicht geben kann. Es sei daher die Pflicht des gehorsamen Gläubigen, die beobachteten Unstimmigkeiten - insbesondere in der Ethik - zu ignorieren oder zuzudecken. Auch der geisterfüllte Gläubige müsse hier sein Denken unverzüglich ausschalten, da der Verstand aller Menschen ohne Ausnahme durch den Sündenfall irreparabel verdorben worden sei.

Was sagte Paulus? "Der geistlich gesinnte Mensch beurteilt ALLES" (1.Kor 2,15). Da dieser Vers und viele andere nicht zur offiziellen Doktrin passen, wird er natürlich nicht berücksichtigt.

Die inzwischen deutlich erkennbaren Folgen dieser falschen Lehre ist eine weitgehende Blindheit und Ignoranz gerade in den Bereichen, in denen die Gemeindeleitung in besonderer Verantwortung steht: Rechtspflege, Mission und Seelsorge.

Rechtspflege: Die traditionell-bibeltreue Theologie ist seit Jahrzehnten offenbar weder in der Lage noch bereit, ein funktionierendes Schiedsgericht nach 1.Kor 6,1ff / Mt 18,15ff in christlichen Gemeinden einzurichten - obwohl man die Notwendigkeit theoretisch (!) betont. Letztlich verhalten sich traditionell-bibeltreue Gemeinden, wenn Menschen durch Gläubige geschädigt werden, nicht viel anders als die katholische Kirche sich lange Zeit gegenüber Missbrauchsopfern verhalten hat (Die Ausnahme bestätigt die Regel!). Wie es um die Rechtspflege in "bibeltreuen" Gemeinden bestellt ist, kann der geneigte Leser leicht selbst feststellen, indem er die Ältesten solcher Gemeinden bittet, die Broschüre Liebe ohne Fairness den Gläubigen vorzustellen. Falls ihm ein Text bekannt ist, der besser geeignet ist, den schiedsgerichtlichen Dienst unverzüglich einzurichten, kann er ihn stattdessen vorschlagen. Er wird feststellen, dass in den meisten Fällen kein ernsthaftes Interesse an diesem Thema vorhanden ist, obwohl es sich hier um eine wichtige Sicherheitsmaßnahme handelt, die sowohl Paulus als auch Jesus gefordert haben (s.o.). Ihre Gebote werden stillschweigend ignoriert.

Mission: Da die Traditionell-bibeltreue Theologie den Widerspruch zwischen den Qualitätsmaßstäben Christi und ethisch problematischen Textstellen leugnet, wird man die Erscheinungsform Gottes als Vater im Himmel und als sein Sohn Jesus Christus als zwei verschiedene Charaktere wahrnehmen. Sie sind aber nur eine einzige Person mit einem einheitlichen Charakter, der nicht schizophren, sondern unveränderlich gut ist (Jak 1,17 / Hebr 13,8). Da die traditionell-bibeltreue Theologie hier keine glaubwürdige Auflösung liefert, macht sie es den muslimischen Gläubigen unendlich schwer, zu erkennen, dass beide Erscheinungsformen nur eine Person der göttlichen Dreieinigkeit sind. Muslime werden deshalb das Neue Testament immer als Kardinalsünde, als gotteslästerlichen Verstoß das wichtigste Gebot: "Du sollst keine anderen Götter haben neben mir!" (2.Mo 20,3) ansehen. Die traditionell-bibeltreue Theologie betont zwar auch die Tatsache der Dreieinigkeit - aber nur theoretisch! Es bleibt ein Lippenbekenntnis. Praktisch verhält sie sich so, dass diese Lehre unglaubwürdig wird (Man macht es hier genauso wie beim Thema Schiedsgericht!). Sie ist damit dafür verantwortlich zu machen, dass sie viele Muslime davon abhält, sich überhaupt mit dem christlichen Glauben zu befassen. Auch gerade denkende Menschen - ob nun Muslim oder nicht - werden vom christlichen Glauben abgestoßen, weil die Irrtumslosigkeitsdoktrin über kein ordnendes Prinzip verfügt, das ein zweideutiges, unzuverlässiges Gottesbild überzeugend ausschließt. Allgemein auffällig ist, dass über die Schwächen der eigenen Theologie nicht offen und ehrlich gesprochen werden kann. Der hohe wissenschaftliche Aufwand, den die traditionell-bibeltreue Theologie treibt, ist deswegen an der Wurzel (!) nur Fassade und dient dazu, der Öffentlichkeit Seriosität vorzugaukeln. Auch beeindruckende Leistungen in Teilbereichen dienen letztlich dieser Täuschung.

Seelsorge: Traditionell-bibeltreue Theologie hat die Gemeinde unfähig gemacht, auf seelische Schäden durch die eigene Theologie zu reagieren, da jeder Zweifel an der eigenen Theologie als Wahnvorstellung, als Folge der Verderbtheit des Verstandes vom Tisch gewischt wird. Dadurch werden immer wieder Menschen in der Seele schwer geschädigt (siehe Gefahren für die seelische Gesundheit).

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Vater-Gott

Für jüdische und moslemische Gläubige ist es ein großer Anstoss, dass das neue Testament von Gott dem Vater und von Gott dem Sohn redet. Auch manche Christen haben damit Probleme, da sie dadurch die Frau abgewertet sehen.

Es geht hier aber nicht um verschieden Personen, sondern um ein Geheimnis. Gott ist eine einzige Person, hat aber verschiedene Erscheinungsformen (Dreieinigkeit).

Er nimmt Menschen gegenüber die Vater- oder Sohnesrolle ein, um bestimmte Erkenntnisse zu vermitteln.

Er vergleicht sich auch manchmal mit einer Mutter (Ps 131,2 / Jes 49,15 / Jes 66,13). Und Mann und Frau sind beide nach dem Ebenbild Gottes geschaffen, nicht nur der Mann (1.Mo 1,27).

Doch die Betonung liegt auf der Vaterrolle, die übrigens auch dem Sohn zugeschrieben wird: "Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst" (Jes 9,5).

"Sohn" lässt sich Gott deshalb nennen, weil er die, die dem Vorbild seiner "Sohn"-Erscheinung nacheifern, d,h, Jünger sind, zu Brüdern (Mk 3,35 / Hebr 2,11) und Freunden erheben will (2.Mo 33,11 / Jo 15,15).

"Vater" lässt sich Gott deshalb nennen, weil er ein herrliches Erbe zu geben hat. Sowohl in der jüdischen wie auch in der römischen Kultur war es der Vater, durch dessen testamentarische Verfügung das Erbe in den Besitz des Kindes überging. Würdig dieses Erbes ist allein er selbst, der sich uns der "Sohn" Jesus Christus offenbart. Aber durch den Glauben an seinen "Sohn" kann jeder Mensch zu einem Gotteskind werden (Joh 1,12) und darf dann Gott als seinen Vater im Himmel ansprechen (Gal 4,6). Allein aus Gnade und Liebe zu uns Menschen werden wir durch den Glauben an Jesus Christus gleichzeitig Miterben Christi (Rö 8,17).

Dieses Erbe wird durch das neue Testament verbrieft. Eine Schriftrolle mit sieben Siegeln war zur Zeit des alten Roms ein Testament. Nach Offenbarung Offb 5,1-7 ist nur das Lamm (Jesus Christus) würdig, diese Siegel zu öffnen. Hier sehen wir Jesus Christus als den Erben, den auch heute noch sogenannten Testamentsnehmer.

Wer nicht mit Jesus Christus verbunden ist, und seinen Geist nicht hat, kann nicht erkennen, was das für die Gläubigen bedeutet. Die Bibel bleibt für ihn stumm: sie bliebt für ihn ein "Buch mit sieben Siegeln".

(Nach einem Vortrag von Oliver Wolfram

 

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Verbesserung des Glaubensbekenntnisses

Das bisherige Glaubensbekenntnis hat einen gravierenden Mangel. Es wird zwar der Glaube an „die Gemeinschaft der Heiligen“ bekräftigt, aber es bleibt völlig unklar, woran denn diese Gemeinschaft zu erkennen ist und ob sie in der Lage ist, zwischen Heiligkeit und Scheinheiligkeit zu unterscheiden. Anstatt eine Hilfe zur dieser Unterscheidung zu geben, folgt im Glaubensbekenntnis sofort die Absolution: „...ich glaube an die Vergebung der Sünden.“ Das ist ein falsches Signal!

Für das Glaubensbekenntnis wäre es deshalb ein großer Gewinn, wenn man man in einem eingeschobenen Satz erläutern würde, was denn nun die "Gemeinschaft der Heiligen" besonders auszeichnet.

Das Kennzeichen der christlichen Gemeinschaft ist die Liebe untereinander. Da unter "Liebe" heute alles Mögliche verstanden wird: vom verlogenen Frieden, der alles Böse unter den Teppich kehrt bis zur Angewohnheit, gewohnheitsmäßig freundlich zu lächeln, ist es besser, die Merkmale der Liebe zu nennen, wie sie Jesus genannt hat.

Der verbesserte Satz könnte heißen:

"Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen,

denen Jesus Christus, unser Herr,

die Barmherzigkeit, die Gerechtigkeit und die Treue

als wichtigste Gebote vor Augen gestellt hat
".

Dann würde das Bekenntnis zur "Gemeinschaft der Heiligen" nicht mehr zur gedankenlosen Selbstbestätigung dienen, sondern dazu aufrufen, sich wirklich um diese Eigenschaften zu bemühen, die Jesus "das Wichtigste im Gesetz" nannte (Mt 23,23).

In diesem Satz bleibt unerwähnt, wie sich die eigene Gemeinde tatsächlich dazu verhält. Aber es ist ein Maßstab da, an dem sie sich messen kann. Auf diese Weise würde das Bekenntnis zur "Gemeinschaft der Heiligen" nicht mehr zur gedankenlosen Selbstbestätigung und zur Selbsttäuschung dienen, sondern dazu aufrufen, sich wirklich um diese Eigenschaften zu bemühen, die Jesus als das „Wichtigste im Gesetz" bezeichnete (Mt 23,23). Das aktuelle Glaubensbekenntnis wirkt leider so, als wenn ihm immer mehr die Kraft ausgeht. Dank der empfohlenen Erläuterung wäre es auch am Ende noch so stark wie am Anfang.

Tatsache ist auch: wir werden immer wieder mit evangelikalen Gemeindeleitern konfrontiert sein, die diese Klarheit nicht wollen. Jesus hat einst den Schriftgelehrten vorgeworfen, dass sie andere Gebote für wichtiger ansahen als die Bemühung um diese Eigenschaften (ebd.)

Wer erinnert in unserer Kirche an die absolute Priorität dieser Eigenschaften? Wer könnte besser daran erinnern, als das sonntägliche Glaubensbekenntnis? Gemeinden, die biblisches Recht ernstnehmen, können sich an dieser Änderung des Glaubensbekenntnisses erkennen.

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Verderbtheit des Verstandes

Die traditionell-bibeltreue Theologie muss niemanden, der sie auf Fehler und Schwächen ihrer Theologie hinweist, ernstnehmen, denn der Zweifel an der Irrtumslosigkeitsdoktrin offenbart angeblich nur eine prinzipielle Blindheit des Verstandes, die dem Sündenfall zu verdanken ist. Man beruft sich hier auf das Wort des Paulus: "Der natürliche Mensch nimmt geistliche Realität nicht wahr. Sie ist für ihn eine Torheit und er kann sie nicht erkennen, denn hier muss mit Hilfe des Geistes geurteilt werden." (1.Kor 2,14).

Da fragt man sich aber wirklich, warum Gläubige, die sehr viel heiligen Geist zeigten und tiefer verstanden und geglaubt haben als viele ihrer Zeitgenossen - wie z.B. Dietrich Bonhoeffer - die Irrtumslosigkeitsdoktrin abgelehnt haben?

Auch der biblische Befund steht dieser Behauptung entgegen! Denn wie geht das Pauluszitat weiter? "... Der geistliche Mensch aber beurteilt alles und wird doch selber von niemandem beurteilt." (1.Kor 2,15)

Beurteilt ALLES? Jesus und Maleachi haben über das alttestamentliche Eherecht geurteilt. Warum verbietet dann die traditionell-bibeltreue Theologie Gläubigen sich ein Urteil über ethisch-problematische Textstellen zu bilden - auf der Basis der Qualitätsmaßstäbe Christi? Haben diese Maßstäbe nun höchste Priorität oder nicht? Wenn sie höchste Priorität haben (Mt 23,23), warum darf man sie dann zum Beurteilen nicht verwenden? Wenn das Urteilen eingeschränkt werden muss, wie kann dann Paulus sagen, dass der geistliche Mensch ALLES beurteilt? Seine geistliche Motivation beweist er ja nach Sicht der traditionell bibeltreuen Theologie dadurch, dass er über die Problemstellen nicht urteilt. Und wenn er nicht einmal die göttlichen Qualitätsmaßstäbe zur Prüfung verwenden darf, wie kann er dann Gott vertrauen? Wie soll man jemandem vertrauen, der nicht einmal seine eigenen Maßstäbe ernstnimmt, sondern sie - wo es ihm beliebt - annulliert?

Was hat Paulus mit seinem Satz gemeint? Es geht darum, dass der natürliche Mensch das "Wort vom Kreuz" (1.Kor 1,18) nicht versteht. Der natürliche Mensch sieht nicht ein, dass er durch Sünde vom heiligen Gott getrennt ist und dass Gott das größte Opfer bringen musste, um wieder den Zugang zu ihm zu ermöglichen (Rö 5,2). Das ist das, was der natürliche Mensch nicht sehen will und kann.

Dass Paulus sich zur Irrtumslosigkeit der Bibel hat äußern wollen, ist eine reine Unterstellung, die sich nicht beweisen lässt - im Gegenteil: mit diesem tautologischen Denkansatz kann man seine Anhängerschar gegenüber jeder berechtigten Kritik vortrefflich immunisieren, so dass auch manipulative Methoden, wie sie bei Sekten üblich sind, wieder selbstverständlich ohne die geringsten Bedenken verwendet werden können.

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Volkskirche

Soweit Gläubige geübt sind, unter Anleitung ihrer Theologen unbequeme Textstellen der Bibel zu verdrängen, werden sie auch dazu neigen, von geschichtlichen Fakten nur einen Ausschnitt, der in ihr geschöntes Weltbild passt, wahrzunehmen.

So ist kaum bekannt, dass Luther keineswegs der sanfte und friedliche Mann gewesen ist, wie er beispielsweise von Joseph Fiennes im 2003 gedrehten "Lutherfilm" dargestellt wurde. Luther stellt sehr bald fest, dass das "reine Evangelium" kaum jemanden interessierte: "Ich habe die Leute nicht".

Doch die Mächtigen hatten Interesse an Luther, der ihnen half, den Einfluss des Papstes zurückzudrängen. Um eine Gegenkirche aufzubauen, musste Luther in theologischer Hinsicht Kompromisse machen und insbesondere musste er die Methoden des Papstes, alle Andersdenkenden und Kritiker zu verfolgen, übernehmen.

Auszug: Wer Kritik an Luthers Lehre übte, der musste damit rechnen, als Aufrührer betrachtet zu werden. Ein Verhafteter soll laut Luthers Anweisung, unverhört, also ohne Gerichtsverhandlung gerichtet werden. Luther ruft das Volk auf, dass wo immer ein „Täufer“ oder ein Andersgläubiger oder Prediger „wie fromm und rechtschaffen er sei“ auftaucht und „heimlich zu lehren“ beginne, dies unverzüglich dem Pfarrer zu melden sei, ansonsten derjenige selbst zum Geächteten und Gejagten gleich dem „Schleicher“ zum „Dieb“ und „Schalk“ wird und somit des Todes ist. Luther betonte, dass es nicht darauf ankomme „wie fromm und rechtschaffen“ jemand sei. Er präzisierte sogar: „... wenn sie gleich das reine Evangelium wollten lehren, ja wenn sie gleich Engel und eitel Gabriel vom Himmel wären.“ Diese Leute sollen, so Luther wörtlich, dem Henker (Meister Hans) übergeben werden. Dies zeigt wiederum deutlich, dass Luther sich nicht an Jesus anlehnte, sondern, selbständig wie er war, mit all seiner Energie und ganz konzentriert nur das eine Ziel verfolgte: Die Errichtung einer lutherischen Staatskirche. Der Erfolg: In nur gut 10 Jahren Aufspürungs- und Verfolgungsarbeit der Lutheraner war die Staatskirche Luthers weitgehend von den „Wiedertäufern“ gesäubert und gefestigt.

(Aus: Die Neo-Lutheraner)

Bis heute ist in der ev.-lutherischen Landeskirche die jeweils höhere klerikale Hierarchiestufe weisungsbefugt in Lehrfragen und bei der Besetzung der Ämter, und zwar kraft ihrer Position, nicht etwa kraft geistlicher Autorität und Bewährung im Glauben. Ob die Gemeinde der Leitung und Lehre nach ihrem Gewissen zustimmen kann, ist völlig irrelevant. In etlichen Gemeinden ist es völlig undenkbar, dass ein Pastor seiner Gemeinde Rechenschaft gibt, dass er im Sinne Jesu gehandelt hat. Dass der heilige Geist aus freiem Willen jemand anderen berufen, begaben und mit höherer Autorität ausstatten könnte, ist dort trotz des biblischen Zeugnisses undenkbar. Auf diesem Boden blüht ein abergläubisches Amtverständnis: Erklärungen des Pastors werden als "Gottes Stimme" angesehen. Was immer er zu Lehrfragen sagt, wird ungeprüft übernommen. Wenn er die Vergebung "vollmächtig" zuspricht oder ein bestimmtes Verhalten gutheißt, dann hat das Gewissen zu schweigen.

Bei fehlender Rechenschaft gegenüber der Gemeinschaft der Heiligen ist es kein Wunder, wenn wichtige Amtspflichten wie die faire Konfliktschlichtung einfach ignoriert werden, wenn Gelder vereinnahmt werden, die nach dem Korban-Verbot Jesu Angehörigen und Geschädigten zustehen und wenn immer wieder unreine Motive hinter Aktionen in der Gemeinde stehen.

Dieser Schaden wirkt bis in die Freikirchen hinein, sofern sie sich am Vorbild der Landeskirche orientieren.

Bei den Mächtigen erwarb sich Luther viel Ansehen, weil er wortgewaltig zur massenhaften Abschlachtung der aufständischen Bauern aufrief und dazu gleich die Absolution erteilte.

Dabei war das, was die Bauern wollten, ein von Willkür und Rechtsunsicherheit befreites Gemeinwesen, wie es auch die Propheten des Alten Testamentes gefordert hatten. Die Bauern waren bereit, ihre Forderungen durch die Heilige Schrift korrigieren zu lassen (siehe Zwölf Artikel der Bauernschaft).

Doch hören wir Luther im Originalton:

[Auszug:] „Drum soll hier zuschmeißen, würgen und stechen, heimlich oder öffentlich, wer da kann, und gedenken, dass nichts Giftigeres, Schädlicheres, Teuflischeres sein kann, denn ein aufrührischer Mensch. Gleich als wenn man einen tollen Hund totschlagen muss ...“ (1525, Tomos 3, S. 124) [Ende des Auszuges]

Der Ablass wurde dabei gleich mit gewährt:

[Auszug:] „Solch wunderliche Zeiten sind jetzt, dass ein Fürst den Himmel mit Blutvergießen verdienen kann, besser denn andere mit Beten.“ Bleibst du drüber tot, wohl dir, seliglicheren Tod kannst du nimmermehr überkommen. Denn du stirbst im Gehorsam göttlichen Wortes und Befehls, Röm. 13, 4, und im Dienst der Liebe ...“ Luther predigte, dass, wer seine Feinde umbringt, im Dienst der Liebe, im Dienste Gottes steht und dafür im Himmel belohnt wird. [Ende des Auszuges]

„Der Name „Bauernkrieg“ täuscht über die Breite der Bewegung vor 475 Jahren hinweg. Gerade in Franken war der Bauernkrieg eine „Christliche Vereinigung“ oder „Christliche Brüderschaft“ gegen die „Pfaffenherrschaft“. Klerus und Adel sollten ihre Privilegien auf Kosten einer staatsbürgerlichen Rechtsgleichheit aufgeben. Die Pfaffen und Prälaten sowie die Adligen sollten wie alle ihr Brot mit ehrlicher Arbeit selber verdienen und sich an ein Bürgerrecht halten müssen.“ Entschiedenste Wortführer wären studierte Geistliche oder Laienprediger gewesen und die ganze Bewegung war nicht auf Blutvergießen ausgerichtet sondern hatte eine staatsbürgerliche Rechtsgleichheit zum Ziel: „Innerlich waren die meisten zu einer blutigen Konfrontation wahrscheinlich noch gar nicht bereit.“ „Der Bauernkrieg ist die einzige größere Revolution im Namen Christi geblieben,“ schreibt Carlheinz Gräter in der MAIN-POST und „Lange vor Thomas Jeffersons viel gerühmter Erklärung der Menschenrechte 1776, lange vor den Parolen Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit der Französischen Revolution 1789, hat die „Christliche Brüderschaft“ am Main das Prinzip staatsbürgerlicher Rechtsgleichheit proklamiert. Das bedeutete damals eine revolutionäre Kampfansage an die alten Gewalten.“

(Aus: Die Neo-Lutheraner

Durch das "Bauernopfer" verpflichtete sich Luther die Fürsten, die ihn beim Aufbau einer Staatskirche unterstützten. Luther hat der teuflischen Versuchung zur Macht, der auch Jesus Christus ausgesetzt war (Mt 4,8ff), nicht widerstanden, sondern jämmerlich versagt. Sein Beispiel lehrt, welch schlimme Folgen es haben kann, wenn man sich vom Götzen "Erfolg" bestimmen lässt.

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Werkgerechtigkeit

Werkgerechtigkeit ist Aberglaube. Der "Gläubige" ist der Überzeugung, den allmächtigen Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, durch sein Verhalten zum eigenen Vorteil beeinflussen und lenken zu können. Genausogut kann man sagen, der Gläubige versucht, sich den Schöpfer des Universums mit Wohlverhalten zu kaufen. Werkgerechtigkeit ist immer ein frommer Handel. Wenn man sich - wie gewünscht wird - verhält, dann - so glaubt man, erwirbt man einen Anspruch auf die Gegenleistung Gottes, die in diesem Leben in materiellem Glück und nach dem Tode im Erwerb der ewigen Glückseligkeit besteht.

Paulus, der erst ähnlich dachte, erkannte durch die Begegnung mit Jesus, welch schlimme Selbsttäuschung die Werkgerechtigkeit ist. Er erkannte, dass selbst seine frömmsten Taten vom Eigennutz vergiftet waren. Auch der frömmste Mensch hat nichts anderes verdient als den Tod und die Hölle. Eine Zeitlang verzweifelte an dieser Erkenntnis, bis er dann erkannte, wie das neue Leben aussieht, dass Gott all seinen Kindern schenkt (Heiligung).

Es beginnt mit dem Vertrauen, dass Gerechtigkeit nicht durch eigene Bemühungen erworben wird, sondern dass sie "zugerechnet" wird. Jesus allein war ohne Sünde, und die Sündlosigkeit rechnet Gott jedem Menschen, der auf Jesus Christus vertraut, zu (Rö 4,3 ff /Phil 3,9).

Wer Jesus vertraut, nimmt aber nicht nur diese Zurechnung in Anspruch, sondern er hat auch den Wunsch, Jesus immer ähnlicher und vom Eigenutz immer freier zu werden. Mehr als diesen Wunsch zu stärken durch engen Kontakt mit seinem Herrn, mit seinem heiligen Wort und mit der christlichen Gemeinde und immer im Gebet zu sein, dass ihm doch Gott die Weisheit geben und ihm zeigen möge, wie auf glaubwürdige Weise mehr von diesem Wunsch verwirklicht werden könne, kann und darf er nicht bringen.

Aber weniger auch nicht! Andernfalls wäre es gar kein echtes Vertrauen, sondern wieder dreistes Anspruchsdenken, wieder Aberglaube. Ein Aberglaube, der leider auch in der lutherischen Volkskirche weit verbreitet ist. Man denkt dann in etwa so: "Wer glaubt, dass Jesus alles erledigt hat, der hat das Heil sicher, ganz egal ob er Heiligung wünscht oder darum betet." Voltaire hatte einst zynisch gesagt: "Jesus muss ja sowieso vergeben. Es ist ja nun einmal sein Job". Wahr ist: "Billige Gnade" ist ein gefährlicher Irrtum! Echte Gnade wird niemals durch Lippenbekenntnisse und Heuchelei erworben!

Es ist und bleibt wahr und für viele Gläubige schwer zu fassen: der Christ, der in der rechten Weise Jesus Christus vertraut, ist völlig frei "zu tun, was er will". Allerdings kann er sein Recht innerhalb der Gemeinde nur innerhalb der Grenzen in Anspruch nehmen, die ihm das gültige Recht der Gemeinschaft setzt. Dieses Recht der Gemeinde sollte sich strikt am Neuen Testament orientieren und andernfalls baldmöglichst korrigiert werden.

Wenn manchmal geistliches Wachstum auf sich warten lässt, dann kommt die Versuchung, Gott mit eigenen Mitteln zu helfen, so wie Abraham einen Sohn mit Hagar zeugte, weil zu lange auf den verheißenen Sohn warten musste. Für ihn war damit nichts gewonnen. Die "Notlösung" stärkte keinesfalls seinen Glauben. Stattdessen gab es unaufhörlichen Streit im Haus, ein Unfrieden, der bis auf den heutigen Tag zwischen den Nachkommen der beiden Söhne steht.

Paulus verwendete dieses Beispiel aus dem Alten Testament (Gal 4,22 ff), um zu illustrieren, dass das Leben mit Gott ein Leben ganz aus Gnaden bleiben muss: "aus Glauben in Glauben hinein".(Rö 1,17) Es macht keinen Sinn, das, was durch den Geist Gottes begonnen wurde, mit eigener Leistungs- und Willenskraft fortzusetzen (Gal 3,3).

Nun ist Werkgerechtigkeit ein sehr naheliegender, allzumenschlicher Gedanke: "hilf dir selbst, dann hilft dir Gott..." Echter Glaube ist immer wieder in Gefahr, durch werkgerechte Gedanken wie mit Sauerteig durchdrungen und vergiftet zu werden (Mt 16,6 / Gal 5,9).

Deshalb ist es nötig, sorgfältig auf mögliche Quellen der Werkgerechtigkeit zu achten.

Die traditionell-bibeltreue Theologie hat große Mühe, die nötige Distanz zur Werkgerechtigkeit - die sie natürlich auch nicht will - zu halten.

Das liegt daran, dass sie zum einen tatsächliche Eigenleistungen fordert, z.B. das teilweise Opfer der Authentizität und Überzeugungskraft, womit menschliche Würde teilweise preisgegeben wird. Auch fordert sie fleischliche Leistungen, indem sie eindeutig biblische Freiheitsrechte und die Mündigkeit des Gläubigen nachträglich einschränkt, und von diesem Verzicht die Anerkennung als vollwertiges Mitglied der christlichen Gemeinde abhängig macht.

Weil sie zum anderen keine überzeugende Antwort auf ethisch problematische Textstellen geben kann, bleibt bei etlichen Gläubigen das zweideutige Bild eines Gottes zurück, der manchmal willkürlich Böses tut. Sie können dann kein tiefes Vertrauen zu Gott entwickeln. Um sich gegen Unsegen abzusichern, kommt es dann doch wieder zu werkgerechten Bemühungen. Sie wissen zwar theoretisch, dass Werkgerechtigkeit falsch ist, betreiben sie aber praktisch - in schizophrener Weise - weiter, da sie ohne Vertrauen keinen Zugang zu echter Heiligung, der einzigen Alternative haben können.

Ist die Theologie einer Gemeinde übertrieben buchstabentreu, d.h. wird die Beachtung äußerlicher Formen wichtiger als die Inhalte, die sie repräsentieren, dann ist die Gefahr ebenfalls sehr groß, dass auf falsche Motive nicht geachtet und andere Maßstäbe über die Qualitätsmaßstäbe Christi gestellt werden. Wie soll man unter diesen Bedingungen verstehen, was Gott mit Heiligung meint? In das Vakuum dringen dann natürlich wieder werkgerechte Vorstellungen ein. In der Folge kommt es sogar zur absurdesten Form der Werkgerechtigkeit, die Jesus in seinem Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner beschrieben hat: der Stolz auf die eigene fromme Leistung. (Lk 18,9 ff).

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Widersprüche in der Bibel

siehe Antinomie

siehe Formale Widersprüche

siehe Übungstexte

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Wörtliches Missverstehen

Nach biblischer Priorität gilt: "Der Inhalt ist wichtiger als die Form" (Rö 2). Die Prüfung des Inhalts stellt immer einen Bezug zu den Qualitätsmaßstäben Christi her.

Wird diese biblische Ordnung ignoriert, dann meint der Gläubige dem Willen Gottes desto besser zu entsprechen, je enger er dem Wortlaut der Bibelstelle entspricht. Der Grad der formalen Übereinstimmung garantiert für die Heiligkeit der Auslegung. Weil die formale Übereinstimmung die Heiligkeit garantiert, kann die Auslegung durch den Hinweis auf schädliche Folgen nicht mehr in Frage gestellt werden. Ist der Hinweis auf schädliche Folgen tabu, so ist der Inhalt der Form nachgeordnet. Damit stellt man - ohne es zu merken - ein grundlegendes biblisches Prinzip auf den Kopf und erliegt den typischen gesetzlichen Illusionen. Die Folge sind gefährliche, aber auch harmlose Missverständnisse.

Gefährliche Missverständnisse:

"Wer am Sabbat Arbeit tut, soll ausgerottet werden aus meinem Volk" (2.Mo 31,14). Dies führte zum Fehlschluss, dass man am Sabbat gar nichts tun darf. Jesus aber setzte dagegen, dass man am Sabat Gutes tun darf (Mt 12,12) und nennt das Grundprinzip auch der strengsten Gebote: "Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen." (Mk 2,27). Dieser Satz beschreibt auch sehr eindrücklich den Unterschied zwischen bloß wörtlich-formalem und inhaltlichem Verstehen. Die folgenden schlimmen Beispiele zeigen, wie oft das Gebot wichtiger wurde als der Mensch. Statt statt ihm zu nützen und zu helfen, schadete es ihm. Gott will solche Auslegung nicht: "Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig" (2.Kor 3,6)

"Sein Blut komme über uns und unsere Kinder" (Mt 27,25). Mit dieser Selbstverfluchung, die Jesu Ankläger vor Pilatus äußerten, wurde später immer wieder die Verfolgung der Juden gerechtfertigt, im Wahn, dass Christen diesen Fluch an allen Juden vollstrecken dürften.

"Das Weib fürchte (grie: "phobetai") den Mann" (Eph 5,33). Wortwörtliches Verständnis: Rechtfertigung von Tyrannei und Machotum des Mannes in der Familie!

"Wer seine Rute schont, hasst seinen Sohn" (Spr 13,24). Wortwörtliches Verständnis: Rechtfertigung primitiver frommer Prügelpädagogik, die dank völliger Einschüchterung der Überzeugungskraft nicht mehr bedarf.

"Ihr Sklaven, gehorchet euren Herren" (Eph 6,5): Wortwörtliches Verständnis: Duldung von Menschenjagden und Sklavenhandel durch "christliche" Regierungen bis 1776.

"Wer dich schlägt, dem halte die andere Backe auch hin" (Mt 5,39). Wortwörtliches Verständnis: der Gläubige ist zu feigem Duckmäusertum verpflichtet und muss bei Unrecht tatenlos zusehen. Auch in der Gemeinde wird Unrecht wortlos geduldet.

"Närrische Scherze ziemen euch nicht" (Eph 5,4). Wortwörtliches Verständnis: der Christ sündigt, wenn er mal einen Scherz macht. Manche Frommen meinten sogar, dass Christus nie gelacht habe, weil es nicht in den Evangelien berichtet wird. Folge: eine verkrampfte Lebenseinstellung, die zum Trübsinn neigt. In den Psalmen wird aber doch berichtet, dass Gläubige lachen sollen (Ps 126,2). Kinder lachen gerne und sollen Christen in ihrem Verhalten (1.Kor 14,20) - nicht in ihrem Denken! - ein Vorbild sein (Mt 18,3).

"Seid untertan der Obrigkeit" (Rö 13,1). Wortwörtliches Verständnis: der Gläubige darf nichts zum Sturz einer verbrecherisch handelnden Regierung beitragen. Die Mehrheit der Christen Deutschlands haben sich im dritten Reich so verhalten.

"Gehorcht euren Lehrern und folgt ihnen" (Hebr 13,17) Wortwörtliches Verständnis: Ein Christ muss sich der Gemeindeleitung kritiklos unterwerfen, auch wenn sie selbst geistliche Autorität außerhalb des Amtes nicht respektiert (Laien-Bote). Die Autorität des Gemeindeleitung ist aber an die treue Erfüllung seelsorgerlicher Pflichten gebunden "...denn sie wachen über eure Seelen und müssen dafür später Rechenschaft ablegen" (Hebr 13,17).

"Alles ist möglich dem, der da glaubt" (Mk 11,24). Wortwörtliches Verständnis: wenn Gott meine Wünsche nicht erfüllt, dann bestraft er mich damit, weil irgendeine Sünde zwischen mir und ihm steht (Jes 59,1-2).

"Verflucht sei, der sich auf Menschen verlässt" (Jer 17,5). Wortwörtliches Verständnis: es ist Sünde, bei Krankheit einen Arzt zu rufen, da der gehorsame Glaube alles möglich macht und notwendigerweise zur Heilung führt. Ein Satz aus dem AT scheint diese Interpretation zu bestätigen: "Und Asa wurde krank an seinen Füßen ... und seine Krankheit nahm sehr zu; und er suchte auch in seiner Krankheit nicht den HERRN, sondern die Ärzte." (2.Chr 16,12). In einer kleinen Gemeinde in Indiana liegen schon über 50 Opfer dieser Bibelauslegung auf dem Friedhof (vgl. Philipp Yancey, Von Gott enttäuscht, Metzingen/Württ., S.16-17)

"Wenn dich dein Auge zur Sünde verführt, steche es aus" (Mt 5,30). Das wortwörtliche Verständnis brachte einen Menschen wie Origines in eine unmenschliche Zwangslage. Er kastrierte sich selbst, um nicht durch sexuelle Begehrlichkeit in die Hölle zu kommen. Hat Jesus das gemeint? Das Wort "begehren" (grie: epithumesai) verweist aber auf das im Zehngebot genannte Verbot des "Begehrens", mit dem der Wille, etwas Unerlaubtes in seinen Besitz zu bringen, gemeint ist, was nicht nur die Frau des Nachbarn, sondern auch sein Haus oder sein Esel sein kann (2.Mo 20,7). Es gibt also keinen Beweis, dass hier sexuelle Phantasien gemeint sind, sodass der Gläubige nicht daran verzweifeln muss, dass er mit Hormonen geschaffen worden ist.

"Esst das Fleisch nicht mit seinem Blut, weil das Leben darin ist" (1.Mo 9,4 / Apg 15,20). Nicht nur das wortwörtliche Verständnis, sondern seine sinnlose Überspitzung zum Bluttransfusionsverbot hat bei den Zeugen Jehovas zu vielen vermeidbarten Familientragödien geführt und wird auch weiter dazu führen.

"Wer Sünde tut, ist vom Teufel" (1.Jo 3,8). Das wortwörtliche Verständnis führt zur Lehre, dass der Christ einen Zustand der Heiligkeit erlangen muss, in dem er sich keiner Sünde mehr bewusst wird. Da die Bibel vom Gläubigen "Vollkommenheit" (Mt 5,48) verlangt, führt das zum Schluss: "fortgesetzte Unvollkommenheit" ist ein Beweis für die Zugehörigkeit zum Teufel, mithin für den Verlust des Heils. Das führt verständlicherweise zu einem sehr oberflächlichen Vorstellung von "Vollkommenheit" bzw. zur Unfähigkeit, sich auf Fehlverhalten hinweisen zu lassen. Wie merkwürdig: derselbe Autor schreibt auch: "wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst" (1.Jo 1,8).

"Das Gesetz des Herrn ist vollkommen" (Ps 19,8) Das wortwörtliche Verständnis führt zum Fehlschluss, dass die Bibel keine fehlerhaften Aussagen enthält (Irrtumslosigkeitsdoktrin). Wie durch andere biblische Befunde leicht zu beweisen, redet die Bibel hier im Pauschalstil. Die Annahme einer fehlerlosen Bibel hat angesichts ethisch problematischer Textstellen äußerst schädliche Auswirkungen auf das Gewissen, auf die Ethik und die Fähigkeit, eigene Auslegung selbstkritisch mit Hilfe der Qualitätsmaßstäbe Christi zu beurteilen. Hierdurch können erhebliche Risiken für einzelne, sensible Gläubige, aber auch für die Gemeinde entstehen.

Eher harmlose Missverständnisse: kulturell bedingte Einschätzungen wie die Meinung des Paulus zum Schweigen der Frau in der Gemeinde (1.Kor 14,34) und zur Frauenkopfbedeckung (1.Kor 11,13) werden für ewig gültige Ordnungen gehalten. Hier darf aber jeder Gläubige seinem Gewissen folgen. Das Gewissen ist ausnahmslos geschützt nach biblischer Ordnung (1.Kor 8,12). Deswegen werden sich je nach Einschätzung verschiedene kleine Glaubensgemeinschaften bilden, die sich aber alle einander als Geschwister in Christus anerkennen und lieben sollen: "Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander liebhabt." (Joh 13,34) Um harmloser Missverständnisse willen sollten sich Gläubige nicht zerstreiten, sondern die Gewissensentscheidung des anderen respektieren.

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